Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Wirtschaft : Was bleibt vom Spirit des Silicon Valleys?

Es wird Nacht im Silicon Valley
Foto: Francesco Crippa - CC BY 2.0

Steffen Voß

„Amerika liebt Dich nicht mehr,“ schreibt Investor Ross Baird in einer Art offenem Brief an das Silicon Valley. Die Tech-Branche habe inzwischen fast so einen schlechten Ruf wie die Wall Street und zwar zu recht.

„Kalifornische Sonne an der Kieler Förde,“ lautet der Slogan des Kieler WebMontags seit ein paar Jahren. Das ist eine Adaption der ursprünglichen Idee des WebMontags:

„Inspiriert von der Kultur Silicon Valleys startete der Web Montag gegen Ende 2005 in Köln als Versuch, ein bisschen ‚kalifornischen Sonnenschein‘ nach Deutschland zu bringen.“

Ich hatte bei dem Slogan immer schon ein wenig Bauchschmerzen, denn diese Tendenzen aus dem Artikel sind ja schon länger zu beobachten. Ich fand den Slogan dann aber ok, weil er eben zur ursprünglichen Idee gehörte und die Kultur des Silicon Valley damals auch noch eine andere gewesen sein muss. Außerdem sind wir an der Förde froh über jede Art Sonne.

2005 – Das war die Zeit von Web 2.0. Alles wurde offen und bekam eine API. Man konnte alle möglichen Dienste mit einander verkuppeln und es schien, das Internet würde sich noch stärker in diese Richtung entwickeln. Open Source, Freie Informationen, vielleicht das Ende des Urheberrechts? Jeder konnte tolle „Mashups“ programmieren. In diesem Geist sehe ich auch weiterhin den WebMontag.

Ich habe mich immer gewundert, warum das Land der freien Marktwirtschaft so starke Monopolbildungen zulässt, dass heute die gesamte Digitalisierung fast weltweit von 4-5 Konzernen abhängt. In den 90ern hätten die USA fast Microsoft zerschlagen. 2001 wurde AOL gezwungen seinen Messagingdienst AIM für externe Clients zu öffnen. Davon ist heute nichts mehr übrig. Ich kann es mir nur so erklären, dass die US-Regierung sagt: Lieber US-Monopole als chinesische.

Es wäre ein Fehler, sich daran zu orientieren. Wir können wirklich froh sein, dass Deutschland manchmal etwas langsamer ist. Wir lassen die Fehler andere machen und perfektionieren, was sich bewährt. Diese Startup-Szene brauchen wir in Deutschland nicht. Und ich bin froh, dass die Leute, die ich in der Starterkitchen kennenlerne, nicht so sind. Sonst würde der WebMontag da auch nicht mehr stattfinden. Die wollen alle tatsächlich etwas machen, etwas aufbauen und davon leben und nicht einfach nur aufgekauft werden.

via Alexander Ohrt

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