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ÖPNV: Versehentlich schwarzgefahren

Foto: Hagbard_ - CC BY 2.0
Foto: Hagbard_ - CC BY 2.0

Michael Preatorius‘ Hand zit­tert vor Wut, als sein na­gel­neu­er Monats-Fahrschein zwi­schen sei­nen Fingern brennt. Gerade hat er be­rich­tet, was ihm bei sei­ner Fahrt mit der Münchner S-Bahn pas­siert ist.

Frisch am Flughafen von München an­ge­kom­men, hat­te ein chi­ne­si­sches Au-Pair-Mädchen ein S-Bahnticket ge­kauft, das ab­ge­stem­pelt wer­den muss. Das hat sie nicht ge­macht und wur­de prompt kon­trol­liert. Wer sei­ne Fahrkarte nicht ab­stem­pelt gilt als Schwarzfahrer und wer dann no­ch kein deut­sches Bargeld da­bei hat, wird zur Polizei ge­schleift.

Der Münchner Journalist Michael Preatorius wur­de Zeuge die­ses Vorgangs. Er hat die jun­ge Frau be­glei­tet und sie letzt­li­ch aus­ge­löst. Jetzt sitzt er vor sei­ner Webcam, ver­brennt sein Ticket und schwört nie wie­der Bahn zu fah­ren, wenn si­ch die Bahn da­für nicht ent­schul­digt:

Ignorantia le­gis non ex­cu­sat – Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, lau­tet ein eher­ner Rechtsgrundsatz. Natürlich gel­ten un­se­re Regeln für al­le Menschen – auch wenn sie er­st seit 20 Minuten hier sind. Es gibt aber hun­der­te Gesetze und Verordnungen mit tau­sen­den Einzelvorschriften und die meis­ten Menschen ken­nen da­von kei­ne ein­zi­ge. Erstaunlicherweise ge­ra­ten die we­nigs­ten Menschen aus Unwissenheit mit dem Gesetz in Konflikt.

Regeln, die nor­ma­len Menschen im Leben be­geg­nen, soll­ten so ge­macht sein, dass es leicht ist, si­ch dar­an zu hal­ten. Das gilt nicht er­st, seit „Nudging“ in Mode ist. Die Chinesin zum Beispiel wuss­te of­fen­bar, dass man ei­ne Fahrkarte be­nö­tigt, um mit der Bahn zu fah­ren. Diese Geschichte mit dem Stempeln ver­gess ich bin Berlin auch im­mer.

Ich weiß gar nicht, wie oft ich in Berlin schon schwarz mit ei­nem fri­sch ge­kauf­ten Ticket ge­fah­ren bin. Warum steht da ein Fahrkartenautomat auf dem Bahnsteig und man muss das Ticket dann in dem zwei­ten Automaten di­rekt ne­ben­an ab­stem­peln? Weil die Berliner Verkehrsbetriebe die Einwohner ih­rer Stadt für so wirr hal­ten, dass sie drei Stockwerke un­ter die Erde klet­tern, um si­ch ei­nen Vorrat an Tickets zu kau­fen?

In Kiel kauft man 10er-Tickets das am Schalter. Im Bus kann ich nur ein ein­fa­ches Ticket kau­fen, das nicht mehr ge­stem­pelt wer­den muss. Wer ei­ne 10er-Karte ge­kauft hat, weiß dass er die no­ch stem­peln muss.

Wenn ich ein Bahnticket ge­kauft ha­be, ist oft ein City-Ticket für ei­ne ein­fa­che Bus- oder S-Bahn-Fahrt ent­hal­ten. Warum kann München das nicht auch für Flugreisende or­ga­ni­sie­ren?

SZ.de ge­gen­über hat die Bahn er­klärt, Kontrolleure hät­ten ei­nen Ermessensspielraum in sol­chen Fallen. ÖPNV-Verantwortliche: Wenn die ehr­li­che Kundschaft an Eurem Fahrkarten-System schei­tert, dann soll­te man Euch be­stra­fen, nicht die Kundschaft. Willkür Kulanz ist nur ein Work-Around für ei­nen Fehler in Eurem System.

Kommentare

Huskynarr

Ich se­he das Problem nicht ein­mal bei der Deutschen Bahn.
Sondern es liegt an ei­nem feh­len­den Einheitlichen System.
Jeder Bezirk hat no­ch sei­ne ei­ge­nen Fahrdienstleister die Unterschiedlich ab­rech­nen.
So ist mir auf­ge­fal­len das in länd­li­chen Regionen Tarifzonen exis­tie­ren oder nach Entfernung ab­ge­rech­net wird. In gro­ßen Städten da­ge­gen nach Zeit.
Da fängt nun die er­s­te Verwirrung für die Leute an.

Die Automaten die na­tür­li­ch no­ch zum Teil mit XP lau­fen, ha­ben nur Bahnhöfe in­te­griert.
Wenn die Deutsche Bahn Mitarbeiterin zu mir dann auch no­ch sagt, die Deutsche Bahn be­trei­be kei­ne Busse (ICBus ist kein Bus :D) , muss ich mi­ch zü­geln mi­ch nicht ge­gen den Kopf zu schla­gen.

Ich muss auch sa­gen, wenn man ehr­li­ch mit den Kontrolleuren ist und ih­nen klar macht, das man nicht ab­sicht­li­ch schwarz ge­fah­ren ist. Sind die meis­ten ku­lant.
So saß ich mal ver­se­hent­li­ch in der 1. Klasse und mus­s­te kei­ne Strafe zah­len, da man Verständnis um 5 Uhr mor­gens da­für hat­te, das man die­se blö­de klei­ne 1 über­se­hen kann. 😀
Ebenso bin ich schon öf­ter schwarz ge­fah­ren trotz Jahrelanger treue und mus­s­te nie zah­len, da es wirk­li­ch nur Ausnahmen wa­ren.

Den Fall den du hier schil­der­st ist lei­der mal wie­der ein Extrem Fall der aus­ar­tet. :/
Aber du be­schreib­st ja auch schon das Problem mit den Tickets und dem Stempeln.
Ich hof­fe die Deutsche Bahn hat si­ch hier zu­min­dest bei dem Au-Pair kennt­li­ch ge­zeigt.

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