Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Privatsphäre : Abstand halten

verpixeltes Bild
Verpixeltes Bild

Steffen Voß

Eine Frau, umstellt von drei französischen Polizisten wird gezwungen, ihren Burkini auszuziehen. Jemand fotografiert die Szenerie und stellt sie ins Internet. „Seht her, welch absurde Blüten Bekleidungsvorschriften treiben,“ heißt es in meiner Filterblase. Dort laufen die Fotos gerade hoch und runter. Ich denke: Ob sich die Dame wohl über ihren Twitter-Ruhm freut?

Klar: Frankreich hat Bekleidungsvorschriften für den öffentlichen Raum erlassen. Die Auswirkungen zu zeigen, ist Aufgabe von Medien. Die Vergleiche mit den Polizisten im Iran, die den korrekten Sitz des Kopftuchs überprüfen, drängen sich auf – Oder die Erinnerung an alte Zeiten, als Polizisten in Europa die sittliche Länge von Röcken kontrollierten.

Ob jetzt aber diese konkrete Frau das so toll findet, dass sie im Zentrum der Diskussion steht, möchte ich bezweifeln. Ich finde es deswegen falsch, dass das Bild nicht verpixelt ist. Und es ist die Verantwortung aller, sich darüber Gedanken zu machen und zu überlegen, welche Meldung man retweetet.

Menschen werden kein öffentliches Eigentum durch ein Foto. Menschen auf Fotos sind immer erst einmal Menschen und keine Symbole für irgendwas. Datenschutz, Privatsphäre, das hat auch etwas damit zu tun, ob wir Abstand halten.

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  1. Entschleierung einer Debatte | ms_pieper

Kommentare

rowi
rowi:

Die Frau trägt auch keinen Burkini, sondern Leggins, eine Tunika und ein Kopftuch.

25.8.2016 um 11:12
Steffen Voß
Steffen Voß:

Da hast Du Recht. Aber sie ist ja nun einmal bei Twitter bekannt geworden als die Frau, die von der Polizei dazu gebracht wurden den Burkini anzulegen. Da wollte ich dran anschließen.

Die Frage, ob es überhaupt ein Burkini ist, was in Frankreich jetzt eigentlich verboten ist, wie es sich von anderer Kleidung unterscheidet und was man damit am Ende eigentlich erreichen will, ist eine ganz andere. Mir ging es hier darum, dass wir (auch ich) uns angewöhnen sollten, Bilder von normalen Menschen nicht einfach zu retweeten, weil sie irgendwas symbolisieren. Diese Menschen müssen mit diesem „Ruhm“ hinterher leben.

25.8.2016 um 11:18
Jonathan
Jonathan:

Bilder bewegen und erzählen Geschichten besser unverpixelt, das dumme bei diesem Fall ist nur, das es ja gerade um die Verschleierung geht.

Ich habe mich schon etwas mit dem Thema beschäftigt, wenn auch mehr was Street Fotografie angeht, es bleibt eine moralische Grauzone.

Unterm Strich finde ich wichtiger, dass das Bild geteilt wird und auf die Ungerechtigkeit aufmerksam gemacht wird.

25.8.2016 um 18:35

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