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Wirtschaft: Warum ist Google eigentlich so geil?

Steffen Voß bei Google in Mountain View

Dass Menschen die Internetrecherche international inzwischen „googeln“ nennen, lässt ungefähr erkennen, welchen Stellenwert Google in diesem Bereich des Internets hat. Seit Jahren aber beschränkt sich Google immer weniger auf das Kerngeschäft der Websuche und weitete die Aktivität auf alle möglichen anderen Bereiche aus. Und immer wieder gelingt es Google wirklich starke Angebote zu machen – und fast immer kostenlos.

Gerade noch ist Google dabei mit Wave die Internetkommunikation zu revolutionieren, da startet es ein Navigationssystem basierend auf Google Maps und der Google Mobiltelefonbasis Android. OpenGeoData stellte daraufhin die Frage: „Kann da noch ein Wettbewerber mithalten?“ „Kann keiner,“ sagt der Markt und die Aktien von TomTom fallen seither.

Schon Google Maps war eine disruptive Technologie: Bis dahin war die Kartennutzung eher statisch und ein Randphänomen. Die Freigabe der Google Maps API ermöglichte es plötzlich jedermann, eigene Webangebote mit professionelle Karten zu unterstützen.

Auch Google Streetview war ein faszinierendes, wie ambitioniertes Projekt, das die zweidimensionalen Karten und Satellitenbilder um die dritte Dimension erweiterte und die Straßen tatsächliche erfahrbar machte.

Android wurde von Google entwickelt, um den Markt der Mobiltelefone für die eigenen Vorstellungen von mobiler Internetnutzung zu öffnen. Bis dahin bestimmte vor allem Nokia den Markt und setzte den Standard dafür, was mobil geht und was nicht geht. Mit Apple hatte dann ebenfalls ein Branchenfremder versucht das neu zu definieren.

Dazu kamen Experimente im Voice-Bereich. Und nun wurden diese Dienste mit der riesigen Webdatenbank verknüpft zu einem Navigationsdienst, der direkt auf dem Mobiltelefon läuft.

Dazu startet jetzt die Google Musiksuche – fast eher im klassischen Feld der Websuche. Mit Google Voice aber drängt Google noch weiter ins Telefongeschäft. und bietet unter anderem einen Anrufbeantworter, der nicht nur vom Telefon, sondern auch via Internet abrufbar ist.

Google = Web2.5?

Ich habe in den letzten Tagen all diese News wahrgenommen und überlegt, ob ich zu dem Einen oder Anderen etwas schreibe – darüber, wie viel versprechend das aussieht und wie nett zum Beispiel Google Maps Navigation zu funktionieren scheint. Aber spätestens als ich Google Voice sah, habe ich mich gefragt: Was macht eigentlich der Rest der technischen Welt? Warum ist bisher noch kein Telefonanbieter auf die Idee gekommen, die Mailbox nicht nur per Telefon bedienbar zu machen?

Apple genügt sich selbst als Designfirma, Microsoft ringt mit Linux und Apple auf dem toten Feld der Betriebssysteme – alle anderen größeren Player haben sich auf ihre Nischen zurückgezogen und aus Deutschland kommen schon seit Jahren keine innovativen Produkte mehr.

Da kann sich doch keiner ernsthaft darüber beklagen, dass Google überall die Datenkrakenarme hineinsteckt und die Menschen sich gerne davon umarmen lassen:

„es ist immer wieder erschreckend zu sehen, wie einen die eigene bequemlichkeit (und deren gute technik) einen in die arme von google treibt“ – igorette auf identi.ca

Generation Upload oder Generation Google

Während man in Deutschland noch versucht, sich mit Web2.0 an zu freunden, startet Google ins Web2.5. Beispiel: Vodafone will die „Generation Upload“ ansprechen und versteht darunter aber auch nur eine neue Marken-Kampagne.

Google ist das wahre Unternehmen für die „Generation Upload“ – und es wird immer schwieriger, einen Bogen um Google zu machen, wenn man es wollte.

Google wird kein Verlag

Über Googles Buchprojekt laufen jetzt die Verlage sturm: Google scannt schon seit Jahren Bücher – hauptsächlich solche, die nicht mehr regulär zu bestellen sind. Die Inhalte werden dann ganz oder zumindest durchsuchbar zur Verfügung gestellt.

Natürlich kann und muss man darüber streiten, ob das so geht und wie die Schriftsteller daran beteiligt werden sollten. Aber ganz ehrlich: Ich habe mir schon vor 15 Jahren gewünscht, dass ich zum Beispiel online nach einer Stelle in einem Buch suchen kann, und mir zumindest die Seitenzahl angezeigt wird. Die Verlage haben sich einfach überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, wie man sinnvoll Bücher ins Netz bringen kann, und wie man die Vorteile des klassischen Buchs mit denen der digitalen Welt verbinden kann. Jetzt ist halt ein Außenstehender schneller und die Verlag müssen reagieren.

Kundenorientierte Innovation

Google ist meiner Meinung nach so erfolgreich, weil sie sich nicht um Althergebrachtes kümmern und stattdessen immer nach der besten Lösung für ihre Kunden suchen und erst dann nach einer Art damit Geld zu verdienen. Natürlich macht die inzwischen riesige Finanzkraft es leichter in neue Märkte zu drängen, aber schlechten Produkten wäre das nie erfolgreich.

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