Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Fazit : 1. BarCamp in Kiel

BarCamp Kiel 2010

Steffen Voß

Am 13.+14. August 2010 fand endlich das erste BarCamp in Kiel statt. Seit Wochen und Monaten hatten wir geplant, gemailt, konferiert, telefoniert, sortiert und gesammelt, gestöpselt und verkabelt, verdrahtet und vernetzt, so dass alles wie am Schnürchen lief.

Ein BarCamp ist eine Konferenz, bei der die Organisatoren nur für den Rahmen sorgen. Die Inhalte werden von den Teilnehmern vor Ort eingebracht. Dafür gibt es dann 30-minütige Slots, in denen man sich einen Raum nehmen kann, um anderen Teilnehmer einen Vortrag zu halten, mit ihnen zu diskutieren oder einen Workshop durchzuführen.

100 neue BarCamper!

Normalerweise haben BarCamps immer das Problem, dass die Kenner schon Monate im Voraus wissen, wann sie sich anmelden müssen, um die Veranstaltung dann in einem Tag auszubuchen. Neulinge haben da fast nie eine Chance. In Kiel war es genau umgekehrt: Von den knapp 100 Teilnehmern der Eröffnungsrunde am Freitag waren nur eine Hand voll schon auf anderen Camps. Entsprechend zurückhaltend waren viele Teilnehmer am ersten Tag.

Dafür schöpften am zweiten Tag umso mehr Leute Mut, selbst eine Session anzubieten. Am Ende war die Beteiligung so groß, dass wir noch einen fünften Track in einem zusätzlichen Raum öffnen mussten – und selbst der war fast ausgebucht.

Große Resonanz

Als wir Anfang des Jahres die ersten Male zusammen saßen und überlegt haben, ob wir denn ein BarCamp machen sollten, haben wir versucht abzuschätze, wie viele Leute denn wohl kommen könnten. 20-25 Teilnehmer sind immer beim WebMontag und für einen besonderen Termin konnten wir uns auch 40-50 Leute vorstellen. Letztlich waren über die 2 Tagen über 100 Leute im Wissenschaftszentrum. Auch wenn einige von ihnen nur einen der beiden Tage teilnehmen konnten und andere hatten wohl schon am Vormittag des Freitags festgestellt, dass ein BarCamp nichts für sie ist.

Sessions

Ich habe selbst wenig von den Sessions mitbekommen. Ich war zufrieden damit, dass die Veranstaltung lief. Ich fand aber trotzdem die Mischung ganz gelungen: Für Einsteiger, Aufsteiger und Profis sollte etwas dabei gewesen sein.

Spannend war das große Interesse am (Lokal-)Journalismus. Umso enttäuschender, dass sich die Kieler Nachrichten nie auf die Einladung zur Teilnahme gemeldet haben. So wurde halt viel über die Zeitung geredet statt mit ihr.

Interessant war auch, dass zum Einen Viele sagten, dass sie sich für Netzpolitik interessierten, dass aber niemand eine Session angeboten hat. Es gab nur eine Diskussion allgemein unter der Überschrift „Netzpolitik“. Die hätte, wie Sebastian schrieb, leicht zum Politiker-Bashing werden können. Durch den CDU-Kommunalpolitiker Malte Steckmeister, die Spitzenkandidatin der Piratenpartei zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein, Anika Tanck, mich als Mitarbeiter der SPD, und einige andere Teilnehmer mit Parteierfahrung konnten ein paar gängige Vorurteile ausgeräumt werden:

Dabei kam natürlich ein wenig zu kurz, dass wir eigentlich ein neues Urheberrecht erfinden wollten oder die Netzneutralität neu definieren.

Netzwerken

Ein BarCamp ist mit der Taktung „Halbe Stunde Session / Halbe Stunde Pause“ extra so angelegt, dass viel Zeit für kleinere Grüppchen ist. Die Sessions sollen dabei helfen, dass die Teilnehmer ins Gespräch kommen und vielleicht auch Aktivitäten für die Zeit nach dem BarCamp planen. Ich habe da sehr interessante Gespräche gehabt und viele nette Leute kennengelernt. 

Jour Fitz

Ziemlich von Anfang an hatten wir die Idee eines Kulturangebots für die BarCamper. Miriam hat dann das Jour Fitz angeschleppt und das hat sich als wunderbare Veranstaltung herausgestellt: Eine Bloglesung in milder Abendstimmung. Von brüllend komisch, hintersinnig zum Schmuzeln bis zum fortscheitenden Wahnsinn.

Dank an die Sponsoren

Ich möchte wirklich herzlich und nicht aus Verpflichtung allen Sponsoren danken:

Fazit

Die Gemeinde der BarCamper ist seit dem Wochenende 100 Personen größer geworden. Unseren Bildungsauftrag (abgeleitet aus unserem Sendungsbewusstsein) haben wir somit voll erfüllt. Wir haben dafür gesort, dass Schleswig-Holstein kein weißer Fleck mehr auf der Web2.0-Karte ist und wir haben gezeigt, dass es hier eine Szene gibt.

Ich persönlich hoffe, dass das BarCamp zur Vernetzung der Szene beigetragen hat und dass ein paar Leute mehr Kiel mögen.

Da das Wissenschaftszentrum, KielNet und Addix schon Unterstützung auch im nächsten Jahr zugesagt haben und die Kooperativa auch gerne das Catering wieder machen möchte, sollte es auf jeden Fall 2011 eine Fortsetzung geben.

Links

Kommentare

Dieter Bethke
Dieter Bethke:

Ich möchte an dieser Stelle nochmal meinen Dank an Steffen und all die anderen Organisatoren aussprechen. Und an die Sponsoren, die das BarCamp möglich gemacht haben. Es hat alles wunderbar funktioniert und Spaß gemacht. Besonders freut mich, dass es also definitiv eine Fortsetzung in 2011 geben wird. Bis dahin haben wir sicherlich auch das »Coworking in Kiel« deutlich voran gebracht, welches ja beim BarCamp Kiel 2010 sein spontanes Kick Off hatte.

Herzliche Grüße,
Dieter

17.8.2010 um 15:34
Stecki
Stecki:

Auch von mir an dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Dank an Dich und die ganze Orga-Truppe und die Sponsoren, ohne die das alles nicht möglich gewesen wäre: Das BarCamp war wirklich klasse!

Zur Politik-Session: Wirklich schade, daß nachher dann doch die Zeit fehlte, eine kleine tour d’horizon zur Lage der Netzpolitik machen zu können. Aber das holen wir dann hoffentlich auf dem BarCamp 2011 nach.

17.8.2010 um 22:48

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