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Privatsphäre: Abstand halten

verpixeltes Bild
Verpixeltes Bild

Eine Frau, umstellt von drei französischen Polizisten wird gezwungen, ihren Burkini auszuziehen. Jemand fotografiert die Szenerie und stellt sie ins Internet. „Seht her, welch absurde Blüten Bekleidungsvorschriften treiben,“ heißt es in meiner Filterblase. Dort laufen die Fotos gerade hoch und runter. Ich denke: Ob sich die Dame wohl über ihren Twitter-Ruhm freut?

Klar: Frankreich hat Bekleidungsvorschriften für den öffentlichen Raum erlassen. Die Auswirkungen zu zeigen, ist Aufgabe von Medien. Die Vergleiche mit den Polizisten im Iran, die den korrekten Sitz des Kopftuchs überprüfen, drängen sich auf – Oder die Erinnerung an alte Zeiten, als Polizisten in Europa die sittliche Länge von Röcken kontrollierten.

Ob jetzt aber diese konkrete Frau das so toll findet, dass sie im Zentrum der Diskussion steht, möchte ich bezweifeln. Ich finde es deswegen falsch, dass das Bild nicht verpixelt ist. Und es ist die Verantwortung aller, sich darüber Gedanken zu machen und zu überlegen, welche Meldung man retweetet.

Menschen werden kein öffentliches Eigentum durch ein Foto. Menschen auf Fotos sind immer erst einmal Menschen und keine Symbole für irgendwas. Datenschutz, Privatsphäre, das hat auch etwas damit zu tun, ob wir Abstand halten.

Kommentare

rowi

Die Frau trägt auch kei­nen Burkini, son­dern Leggins, ei­ne Tunika und ein Kopftuch.

Steffen Voß

Da hast Du Recht. Aber sie ist ja nun ein­mal bei Twitter be­kannt ge­wor­den als die Frau, die von der Polizei da­zu ge­bracht wur­den den Burkini an­zu­le­gen. Da woll­te ich dran an­schlie­ßen.

Die Frage, ob es über­haupt ein Burkini ist, was in Frankreich jetzt ei­gent­li­ch ver­bo­ten ist, wie es si­ch von an­de­rer Kleidung un­ter­schei­det und was man da­mit am Ende ei­gent­li­ch er­rei­chen will, ist ei­ne ganz an­de­re. Mir ging es hier dar­um, dass wir (auch ich) uns an­ge­wöh­nen soll­ten, Bilder von nor­ma­len Menschen nicht ein­fach zu ret­weeten, weil sie ir­gend­was sym­bo­li­sie­ren. Diese Menschen müs­sen mit die­sem „Ruhm“ hin­ter­her le­ben.

Jonathan

Bilder be­we­gen und er­zäh­len Geschichten bes­ser un­ver­pi­xelt, das dum­me bei die­sem Fall ist nur, das es ja ge­ra­de um die Verschleierung geht.

Ich ha­be mi­ch schon et­was mit dem Thema be­schäf­tigt, wenn auch mehr was Street Fotografie an­geht, es bleibt ei­ne mo­ra­li­sche Grauzone.

Unterm Strich fin­de ich wich­ti­ger, dass das Bild ge­teilt wird und auf die Ungerechtigkeit auf­merk­sam ge­macht wird.

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