Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

HTML5 : Google verspricht freies Video Codec

Foto: Flickr Commons

Steffen Voß

Google hat mal wieder ein kleine Revolution angekündigt: Diesmal allerdings nicht in Form eines neuen Gerätes oder noch besseren Cloud-Services. Diesmal ist es eine Revolution im Hintergrund: Mit VP8 will Google ein modernes Video-Codec unter freie Lizenz stellen und damit eine große Lücke im Netz schließen.

Der Erfolg des World Wide Web beruht zu einem großen Teil auf freier Software und freien Spezifikationen: Vom Serverbetriebssystem bis HTML und dem Browser ist der komplette Auslieferungsweg einer Website mit freier Software abbildbar. Die einzigen Schwachstelle in dieser Kette waren bisher immer die Audio- und Videoformat.

Audio und Video sind in HTML nur schlecht vorgesehen gewesen. Das kann man auch gut an der komischen Art und Weise erkennen, wie Multimedia-Inhalte im Moment in HTML eingebettet sind. Video gibt es im Netz auch erst vernünftig nutzbar, seit jemand auf die Idee gekommen ist, Videos in Flash umzuwandeln. Flash ist aber ebenfalls ein proprietäres Format, so dass man immer von den Lizenzen mit Adobe abhängt.

Video in HTML 5

Mit HTML 5 soll endlich eine Lösung für Videos geschaffen werden, die so einfach ist, wie das Einbinden von Bildern in HTML. Allein ein Video-Tag mit der URL des Videos reichen. Den Rest übernimmt der Browser. Das bedeutet, dass der Browser mit Videos umgehen können muss. Mit Videos umgehen kann der Browser, wenn das entsprechende Codec vorhanden ist. So ein Codec ist eine Software, die kurz gesagt festlegt, wie ein Video eingepackt wird, damit es klein wird (COdieren) und wie man es wieder auspacken muss, um es anzuzeigen (DECodieren).

Nun sind die modernen und breit verfügbaren Codecs alle proprietär – sprich: irgendwer muss dafür Lizenzgebühren bezahlen. Oder es sind patentierte Teile enthalten, für die jederzeit Lizenzgebühren verlangt werden könnten. Das ist auch schon einmal geschehen, als die Rechtinhaber am .GIF Format in den 90ern anfingen, Lizenzgebühren von Software-Entwicklern nachzufordern.

Für Entwickler freier Software kommt somit eigentlich die Nutzung unfreier Codecs nicht in Frage, weil sie ein unkalkulierbares Risiko darstellen. Googles Ankündigung den VP8-Codec unter freier Lizenz zu veröffentlichen, kommt einem Befreiungsschlag gleich. Und Chrome, Firefox und Opera sollen das Codec unterstützen. Sogar Microsoft hat angekündigt, den Standard im Internet Explorer 9 zu integrieren.

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Kommentare

Stefan
Stefan:

Die MPEG-LA, die einen Patent-Pool für H.264 verwaltet, behauptet, dass ihre Patente auch für VP8 gelten und hat angekündigt, auch hier einen Patent-Pool zu planen, den dann VP8-Nutzer lizensieren können, wie ich H-264-Nutzer in Zukunft ab 2012 für MP4 lizensieren müssen. Im besten Fall Patent-FUD, im schlechtesten hat VP8 somit dann keinen Vorteil vor H.264 mehr.

23.5.2010 um 23:25
Steffen
Steffen:

Oh, ich les das auch gerade bei Golem: „MPEG LA will mögliche Patentverstöße prüfen“ http://www.golem.de/1005/75291.html

Das ist natürlich übel. Scheint gar nicht so leicht zu sein, einen freien Codec zu entwickeln.

23.5.2010 um 23:41

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