Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Bildungsmisere : Top-Mitarbeiter in die Schule

Schule...

Steffen Voß

In Anlehnung an meinen letzten Artikel hätte dieser hier auch die Überschrift „Invasion der dummen Ideen“ tragen können. Aber das was­­ Annette Schavan (CDU) da mal wieder vorgeschlagen hat, bringt immerhin neben all den Goldgräber-Nachrichten von Opel und Scheffler das Thema „Bildung“mal wieder auf die Agenda: ­ „Ich fordere alle Unternehmen auf, ihre Top-Mitarbeiter für den Schulunterricht freizustellen“, sagte die CDU-Politikerin der „Bild“-Zeitung.

Die „Welt“ fasste die Misere jüngst so zusammen:

„Traurige Realität an Deutschlands Schulen: Lehrer sind im Durchschnitt zu alt, schlecht ausgebildet und der Nachwuchs an Lehrkräften wächst nicht nach.­“

Die traurige Realität sieht dabei ganz anders aus: Alter allein ist kein Grund, ein schlechter Lehrer zu sein und verursacht wurde das Phänomen durch die idiotische Personal-“Planung“ der Politik. Auch die Ausbildung können sich die Lehrer nicht aussuchen, denn auch die wird von der Politik vorgegeben.

Aber was kann man von Politikern erwarten, die selbst nur Schüler aus diesem System sind? Wenn chronisch Mathe-Lehrer fehlen, darf man sich nicht wundern, dass Politiker nicht ausrechnen können, dass die Lehrer irgendwann alle alt sind, wenn nicht kontinuierlich junge eingestellt werden.

Der Präsident des Lehrerverbands, Josef Kraus sagte dem „Handelsblatt“, dass er den Lehrerbedarf im Moment auf 20000 Stellen schätze:

„Viel gravierender ist die Tatsache, dass von den derzeit 800 000 aktiven Lehrern in Deutschland in den kommenden zehn Jahren über 300 000 in den Ruhestand gehen. Hier werden sich in bestimmten Fachbereichen große Löcher ergeben. Kurzfristig lassen sich die Lücken nur durch Quereinsteiger und Pensionisten schließen, langfristig nur durch eine differenzierte Werbung der Kultusminister.“

Es gibt also wieder einen Volkssturm in Deutschland – diesmal in der Schule. Da wirkt doch die Forderung von Thomas Volk von der CDU-Landesvorstand aus Baden-Württemberg gleich noch bekloppter: Angehende Lehrer sollten mindestens eine Abi-Durchschnittsnote von 2,0 haben sollten:

„Es kann nicht sein, dass viele eher schlechte Abiturienten unseren Nachwuchs unterrichten.“

,sagte er der „Welt“. Ich sage: Überprüft die Abi-Durchschnittsnoten der Politiker, denn es kann nicht sein, dass unser Land von viele eher schlechten Abiturienten regiert wird. Man sagt, dass es sogar noch Politiker vollkommen ohne Abitur geben soll. Ex-Kanzler Schröder hat nur die Volksschule besucht und Ex-Außenminister Fischer hat die Schule sogar abgebrochen. Skandal!

Da kann man doch den Vorschlag von Annette Schavan nur unterstützen: Die Menschen, die schon nach dem Abi keinen Bock drauf hatten, Lehrer zu werden, sollten von ihren Betrieben dazu verdonnert werden, sich ein paar Stunden in der Woche in eine Schule begeben, um da mal ein wenig von der wundersamen Welt der Wirtschaft zu erzählen.

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