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Hamburg: Vom BarCamp zum Miniaturwunderland

Mord im Miniaturwunderland?

Am Wochenende war mal wieder BarCamp-Zeit in Hamburg. Die Hanseaten luden 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Räume des Otto-Versandes. Alles war so toll organisiert wie immer, aber irgendwie kam bei mir und den mitgereisten RA Dirks und dem Brüsseler keine BarCamp Stimmung auf und so brachen wir unsere Teilnahme am Mittag ab und fuhren ins Miniaturwunderland. Warum keine rechte Stimmung aufkam und was uns zum Abbruch gebracht hat, versuche ich hier mal aufzudröseln. 

Innerhalb von Minuten waren alle Plätze des BarCamps in Hamburg in diesem Jahr ausgebucht. Als ich eine Stunde nach Start der Anmeldung auf die Seite kam, konnte ich mich nur noch auf den Wartelisten eintragen. Das Interesse war also groß. Aber was war in diesem Jahr anders als in den vorangegangenen?

Auffällig fand ich als erstes den unglaublich hohen Anteil von Hipstern: Ich habe mich bisher noch nie auf einem BarCamp underdressed gefühlt. Aber ohne Karohemd, 3D-Brille und asymetrischer Frisur, war man fast schon in der Minderheit. Auffällig auch der hohe Frauenanteil. Natürlich ist es gut, dass der Anteil stetig steigt auf solchen Veranstaltungen. Wenn der Frauenanteil in der IT-Branche aber eher niedrig ist, heißt es, dass die eher aus anderen Branchen kommen müssen – Marketing? Vertrieb?

Kleidung und Geschlecht sind natürlich kein Grund dafür, dass ein BarCamp nicht interessant sein sollte, doch schon bei der Vorstellung der Session-Themen fiel mir auf, dass mich kaum ein einziges auch nur im Ansatz interessierte. Da sprangen dann diese jungen, hippen Leute auf die Bühne und stellten sich vor mit Worten wie „Ich hab auch gerade vor 14 Tagen gegründet…,“ und Sessions angeboten wie „Finanzpunks“ und es gab fast keine Entwicklerthemen.

In der ersten Session, die ich dann besuchte, hatte jemand vor allem Spaß daran, einen speziellen Präsentationsstil zu präsentieren. Inhaltlich ging einiges durcheinander und wenn es um rechtliche Tipps ging, habe ich vorsichtshalber gleich ganz abgeschaltet. Über das Thema selbst erfuhr ich fast nichts, außer dass Google böse ist. Da die Präsentation auf 30 Minuten ausgelegt war, bliebt praktisch keine Zeit für Nachfragen.

Ich hatte dann den Eindruck, dass die Sponsoren in den letzten Jahren besser wussten, was sie mit ihren Sessions anfangen sollen. Die Mitarbeiter eines Verlages haben zum Beispiel vor zwei Jahren, glaube ich, wirklich gut erklärt, wie sie Internetseiten internationalisieren. In diesem Jahr ging es in den Sessions eher um Produktwerbung und Unterhaltung. Zumindest in denen, die ich gesehen und von denen ich gehört habe.

Während der Mittagspause flezten ich mich mit meinen Mitreisenden auf den hervorragenden Sitzsäcken im Fourier. Ein leckeres Essen im Bauch, diskutierten wir unsere ersten Eindrücke und wir waren uns einig, dass wir irgendwie nicht „rein“ finden. Wir haben dann überlegt, ob wir nicht einfach eigene Sessions anbieten. Da uns aber nicht direkt etwas einfiel und wir auch keine Lust mehr hatten, entschlossen wir uns, unsere Plätze für den Sonnabend freizugeben und stattdessen ins Miniaturwunderland zu fahren.

Im Nachhinein kommt es mir so vor, als habe es in der Szene einfach einen Generationenwechsel gegeben. Von der ersten Generation sitzen jetzt viele Leute in Reklamefirmen oder Enquete Kommissionen. Viele sind inzwischen irgendwo angekommen. Diese Leute haben noch darüber erzählt, wie man sich ein eigenes Blog anlegt, wozu Twitter gut sein kann, was man beim Podcasten beachten sollte. Von denen war aber keiner mehr dabei in diesem Jahr.

Stattdessen sind da die Jungs und Mädels, die diese erste Welle nutzen, um cool drauf zu surfen. Das mache ich ihnen nicht zum Vorwurf – Es ist aber nicht mehr das, was mich interessiert. Ich will wissen, wie die Sachen funktionieren und nicht, wie man sie zu Geld machen kann.

Foto: Eigene Aufnahmen. Lizenz: Creative Commons Namensnennung

Kommentare

uemit

Danke für den Erfahrungsbericht.
Da bin ich ja ganz froh, dass ich nicht Hals über Kopf hin­ge­fah­ren bin.

Sebastian

Na so­was. Da hät­te ich mi­ch wohl so­gar ge­är­gert.

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