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HTML5: Google verspricht freies Video Codec

Google hat mal wie­der ein klei­ne Revolution an­ge­kün­digt: Diesmal al­ler­dings nicht in Form ei­nes neu­en Gerätes oder no­ch bes­se­ren Cloud-Services. Diesmal ist es ei­ne Revolution im Hintergrund: Mit VP8 will Google ein mo­der­nes Video-Codec un­ter freie Lizenz stel­len und da­mit ei­ne gro­ße Lücke im Netz schlie­ßen.

Der Erfolg des World Wide Web be­ruht zu ei­nem gro­ßen Teil auf frei­er Software und frei­en Spezifikationen: Vom Serverbetriebssystem bis HTML und dem Browser ist der kom­plet­te Auslieferungsweg ei­ner Website mit frei­er Software ab­bild­bar. Die ein­zi­gen Schwachstelle in die­ser Kette wa­ren bis­her im­mer die Audio- und Videoformat. 

Audio und Video sind in HTML nur schlecht vor­ge­se­hen ge­we­sen. Das kann man auch gut an der ko­mi­schen Art und Weise er­ken­nen, wie Multimedia-Inhalte im Moment in HTML ein­ge­bet­tet sind. Video gibt es im Netz auch er­st ver­nünf­tig nutz­bar, seit je­mand auf die Idee ge­kom­men ist, Videos in Flash um­zu­wan­deln. Flash ist aber eben­falls ein pro­prie­tä­res Format, so dass man im­mer von den Lizenzen mit Adobe ab­hängt.

Video in HTML 5

Mit HTML 5 soll end­li­ch ei­ne Lösung für Videos ge­schaf­fen wer­den, die so ein­fach ist, wie das Einbinden von Bildern in HTML. Allein ein Video-Tag mit der URL des Videos rei­chen. Den Rest über­nimmt der Browser. Das be­deu­tet, dass der Browser mit Videos um­ge­hen kön­nen muss. Mit Videos um­ge­hen kann der Browser, wenn das ent­spre­chen­de Codec vor­han­den ist. So ein Codec ist ei­ne Software, die kurz ge­sagt fest­legt, wie ein Video ein­ge­packt wird, da­mit es klein wird (COdieren) und wie man es wie­der aus­pa­cken muss, um es an­zu­zei­gen (DECodieren).

Nun sind die mo­der­nen und breit ver­füg­ba­ren Codecs al­le pro­prie­tär – sprich: ir­gend­wer muss da­für Lizenzgebühren be­zah­len. Oder es sind pa­ten­tier­te Teile ent­hal­ten, für die je­der­zeit Lizenzgebühren ver­langt wer­den könn­ten. Das ist auch schon ein­mal ge­sche­hen, als die Rechtinhaber am .GIF Format in den 90ern an­fin­gen, Lizenzgebühren von Software-Entwicklern nach­zu­for­dern.

Für Entwickler frei­er Software kommt so­mit ei­gent­li­ch die Nutzung un­frei­er Codecs nicht in Frage, weil sie ein un­kal­ku­lier­ba­res Risiko dar­stel­len. Googles Ankündigung den VP8-Codec un­ter frei­er Lizenz zu ver­öf­fent­li­chen, kommt ei­nem Befreiungsschlag gleich. Und Chrome, Firefox und Opera sol­len das Codec un­ter­stüt­zen. Sogar Microsoft hat an­ge­kün­digt, den Standard im Internet Explorer 9 zu in­te­grie­ren.

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Foto: Flickr Commons

Kommentare

Stefan

Die MPEG-LA, die ei­nen Patent-Pool für H.264 ver­wal­tet, be­haup­tet, dass ih­re Patente auch für VP8 gel­ten und hat an­ge­kün­digt, auch hier ei­nen Patent-Pool zu pla­nen, den dann VP8-Nutzer li­zen­sie­ren kön­nen, wie ich H-264-Nutzer in Zukunft ab 2012 für MP4 li­zen­sie­ren müs­sen. Im bes­ten Fall Patent-FUD, im schlech­tes­ten hat VP8 so­mit dann kei­nen Vorteil vor H.264 mehr.

Steffen

Oh, ich les das auch ge­ra­de bei Golem: „MPEG LA will mög­li­che Patentverstöße prü­fen“ http://www.golem.de/1005/75291.html

Das ist na­tür­li­ch übel. Scheint gar nicht so leicht zu sein, ei­nen frei­en Codec zu ent­wi­ckeln.

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