Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

ÖPNV : Versehentlich schwarzgefahren

Foto: Hagbard_ - CC BY 2.0

Steffen Voß

Michael Preatorius‘ Hand zittert vor Wut, als sein nagelneuer Monats-Fahrschein zwischen seinen Fingern brennt. Gerade hat er berichtet, was ihm bei seiner Fahrt mit der Münchner S-Bahn passiert ist.

Frisch am Flughafen von München angekommen, hatte ein chinesisches Au-Pair-Mädchen ein S-Bahnticket gekauft, das abgestempelt werden muss. Das hat sie nicht gemacht und wurde prompt kontrolliert. Wer seine Fahrkarte nicht abstempelt gilt als Schwarzfahrer und wer dann noch kein deutsches Bargeld dabei hat, wird zur Polizei geschleift.

Der Münchner Journalist Michael Preatorius wurde Zeuge dieses Vorgangs. Er hat die junge Frau begleitet und sie letztlich ausgelöst. Jetzt sitzt er vor seiner Webcam, verbrennt sein Ticket und schwört nie wieder Bahn zu fahren, wenn sich die Bahn dafür nicht entschuldigt:

Ignorantia legis non excusat – Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, lautet ein eherner Rechtsgrundsatz. Natürlich gelten unsere Regeln für alle Menschen – auch wenn sie erst seit 20 Minuten hier sind. Es gibt aber hunderte Gesetze und Verordnungen mit tausenden Einzelvorschriften und die meisten Menschen kennen davon keine einzige. Erstaunlicherweise geraten die wenigsten Menschen aus Unwissenheit mit dem Gesetz in Konflikt.

Regeln, die normalen Menschen im Leben begegnen, sollten so gemacht sein, dass es leicht ist, sich daran zu halten. Das gilt nicht erst, seit „Nudging“ in Mode ist. Die Chinesin zum Beispiel wusste offenbar, dass man eine Fahrkarte benötigt, um mit der Bahn zu fahren. Diese Geschichte mit dem Stempeln vergess ich bin Berlin auch immer.

Ich weiß gar nicht, wie oft ich in Berlin schon schwarz mit einem frisch gekauften Ticket gefahren bin. Warum steht da ein Fahrkartenautomat auf dem Bahnsteig und man muss das Ticket dann in dem zweiten Automaten direkt nebenan abstempeln? Weil die Berliner Verkehrsbetriebe die Einwohner ihrer Stadt für so wirr halten, dass sie drei Stockwerke unter die Erde klettern, um sich einen Vorrat an Tickets zu kaufen?

In Kiel kauft man 10er-Tickets das am Schalter. Im Bus kann ich nur ein einfaches Ticket kaufen, das nicht mehr gestempelt werden muss. Wer eine 10er-Karte gekauft hat, weiß dass er die noch stempeln muss.

Wenn ich ein Bahnticket gekauft habe, ist oft ein City-Ticket für eine einfache Bus- oder S-Bahn-Fahrt enthalten. Warum kann München das nicht auch für Flugreisende organisieren?

SZ.de gegenüber hat die Bahn erklärt, Kontrolleure hätten einen Ermessensspielraum in solchen Fallen. ÖPNV-Verantwortliche: Wenn die ehrliche Kundschaft an Eurem Fahrkarten-System scheitert, dann sollte man Euch bestrafen, nicht die Kundschaft. Willkür Kulanz ist nur ein Work-Around für einen Fehler in Eurem System.

Kommentare

Huskynarr
Huskynarr:

Ich sehe das Problem nicht einmal bei der Deutschen Bahn.
Sondern es liegt an einem fehlenden Einheitlichen System.
Jeder Bezirk hat noch seine eigenen Fahrdienstleister die Unterschiedlich abrechnen.
So ist mir aufgefallen das in ländlichen Regionen Tarifzonen existieren oder nach Entfernung abgerechnet wird. In großen Städten dagegen nach Zeit.
Da fängt nun die erste Verwirrung für die Leute an.

Die Automaten die natürlich noch zum Teil mit XP laufen, haben nur Bahnhöfe integriert.
Wenn die Deutsche Bahn Mitarbeiterin zu mir dann auch noch sagt, die Deutsche Bahn betreibe keine Busse (ICBus ist kein Bus :D) , muss ich mich zügeln mich nicht gegen den Kopf zu schlagen.

Ich muss auch sagen, wenn man ehrlich mit den Kontrolleuren ist und ihnen klar macht, das man nicht absichtlich schwarz gefahren ist. Sind die meisten kulant.
So saß ich mal versehentlich in der 1. Klasse und musste keine Strafe zahlen, da man Verständnis um 5 Uhr morgens dafür hatte, das man diese blöde kleine 1 übersehen kann. 😀
Ebenso bin ich schon öfter schwarz gefahren trotz Jahrelanger treue und musste nie zahlen, da es wirklich nur Ausnahmen waren.

Den Fall den du hier schilderst ist leider mal wieder ein Extrem Fall der ausartet. :/
Aber du beschreibst ja auch schon das Problem mit den Tickets und dem Stempeln.
Ich hoffe die Deutsche Bahn hat sich hier zumindest bei dem Au-Pair kenntlich gezeigt.

4.6.2016 um 14:04

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