kaffeeringe.de

#33C3: Was man aus Meta-Daten lesen kann

David Kriesel auf dem 33C3
David Kriesel auf dem 33C3

Wer, wann mit wem? Seit Mitte 2014 hat David Kriesel fast 100.000 Artikel von Spiegel-Online systematisch gespeichert. Anhand dieser Daten gibt er nicht nur einen Einblick in die Strukturen von Spiegel Online – er nutzt sie auch als Beispiel dafür, was alles anhand von an sich unverfänglichen Daten über uns zu erfahren ist. Stichwort: Vorratsdatenspeicherung.

Die Artikel einer Internetseite – was kann man daraus schon herauslesen? Die Artikel bei Spiegel Online bestehen nicht nur aus dem eigentlich Text – dazu gehören auch Metadaten, wie die Artikellänge, die Ressorts, die Möglichkeit zur Kommentierung, die Autorinnen und Autoren und der Zeitpunkt der Veröffentlichung.

David Kriesel hat sich das einmal angeschaut und dabei ein paar Dinge herausgefunden, die etwas über die Struktur von Spiegel Online sagen: Wie lang sind die Artikel in den einzelnen Ressorts? Wann erscheinen die Artikel? Wann erscheinen längere Texte, wann kürzere? Welche Themen sind häufiger geworden, welche seltener? Bei welchen Themen werden die Kommentare gesperrt?

Plötzlich wird es persönlich

Spannend wir es dann, wenn er sich die Daten zu den Autorinnen und Autoren anschaut: Wer arbeitet wann mit wem zusammen? Und was kann man daraus ableiten? Auch wenn die Veröffentlungszeitpunkte natürlich auch durch geplant und automatisiert werden können: Die Mitarbeiter des Kulturressorts scheinen später zu kommen und früher zu gehen. Und selbst wenn Artikel geplant werden: Wenn eine längere Lücke in den Veröffentlichungen sichtbar wird, kann man davon ausgehen, dass der Autor Urlaub hatte. Wenn zwei Autoren häufiger gleichzeitig Urlaub haben, könnte man ableiten, dass die beiden gemeinsam in den Urlaub fahren – das kann sein, muss aber nicht.

Nun hat sich David Kiesel nur auf die Daten von Spiegel Online beschränkt und trotzdem kommt er gerade durch die Meta-Daten in den privaten Bereich der Autorinnen und Autoren. Man kann sich vorstellen, was man aus den detaillierten Meta-Daten aus der Vorratsdatenspeicherung alles herausfinden kann. Da geht es nicht nur darum, welcher Verbrecher mit welchem anderen Verbrecher telefoniert hat. Daraus lässt sich viel tiefer in unser Leben blicken. Noch mehr Daten sammelt und durchleuchtet der Bundesnachrichtendient (BND). Und nur zur Erinnerung: Die Polizei nimmt nicht nur Verbrecher ins Visier – bis sie weiß, wer etwas getan hat, werde da auch jede Menge Unschuldiger durchleuchtet.

Video

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Möchtest Du benachrichtigt werden, wenn Dir hier jemand antwortet?