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Barcamp Kiel: Entscheidungen treffen für Unentschlossene

Zwei Würfel werden gewürfelt
Würfeln - Auch so eine Methode zur Entscheidungsfindung | Foto: Daniel Dionne - CC BY-SA 2.0

„Decison Making – Bauch vs. Kopf“ hieß die Session, die Jule und Sandra von ma de­si­gn beim BarCamp Kiel di­rekt vor mir an­kün­dig­ten. „Entscheidungen tref­fen für Unentschlossene“ soll­te mei­ne Session hei­ßen – Nach kur­zer Rücksprache mit Jule und Sandra ent­schied ich mi­ch um und stell­te mei­ne Session zu­rück.

Jule und Sandra er­klär­ten ihr Problem: Sie hat­ten zwei Ideen für Projekte, aber nur be­grenz­te Ressourcen. Für wel­ches Projekt soll­ten sie si­ch ent­schei­den? Und nach wel­chen Kriterien?

Entscheiden nach Zahlen

Wer nach dem Bauchgefühl ent­schei­det, kann si­ch un­ter Umständen schnell ent­schei­den. Wer nach dem Kopf ent­schei­den will braucht Kriterien, fan­den Jule und Sandra. Und weil Jule Mathematikerin ist, soll­te es ei­ne ma­the­ma­ti­sche Methode sein. Also ha­ben si­ch die bei­den Kategorien aus­ge­dacht. Eine war zum Beispiel die Verfügbarkeit von pas­sen­den Entwicklern im Team.

In je­der Kategorie ha­ben Jule und Sandra dann Schulnoten ver­ge­ben und am Ende ei­ne Durchschnitt er­rech­net. Um das Ergebnis no­ch aus­sa­ge­kräf­ti­ger zu ma­chen, ha­ben sie die Kategorien ge­wich­tet und ka­men auf ein ein­deu­ti­ges Ergebnis. Das ei­ne Projekt be­kam ei­ne 1,8, das an­de­re ei­ne 3,8.

Das Problem sei nur, dass gar nicht ein­ge­rech­net sei, wie in­no­va­tiv ein Projekt sei. Das sei doch der ei­gent­li­ch ent­schei­den­de Faktor, warf Sandra ein und schlug vor, die Kategorie „Innovation“ ein­zu­füh­ren und die mit 90% zu ge­wich­ten. Dann aber sei der ge­sam­te Kriterien-Katalog wert­los.

Dann wurde es esoterisch

Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ent­stand ei­ne Diskussion dar­über, was es be­deu­te mit dem Bauch zu ent­schei­den. Ein Teilnehmer mein­te, er ent­schei­de nur no­ch nach dem Bauch und seit­her ha­be er kei­ne fal­schen Entscheidungen mehr ge­trof­fen. An die­ser Stelle wur­de es eso­te­ri­sch. Als ich ein­wen­den woll­te, dass das Bauchgefühl kein gött­li­cher Draht zur Vorsehung sei, er­zähl­te je­mand von Rückführungszeremonien, um den Kontakt zum Selbst wie­der­zu­fin­den und ich gab auf.

Mein Vorschlag: Als Team entscheiden

Der Schwachpunkt an der Methode von Jule und Sandra ist, dass die Zahlen Objektivität vor­gau­keln. Dabei sind sie voll­kom­men will­kür­li­ch ent­stan­den: Die Kategorien sind will­kür­li­ch. Die Bewertungen sind will­kür­li­ch. Die Gewichtungen sind will­kür­li­ch. Das Ergebnis gau­kelt dann Objektivität vor.

Dabei gibt es durch­aus gu­te Methoden, um Entscheidungen vor­zu­be­rei­ten. Und mehr als vor­be­rei­ten kann kei­ne Methode. Bei ei­ner Entscheidung über die Zukunft han­delt es si­ch im­mer um ei­ne Prognose. Aber man kann be­grün­de­te Entscheidungen tref­fen. Gerade in Teams müs­sen Entscheidungen be­grün­det sein, da­mit al­le an ei­nem Strang zie­hen kön­nen. Am bes­ten ist es, wenn al­le an der Begründung mit­ge­ar­bei­tet ha­ben.

Eine Methode zur Entscheidungsfindung ist die Sechs-Hüte-Methode. Dabei setzt si­ch ein Team zu­sam­men und nimmt ge­mein­sam nach und nach ver­schie­de­ne Rollen ein, die durch un­ter­schied­li­ch far­bi­ge Hüte re­prä­sen­tiert wer­den: Erst set­zen si­ch al­le den wei­ßen Hut auf und nen­nen nur Fakten. Dann setzt man si­ch den ro­ten Hut auf und spricht über die Meinungen und Gefühle. Mit dem schwar­zen Hut dis­ku­tiert man die Gefahren. Danach setzt man si­ch den gel­ben Hut auf und sam­melt die Chancen. Mit dem grü­nen Hut geht es um wei­ter­ge­hen­de Ideen. Zu Schluss set­zen si­ch al­le den blau­en Hut auf, sor­tie­ren die Argumente, ge­wich­ten sie, schau­en, wel­che Argumente si­ch ge­gen­sei­tig auf­he­ben und was Pro und was Contra ist.Nun soll­te das Team so­weit sein, dass es ei­ne Entscheidung tref­fen und be­grün­den kann.

Natürlich braucht man nicht wirk­li­ch Hüte für die­se Methode. Die Stärke die­ses Ansatzes aber ist, dass im­mer al­le Mitglieder der Gruppe im glei­chen Modus sind. Ideen wer­den nicht di­rekt mit „ja, aber“ ab­ge­kan­zelt. Dafür gibt es mit dem schwar­zen Hut ei­ne ei­ge­ne Runde, in der al­le kri­ti­sch sei dür­fen – auch die Fans der Idee.

Es ist gut, dass si­ch al­le an der Diskussion be­tei­li­gen kön­nen, al­le ih­re Sichtweisen ein­brin­gen kön­nen und si­ch das Team in­ten­siv mit der Vorbereitung der Entscheidung be­fasst. So be­kommt man ein Ergebnis auf brei­ter Erfahrungsbasis und al­le sind dar­an be­tei­ligt. Klar, am Ende muss man doch sein Herz über die Hürde wer­fen und nach dem Bauch ent­schei­den. Den letz­ten Schritt kann Dir nie­mand ab­neh­men.

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