Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

EU-Regulierung : Router-Hersteller sperren freie Software aus

Router on Fire
Router on Fire | Foto: Simeon W - CC BY 2.0

Steffen Voß

Bislang war es gerade auf TP-Link Geräten sehr einfach, eine alternative Firmware zu installieren. Damit ist jetzt Schluss. Eine EU-Richtlinie zwingt die Hersteller von Routern zu diesem Schritt. Als einer der ersten macht TP-Link seine Hardware dicht, wie heise.de berichtet. Nicht nur Freifunk wird es damit zunehmend schwer haben.

Funkfrequenzen sind streng reguliert. Die Hersteller von WLAN-Routern sind daher schon immer verpflichtet, nur bestimmte Frequenzen zu nutzen. Ab Juni 2016 zwingt sie EU-Recht dazu, dafür zu sorgen, dass man das mit ihrer Hardware nicht umgehen kann. In den USA steht eine ähnliche Regulierung an.

Für die Hersteller ist es offenbar schwierig, nur den Teil der Software zu schützen, die sich um den Funkbetrieb kümmert. Deswegen sperren sie fremde Betriebssysteme wie OpenWRT oder DD-WRT gleich ganz aus.

Freifunk zum Beispiel funktioniert nur mit den freien Betriebssystemen, weil die Freifunk-Entwickler nur hier die Möglichkeit haben, eigene Funktionen einzubauen. Aber auch mein WLAN-Repeater läuft mit OpenWRT auf einem TP-Link-Router. Dafür gibt es natürlich auch kommerzielle Lösungen, aber warum sollte ich mit einem Router nicht machen dürfen, was ich will, solange ich mich an die Gesetze halte?

Mit meinem OpenWRT-Router habe ich eine Menge darüber gelernt, wie dieser Netzwerkkram eigentlich funktioniert: Wie kommen die Daten durch die Luft in meinen Router und von dort in die LAN-Kabel. Wie verteile ich die Daten mit einem zweiten WLAN weiter? Ich möchte das verstehen und weiß gar nicht, wie in Zukunft irgendjemand so etwas noch lernen soll, wenn nicht „by doing“. Muss man dann erst bei TP-Link angestellt sein, um in der Praxis zu lernen, wie man ein Interface konfiguriert? Ein Router ist ein kleiner Computer ohne Monitor. Warum darf ich nicht selbst entscheiden, welche Dienste mein Router anbietet?

Es wird es immer schwieriger, freie Software auf  Computer zu nutzen – so wie es Cory Doctorow in „Der kommende Kampf um freie Computer“ bereits 2011 beschrieb.

Kommentare

Klaus Kochan
Klaus Kochan:

Die Lösung ist doch naheliegend. Auf Basis von OpenHardware einen eigenen Router via Crowdfunding auf die Beine stellen. Ein echter Nerd baut sich seinen Router sowieso selbst zusammen. Ohnehin wird es Zeit sich viel stärker für freie Software und demnächst wohl auch für freie Hardware einzusetzen.

18.2.2016 um 19:51
Steffen Voß
Steffen Voß:

Ist das wirklich die Lösung? OpenHardware muss sich an die gleichen Regeln halten, wie die Geräte der proprietären Hersteller. Die OpenHardware müsste also mit einer Software ausgeliefert werden, die man nicht austauschen kann – oder zumindest mit einer Kernsoftware, die manipulationssicher den Funk-Kram erledigt.

18.2.2016 um 21:44
keraM rehtlaW
keraM rehtlaW:

Kommt, lasst uns alle unsere WLAN-Router öffentlich auf dem Rathausplatz verbrennen. Das macht bestimmt Eindruck und wir verhindern damit die Verbreitung der verblockten Geräte!!!111!1

Um etwas über Netzwerk- und Kommunikationstechnik zu lernen, muss man keinen WLAN-Router hacken. Es reicht völlig aus, sich mit der Technik auseinanderzusetzen und z.B. Netzwerke auf LAN-Partys zu managen. Dass was die meisten Leute wie Du machen, ist es sich einen Router zu kaufen und nach einem Rezept aus dem Internet eine freie Firmware aufzuspielen. Was dort technisch abläuft, bleibt den meisten im Dunkeln und es dieses auch egal. Dafür reicht es völlig aus, normale Router über ihr Webinterface zu konfigurieren, denn mehr macht Ihr mit der WRT-Firmeware auch nicht.

