Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Comic : Joe Sacco – Palästina

Joe Sacco - Palästina

Steffen Voß

Palästina gibt es nicht. Es gibt das israelisch besetzte Westjordanland und den Gaza Streifen. Seit 1967 gehören diese zwei Gebiete zu keiner Nation mehr. Im 6-Tage-Krieg wurden sie von Israel erobert – annektiert, also zu einem Teil Israels wurde aber nur Ost-Jerusalem. Der Rest wird nur von Israel verwaltet, denn eine Annektierung würde die Palästinenser zu Israelischen Staatsbürgern machen. Seither schwelt der Konflikt zwischen der arabischen Bevölkerung und den israelischen Besatzern und immer wieder flammt er auf. Joe Sacco beschreibt in seinem Comic „Palästina“, wie die Palästinenser die Besatzung erleben.

Zur Zeit der ersten Intifada – dem Aufstand der Palästinenser gegen Israel – reiste der Journalist Joe Sacco in das Westjordanland und den Gaza Streifen, um mit den dort lebenden Arabern über ihre Lebensumstände zu sprechen. Immer wieder erzählen sie von Willkür und Gewalt gegen Männer, Frauen und Kinder. Willkürliche Verhaftungen und brutaler Umgang mit den Gefangenen. Noch im Krankenhaus werden Verwundete von israelischen Soldaten zusammengeschlagen. Dazu kommt die systematische Benachteiligung der Palästinenser: Sie sind vor allem billige Arbeiter in Israel, denen selbst diese Arbeit durch allerlei Hemmnisse schwer gemacht wird.

Eine unglaubliche Geschichte reiht sich an die nächste. Am Ende fragt sich nicht nur der Autor, wie Palästinenser und Israelis jemals friedlich zusammenleben sollen – sei es in einem gemeinsamen oder zwei getrennten Staaten.

Ein wenig zu kurz kommt leider die israelische Sicht – die kommt nur in Form zweier vermutlich relativ durchschnittlicher Israelischer Frauen zu Wort. „Palästina“ ist aber dennoch ein großartiges Beispiel für die Macht des Comics und seiner Verbindung von Wort und Bild. Es gibt den in Deutschland nur als Steineschmeißers bekannten Palästinensern ein menschliches Antlitz. Es zeigt ihre Hilflosigkeit und Verzweiflung. Trotzdem ist „Palästina“ nicht einseitig. Sacco hinterfragt auch die Gewalt gegen die Israelis und der Palästinenser untereinander. Wer einen Einblick in die Lage in Palästina in den 1990ern bekommen will, sollte „Palästina“ lesen.

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