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Facetten der Freiheit: Heute: Freiheit von Pornografie

Steve Jobs

In leicht angetrunkener Laune hatte sich Gawker-Blogger Ryan Tate daran gemacht, sich per Mail bei Steve Jobs zu beschweren: Im aktuellen iPad-Werbespot bezeichnet Apple selbst das Gerät als „Revolution“ – Revolutionen hätte aber immer mit Freiheit zu tun, beklagte sich Tate und fand sich prompt in einer Diskussion über Freiheit mit His Jobness persönlich wieder.

Steve Jobs erklärt in seiner Mail, dass sein Angebot ebenfalls Freiheit ist:

„Yep, freedom from programs that steal your private data. Freedom from programs that trash your battery. Freedom from porn. Yep, freedom. The times are a changin‘, and some traditional PC folks feel like their world is slipping away. It is.“

Auch wenn sicherlich die „Freiheit von Pornografie“ ein interessanter Spruch ist und gerade in der amerikanischen Kultur noch wesentlich kontroverserer ist, finde ich eher die folgende Aussage bezeichnend: Steve Jobs ist der Meinung, dass die Zeit des klassischen Computers vorbei ist.

Das würde bedeuten, dass Computer in Zukunft nicht mehr die Allzweckgeräte sein sollen, die sie heute sind. Statt dem Benutzer die Freiheit zu lassen, mit dem Gerät zu machen was er will, werden zukünftig Firmen entscheiden, was ein Computer kann und was nicht, welche Inhalte angezeigt werden und welche nicht. Das ist dann die Freiheit von zu vielen verwirrenden Optionen. Die Freiheit von der Gefahr, Fehler zu machen auf dem Weg, selbst herauszufinden, was für einen persönlich richtig ist.

Ich kann verstehen, dass es nicht leicht ist, sich mit Computern zurecht zu finden, wenn man sich damit nicht ständig beschäftigt. Auch ich fluche oft genug über dies und das und wünschte, dass etwas einfach nur funktionieren möge. Der Computer ist aber nicht mehr nur ein Werkzeug wie viele andere. Der Computer ist kein Hammer, wie Guido Westerwelle irgendwann mal behauptete. Der Computer wird immer mehr zu dem Zugang zu Kommunikation und Information. Da darf man seine Freiheit nicht im Apple-Store abgeben, nur weil es einfacher ist.

Einer der Kommentare unter Tates Artikel zitiert L. Ron Hubbard, den Gründer von Scientology:

„If you really want to enslave people, tell them that you’re going to give them total freedom.“ — L. Ron Hubbard 

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Foto: acaben Lizenz: Creative Commons by-sa/2.0

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Kommentare

Sven Thomsen

Hey. Ein rich­ti­ger Blograusch in den letz­ten Tagen 🙂 

Interessant ist in die­sem Modell die en­ge Bindung von Gerät und Inhalten. Bei Applikationen greift Apple schon sehr stark ein. Und nicht nur qua­li­täts­si­chernd, son­dern auch in­halt­li­ch.

Bei Webinhalten gibt es das hier no­ch nicht, aber war­um nicht aus Gründen der „Optimierung für trag­ba­re Geräte“ ei­nen Proxy zwischenschalten?(vgl. Google Reader, mo­bi­le Version)

Bestimmt der­je­ni­ge, der die Geräte baut, dem­nächst auch die Informationen, die man mit die­sen Geräten er­hält?


Sven

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