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Smartphones: Apps-Hype = Second-Life 2010

Android
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Verschiedene Blogger be­schäf­ti­gen si­ch zur Zeit mit der Zukunft von Apps. Apps sind die­se klei­nen Programme, die man für sein Mobiltelefon kau­fen kann – vie­le gibt es auch um­son­st. Es hat si­ch aber vor al­lem rund um den App-Store von Apple ei­ne klei­ne Branche ge­bil­det, die mit re­la­tiv we­nig Aufwand Geld ver­dient. Viele Beobachter ge­ben die­ser Blase kei­ne Chance auf dau­er­haf­te Existenz.

Der App-Store und die Alternativen von der Konkurrenz lö­sen zwei Problem:

  1. Kundenaquise und Distribution wer­den kom­plett über ei­nen zen­tra­len Punkt auf dem Telefon er­le­digt. Wer et­was ver­kau­fen will, mel­det es hier an und war­tet auf sei­ne Kunden.
  2. Die Abrechnung über­nimmt Apple, kas­siert bei den Kunden und zahlt an die Anbieter aus.

Da das auf die glei­che Weise auch auf dem iPad funk­tio­niert, ha­ben di­ver­se deut­sche Verleger das Gerät als Lösung für das Problem mit ih­rem Content Geld zu ver­die­nen ge­fei­ert. Statt ei­ne Internetseite oh­ne kla­res Geschäftsmodell zu be­trei­ben, lässt man si­ch ein Programm schrei­ben, dass die Inhalte auf dem iPad dar­stellt und da man das Programm nur über den App-Store be­kom­men kann, muss der Kunde durch den Bezahl-Feuerreifen hüp­fen, um an die Leckerli-Inhalte zu kom­men.

Leider Quatsch

Leider ist das nicht ge­ra­de weit­sich­tig, denn zum Einen funk­tio­nie­ren die Apps fürs iPho­ne höchs­tens no­ch auf dem iPad – an­ders­her­um nicht und zum Anderen schau­en po­ten­ti­el­le Kunden mit an­de­ren Endgeräten gänz­li­ch in die Röhre. 

Apple hat ei­nen Marktanteil im Mobiltelefonbereich von ca. 15%*. In den 100% sind na­tür­li­ch je­de Menge Telefone, die no­ch gar nicht für die mo­bi­le Internetnutzung ge­dacht sind – ent­spre­chend kann man den Anteil von Apple für die in­ter­es­san­te Gruppe der Smartphone-Nutzer hö­her an­set­zen. Es lässt aber all die Desktop- und Laptop-Computer-Besitzer völ­lig au­ßen vor. 

Also müss­te man min­des­tens no­ch für Android und Windows, viel­leicht aber auch no­ch für Blackberry und Mac ent­spre­chen­de Apps schrei­ben las­sen und ver­kau­fen. Und das al­les, wäh­rend es ei­nen Megatrend weg vom Desktop gibt. Mehr und mehr Dienste wer­den per Browser an­ge­bo­ten: Mails kann man schon lan­ge per web.de, GMX & Co. ab­ru­fen. Es gibt Fotoalben, Textverarbeitungen, Kalender-, Projektmanagement- und Customer-Relationship-Management-Software on­line und Google ar­bei­tet an ei­nem Betriebssystem für Netbooks, das qua­si nur no­ch aus ei­nem Browser be­steht. Und dann gibt es Leute, die glau­ben, dass Programme, die nur auf ei­nem ein­zi­gen Typ Endgeräte läuft die Zukunft wä­re.

HTML 5 ist die Zukunft 

Eine Apps ist doch nicht mehr als ein Link auf ei­ne Internetseite, die nicht aus­sieht wie ei­ne ty­pi­sche Internetseite. Spätestens mit HTML5 wird man mit Browsertechnologie ma­chen kön­nen, was im­mer man son­st nur mit na­ti­ven Programmen konn­te – es wird aber Geräte un­ab­hän­gig sein.

Second-Life – Das virtuelle Mahnmal 

Vor ein paar Jahren gab es ei­nen ähn­li­chen Hype: Second Life. Ich logg­te mi­ch ein und schau­te es mir an. Es gab hun­der­te von Artikeln dar­über wie die­ses System die vir­tu­el­le Wirtschaft an­kur­beln wür­de. „Es gibt so­gar ei­ne ei­ge­ne Währung!“ Dann be­gan­nen Leute, si­ch als Architekten der neu­en Welt selbst­stän­dig zu ma­chen. Und ich dach­te mir, „muss ich jetzt wirk­li­ch statt Websites Häuser bau­en?“ 

Mittlerweile küm­mert si­ch kein Mensch mehr um Second Life und all sei­ne Clone. Das Web ist so groß ge­wor­den, weil es auf frei­er Technologie be­ruht, weil es je­dem den Zugang er­mög­licht und es er­mög­licht be­lie­bi­ge Dinge aus­zu­pro­bie­ren. Es er­mög­licht, Inhalte auf ver­schie­den­s­te Weisen auf­zu­be­rei­ten und zu ver­mi­schen. Die Konserven-Form mag für be­stimm­te Zielgruppen in­ter­es­sant sein. in­no­va­tiv ist das nicht und der Druck aus dem frei­en Netz auf die Walled-Garden-Apps wird auf dau­er zu groß sein.

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Bild: Jesus Belzunce Lizenz: CC by-nc-nd

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