Diejenigen, die sich wirklich mit der Technik auseinandersetzten, werden auch derzeitig nicht durch die Maßnahmen technisch ausgebremst. Auch bei TPLink wird man mittelfristig noch eigene Firmware aufspielen können, nur geht das jetzt nicht mehr so schön halbautomatisch über den LAN-Anschluss. Man wird die Box öffnen, einen Pinheader für den seriellen Anschluss einlöten und diesen mittels einem seriellen Adapter an seinen PC anschließen. Danach wird man über den von TPLink verwendeten Bootloader Uboot eine neue Firmware serielle aufspielen können. Sollte TPLink dazu genötigt sein auch dieses Tor zu schließen, bleibt noch der JEDEC-Anschluss, mit dem man derzeitig die Geräte auslesen und betanken kann. Das ist natürlich eine andere Leistungs- und Wissensklasse als einfach mal den Router an den Rechner zu hängen, sich eine Software zu laden und nach Rezept drei Knöpfen zu drücken. Aber die Freifunker werden das hinbekommen, da bin ich mir sicher. Sorgen macht mir erst die nächste und übernächste Generation von WLAN-Standards, Routern und Chipsätzen.

Dann schreibst Du, dass es für den Hersteller schwierig ist, den Funkbetrieb softwaremäßig abzusichern. Das ist derzeitig nicht schwierig, es ist unmöglich. Die derzeitige verwendete Rechnerarchitektur sieht so etwas nicht vor. Die Chipsätze hängen direkt am Bus und der Prozessor hat direkten Zugriff auf alle Register. Wer also die CPU über die Firmware kontrolliert, kontrolliert die Chipsätze und kann dort auch jeden Unfug treiben. Im GSM-Bereich ist man schon seit einigen Jahren weiter und spendiert dem Funkteil ein geschlossenes System mit eigenem Prozessor, Firmware und definierten Schnittstellen. Das Ganze wird Baseband genannt und eignet sich auch gut für Verschwörungstheorien. Etwas ähnliches wird uns im günstigsten Fall auch für WLAN bei den kommenden Generationen neuer Chipsätze blühen. Im schlechtesten Fall, werden die Hersteller keine Informationen mehr rausrücken und die Treiberentwicklung auf OSS-Basis behindern. Wenn man dann noch etwas Glück hat, bekommt man einen binären Treiber vom Hersteller für sein Linuxsystem. Die derzeitige Realität lässt aber eher vermuten, dass es dann für OSS-Betriebsysteme keine Treiber mehr für neue Adapter geben wird.

Daher ist es auch nicht hilfreich sich jetzt hinzustellen und zu sagen, dann bauen wir eben unsere Router wieder selber. Sicher wird das gehen, aber nur noch ohne WLAN, da betreffende Adapter nicht mehr unterstützt werden. Oder irgendwann mit veralteter Technik. Die Regelung geht auch noch weiter, denn sie wird auch den gesamten IoT-Bereich betreffen. Mit anderen Worten, ohne zertifizierte und nicht änderbare Firmware, wirst Du deine eigene IoT Kreation nicht verkaufen können (dürfen). Mit anderen Worten, der gute Alte FTZ-Aufkleber wird wieder belebt, wie in der guten alten Zeit von Schwarz-Schilling. Ob dann auch wie damals – zu Zeiten des Daten-Klo’s – die Schnittlauchtruppe Hausbesuche machen und nicht konforme Geräte beschlagnahmen wird, bleibt abzuwarten.

Für diejenigen, die sich jetzt noch schnell ihren eigenen Router mit WLAN bauen wollen, kann ich als Systemboard das ALIX 2D13 mit pfsense als Betriebssystem empfehlen. Liegt dann halt eher in die 200,- Euro Klasse und nicht die 20,- Euro Klasse.

18.2.2016 um 22:11
Gerald
Gerald:

Steffen, noch (zumindest) sind bei WLAN-Karten und -Sticks die Frequenzbereiche wählbar, schließlich muss z.B. ein Laptop als mobiles Gerät weltweit funktionieren, ohne erst die Firmware neu zu flashen oder die WLAN-Karte auszubauen…

Dh. mit selbst zusammengestellter Hardware ist es möglich, einen Router selbst zu bauen, und das oft günstiger als ein Fertigkauf. Aber andere Frage: Was bringt es, andere Frequenzbereiche zu nützen, wenn alle Geräte in Europa die europäischen verwenden? Insofern ist es verständlich, die Wahlmöglichkeit einzuschränken, da bei falscher Konfiguration die Funktion eingeschränkt ist und andere gestört werden. (Das trifft übrigens auch viele „Bastler“, die glauben ihre DSL-Verbindung durch Herumkonfigurieren schneller machen zu können. Nicht nur, dass sie dann oft die eigene nicht mehr richtig funktioniert, können sie auch andere Nutzer im selben Kabelstrang stören. Schuld ist dann aber immer der Provider… 😉

19.2.2016 um 08:12

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