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Debatte: Gute Digitalisierung? Böse Digitalisierung?

Kampf | Foto: PeterDargatz / Pixabay

Manchmal nerv ich mich selbst mit meinen Kolumnen bei shz.de: Ständig habe ich etwas zu meckern oder zu mahnen. Selten finde ich etwas zum Loben. Dabei bin ich doch eigentlich Fan des Digitalen. Eigentlich will ich doch die tollen Möglichkeiten preisen!

Bei sueddeutsche.de schreibt Johannes Kuhn über den Kampf der Skeptiker gegen die Visionäre. Dabei analysiert er in der Debatte um den digitalen Wandel zwei Typen: Den Skeptiker und den Optimisten. Der Skeptiker sieht uns auf dem Weg zur „Smarten Diktatur“. Der Optimist feiert die digitale Technologie als Befreiung des Menschen. Vor allem aber kritisiert Johannes Kuhn die Oberflächlichkeit der Debatte.

Ich finde mich da nicht wieder und ich glaube auch, dass viele Leute nicht in diese Schubladen passen. Wer aber meine Kolumnen liest, könnte mich für dieser Skeptiker halten.

Kritik für die Massen

Das Problem ist, dass die Entwicklungen im Internet vor allem mit Konsumentscheidungen zu tun haben. Sie richten sich nach dem Massengeschmack. Wer den verändern will, muss Bewusstsein schaffen. Das geht nicht über tiefgehende akademische Diskussionen, sondern mit relativ einfachen Beispielen und Szenarien.

Eine allzu verkürzte Kritik aber des aktuellen Kapitalismus als weiterer treibender Kraft der digitalen Entwicklung kann dann schnell zur Verschwörungstheorie werden. Aber es ist natürlich richtig, wenn Johannes Kuhn schreibt:

„Digitalisierung und Globalisierung sind nicht ohne einander denkbar; und die aktuelle Dominanz digitaler Konzerne erklärt sich auch damit, dass ungeheuer viel Kapital angehäuft und Gewinne in Steueroasen verschoben werden. Genauso zentral ist, dass es an der amerikanischen Westküste namhafte Forschungsinstitutionen und gut ausgebildete Arbeitskräfte gibt. Dass Start-ups astronomischen Bewertungen erzielen, hängt wiederum auch damit zusammen, dass Investoren in Zeiten niedriger Zinsen und billiger Kredite bereit sind, hohe Risiken einzugehen. Oder nehmen wir als eine Aspekt das große Angebot an Uber-Fahrern in den USA: Dies ist einerseits dem Wunsch geschuldet, seine Arbeitszeit selbst zu bestimmen, andererseits aber auch der Notwendigkeit, etwas hinzuverdienen zu müssen.“

Alternativen populär machen

Die Alternativen zu den Angeboten der Konzerne sind dagegen oft nicht so leicht zu erklären. Sie fordern die Mitarbeit der Nutzerinnen und Nutzer und denen ist in der Regel jeder zusätzliche Klick einer zu viel. Das sind dann eher die Sachen, die ich hier im Blog vorstelle: Raspberry Pi, OpenStreetMap, WordPress, OwnCloud, Linux usw.

Die meisten Kritikerinnen und Kritiker, äußern ihre Meinungen, weil sie den Lauf der Geschichte so verändern wollen, damit das Schlimme gerade nicht eintritt. Vorhersagen treffen extrem selten zu – unter anderem deswegen, weil Warnungen einen Einfluss auf die Entscheidungen von Menschen haben.

Man hätte die Ausbreitung der Atomkraft einfach als natürlichen Weg von Technologie, Gesellschaft und Wirtschaft hinnehmen können. Das haben viele Menschen aber seit den 1970er Jahren nicht getan. In Deutschland ist die Atomkraft mittlerweile auf dem Schrottplatz der Geschichte gelandet und andere Technologien treten an ihre Stelle. Unsere Zukunft ist nicht festgelegt – wir können sie verändern.

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