Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

#unibrennt : Die Besetzung der Uni Wien

Audimax der Universität Wien

Steffen Voß

„In Wien ist das Audimax von Studierenden besetzt worden.“ So halb habe ich die Nachricht mitbekommen. Auch, dass die Besetzung mittlerweile schon einige Zeit andauert, war mir bekannt. Auf dem BarCamp in Hamburg habe ich dann aus erster Hand erfahren können, was dort vor sich geht: Die Uni „brennt“!

Auslöser der Aktion war demnach die Ankündigung, dass die Akademie der Künste in Wien ebenfalls auf Bachelor und Master umgestellt werden soll. Im Anschluss an eine Demonstration dagegen wurde das Audimax der Universität besetzt. Seither regiert dort der Audimaxismus:

In basisdemokratischer Art und Weise müssen alle Anträge vom Plenum beschlossen werden. So wurden auch keine Vertreter gewählt, als das Ministerium Ansprechpartner forderte, denn die Vertretung durch die Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft wurden auf Grund der niedrigen Wahlbeteiligung von nur 30% bei der letzten ÖH-Wahl abgelehnt. Stattdessen wurden die Mitarbeiter des Ministeriums eingeladen, vor dem Plenum zu sprechen.

Arbeitsgruppen kümmern sich um die Ausarbeitung der Forderungen, um Pressearbeit, um die Versorgung der Anwesenden in einer Volksküche, um die IT-Infrastruktur und nicht zuletzt auch ums Saubermachen.

Was wollen die Studierenden?

Die Proteste, die aus einem allgemeinen und nicht organisierten Gefühl der Unzufriedenheit entstanden sind, werden inzwischen von der „AG Forderungen“ in die Form komkreter Forderungen gebracht. Und in der Beschäftigung mit den straffen Ausbildungsformen im BA/MA-System, der Elitenförderung und der ständigen Unterfinanzierung, während der Staat in Zeiten der Krise plötzlich Milliardenbeträge für Wirtschaftsunternehmen aufbringen kann, stoßen die Debatten auch auf weitere, grundsätzliche Ungerechtigkeiten.

„Die Studenten spüren, dass die großen Versprechen der Leistungsgesellschaft nicht eingehalten werden. Denn an den Unis herrscht – anders als es die Streikenden in ihren Reden beklagen – ja gerade keine „Wettbewerbsgesellschaft“, sondern eine von der Politik ausgehungerte Bürokratie, die den josephinistischen Idealen der Aufklärung nicht mehr gewachsen scheint. Nicht jene reüssieren in diesem Staat, die bildungshungrig sind, sondern jene, die ‚zur richtigen Zeit im richtigen Biotop leben‘, wie dies der Lobbyist Walter Meischberger kürzlich für sich treffend behauptete.“ — Florian Klenk

Was als pragmatische Auseinandersetzung über Studienbedingungen begann, kommt um Diskussion nicht um den gesamtgesellschaftlichen, den europäischen und den weltweiten Kontext nicht herum.

Plötzlich diskutiert eine als angepasst und unpolitisch geltende Generation über „Kapitalismus“, „Widerstand“ und „Solidarität“ – Und nicht nur in Österreich bewegt sich etwas. Auch in Deutschland „brennen“ Unis und beim bundesweiten Bildungsstreik im Sommer demonstrierte eine viertel Million Schüler und Studenten.

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Foto: sAgd | Creative Commons 

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