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#33C3: Wer entscheidet über unsere digitale Zukunft?

Foto: Daniel Voyager - CC BY 2.0

Transhumanisten träumen davon, dass der Mensch durch Technologie über sich hinaus wächst. Er soll die Evolution selbst in die Hand nehmen und Körper und Geist digital aufwerten, um sich selbst auf eine neue Ebene des Seins führen. Diese Ideologie hat seine Fans im Silicon Valley – Google will sogar den Tod besiegen. Ist unsere Zukunft also ein Konzern-Projekt oder haben wir als Gesellschaft da ein Wort mitzureden? Darüber hat Xavier Flory auf dem Chaos Communication Congress gesprochen.

Für das Auto haben wir den ganzen Planeten umgebaut: Unsere Städte sind rund um das Auto gebaut und um das Auto zu bauen und zu betreiben pflügen wir den Planeten um. Vor einem ähnlich tiefgreifenden Umbau der Welt stehen wir nach Xavier Florys Meinung auch im digitalen Bereich. Wir sind dabei unsere Körper und Gehirne mit digitaler Technik aufzurüsten. Das Problem: Die wesentlichen Entwicklungen werden von einer Hand voll Konzerne und dem US-Verteidigungsministerium finanziert. Wir überlassen die Entscheidungen weitestgehend dem Markt.

Xavier Flory kritisiert diesen liberalen Ansatz, bei dem zunächst jeder Einzelne für sich entscheiden kann, was und wie er mitmachen möchte. Wenn allerdings eine bestimmte Form von Erweiterung des Menschen weit verbreitet ist, wird sie zu Eintrittskarte in die Gesellschaft an sich. Dann ist es keine individuelle Entscheidung mehr. Dann ist es ein Zwang für alle. Es ist aber die Aufgabe eines liberalen Staats, die Freiheitsrechte seiner Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Er kann diese Entscheidungen also nicht dem Einzelnen überlassen. Das ist das Transhumanismus Paradoxon, mit dem sich Xavier Flory wissenschaftlich beschäftigt.

Der liberale Staat muss einen gesellschaftlichen, politischen Aushandlungsprozess organisieren, in dem entschieden wird, wie unsere Zukunft aussehen soll. Das Ergebnis ist dann nicht Regulierung von bereits erfundenen Technologien. Das ist dann nämlich immer extrem schwer. Xavier Flory verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass selbst China das Internet nicht wirklich bändigen konnte, nachdem es einmal da war.

Es müsse darum gehen, im Voraus zu beschreiben, wohin wir als Gesellschaft – wohin wir als Menschheit wollen. Unwahrscheinlich, dass wir uns in so einem Prozess auch dafür entscheiden würden, dass unser Leben von fünf Konzernen und dem US-Verteidigungsministerium dominiert wird. Auf dem liberalen Weg läuft es aber gerade genau so.

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