Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Trends : XMPP statt HTTP

Foto: Steffen Voß Lizenz: CC-by.2.0

Steffen Voß

XMPP hat bis vor einiger Zeit ein Nischendasein als Chat-Netzwerk „Jabber” für Open-Source Fanatiker gefristet: Während die coolen Kids ICQ und Skype benutzten, haben die Stubenhocker „Jabber” benutzt. Mittlerweile aber gibt es immer mehr spannende Anwendungen, die auch bisher nur andeuten, was damit alles möglich ist. Könnte es vielleicht am Ende sogar HTTP den Rang ablaufen?

Natürlich klingt das zunächst komisch: Warum sollte ein Chat Webseiten ersetzen. Aber schauen wir uns an, was in letzter Zeit mit XMPP gemacht wurde:

  1. Seit 1999 gibt es XMPP.
  2. Seit 2004 ist XMPP von der IETF standardisiert.
  3. 2005 hat Google XMPP für seinen Instant Messaging Service Google Talk aufgeriffen. Google Talk konnte neben Chats auch schon VoIP.
  4. 2008 startet mit identi.ca ein Open-Source Twitter-Clone auf XMPP-Basis.
  5. 2009 kündigt Google eine kommunikative Revolution an: Google Wave soll E-Mail mit heutigen Mitteln neu erfinden. Das zugrundeliegende Google Wave Federation Protocol ist eine Erweiterung von XMPP. 
  6. Vor einigen Tagen heißt es dann auch Facebook stehe kurz davor aus XMPP zu setzen. Bereits seit 2008 arbeite man an einer Implementierung. Mickaël Rémond:

    „Facebook is preparing the launch of their XMPP connection interface. It means that users will be able to use Facebook with any type of XMPP clients, ranging from desktop to mobile clients.” — process|one

Zwei der momentan treibende Kräfte in der Internet-Innovation setzen mit ihren Produkten auf XMPP. Aber warum?

XMPP ist ein XML-basiertes Protokoll – das bedeutet, dass man es sehr einfach erweitern kann (X = extensible). Es können also leicht Erweiterungen für eigene Anwendungen entwickelt werden. Dazu ist es für die Kommunikation im Internet entwickelt worden, während HTTP zur Auslieferung von Hypertexten (Internetseiten samt Grafiken, CSS usw.) entwickelt wurde. Natürlich kann man mittlerweile mit AJAX eine Menge herausholen aus HTTP, aber es bleibt letztlich immer ein Protokoll zur Auslieferung von Hypertexten.

Beispiel „Wave“ mal wieder

An Google Wave kann man erahnen, in welche Richtung es gehen kann. Bisher hat noch keiner herausgefunden, wie man am Besten mit Waves kommuniziert: Es geht irgendwie als Chat oder Dienst für Kurznachrichten. Man kann ein Wave aber auch als gemeinsames Instant-Wiki benutzen: Man lädt sich 3 Leute ein. Diese 3 Leute können nun gemeinsam an einem Text arbeiten, Bilder hereinziehen, Karten anlegen, parallel diskutieren, eine vierte Person hinzuholen und weiterarbeiten.

Für diese Kollaboration benötigt man nichts weiter als einen Wave-Account. Das mag zwar im Moment noch eine Hürde sein. Aber stellen wir uns vor: Jeder, der heute eine E-Mailadresse hat, habe einen Wave-Account. Niemand musste ein Wiki installieren. Niemand musste sich um Logins und Zugriffsrechte kümmern.

Facebook-Freunde als Buddies?

In eine ähnliche Richtung könnte auch das gehen, was Facebook jetzt starten will: Selbst wenn Facebook nur die eigene Chat-Funktion über XMPP nach außen öffnen wollte, müsste es möglich sein, das eigene Facebook-Adressbuch im Client zu nutzen. 

Dann hätte ich die direkte Chat- oder Voice-Chat Möglichkeit nicht nur, weil ich mir die Skype-Adresse von jemandem aus einer Datenbank kopiert habe oder ihn um den Kontakt gebeten habe – Ich hätte diese Möglichkeit allein durch den Kontakt bei Facebook.

Fazit

In XMPP steckt ein ungeheures Potential und es wird eher jemanden geben, der Websiten per XMPP verschickt, als dass die Funktionalitäten von XMPP durch HTTP geschleift werden.

Letztlich geht es immer weiter weg vom„Seiten-Paradigma“ und dahin, Daten abzurufen: Per Computer, per Fernseher, Per Mobiltelefon: Viele verschiedene Endgeräte, die über verschiedenste Arten von Software Daten verarbeiten. XMPP könnte dafür das geeignetere Protokoll sein.

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