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EU-Regulierung: Router-Hersteller sperren freie Software aus

Router on Fire
Router on Fire | Foto: Simeon W - CC BY 2.0

Bislang war es gerade auf TP-Link Geräten sehr einfach, eine alternative Firmware zu installieren. Damit ist jetzt Schluss. Eine EU-Richtlinie zwingt die Hersteller von Routern zu diesem Schritt. Als einer der ersten macht TP-Link seine Hardware dicht, wie heise.de berichtet. Nicht nur Freifunk wird es damit zunehmend schwer haben.

Funkfrequenzen sind streng reguliert. Die Hersteller von WLAN-Routern sind daher schon immer verpflichtet, nur bestimmte Frequenzen zu nutzen. Ab Juni 2016 zwingt sie EU-Recht dazu, dafür zu sorgen, dass man das mit ihrer Hardware nicht umgehen kann. In den USA steht eine ähnliche Regulierung an.

Für die Hersteller ist es offenbar schwierig, nur den Teil der Software zu schützen, die sich um den Funkbetrieb kümmert. Deswegen sperren sie fremde Betriebssysteme wie OpenWRT oder DD-WRT gleich ganz aus.

Freifunk zum Beispiel funktioniert nur mit den freien Betriebssystemen, weil die Freifunk-Entwickler nur hier die Möglichkeit haben, eigene Funktionen einzubauen. Aber auch mein WLAN-Repeater läuft mit OpenWRT auf einem TP-Link-Router. Dafür gibt es natürlich auch kommerzielle Lösungen, aber warum sollte ich mit einem Router nicht machen dürfen, was ich will, solange ich mich an die Gesetze halte?

Mit meinem OpenWRT-Router habe ich eine Menge darüber gelernt, wie dieser Netzwerkkram eigentlich funktioniert: Wie kommen die Daten durch die Luft in meinen Router und von dort in die LAN-Kabel. Wie verteile ich die Daten mit einem zweiten WLAN weiter? Ich möchte das verstehen und weiß gar nicht, wie in Zukunft irgendjemand so etwas noch lernen soll, wenn nicht „by doing“. Muss man dann erst bei TP-Link angestellt sein, um in der Praxis zu lernen, wie man ein Interface konfiguriert? Ein Router ist ein kleiner Computer ohne Monitor. Warum darf ich nicht selbst entscheiden, welche Dienste mein Router anbietet?

Es wird es immer schwieriger, freie Software auf  Computer zu nutzen – so wie es Cory Doctorow in „Der kommende Kampf um freie Computer“ bereits 2011 beschrieb.

Kommentare

Klaus Kochan

Die Lösung ist doch na­he­lie­gend. Auf Basis von OpenHardware ei­nen ei­ge­nen Router via Crowdfunding auf die Beine stel­len. Ein ech­ter Nerd baut si­ch sei­nen Router so­wie­so selbst zu­sam­men. Ohnehin wird es Zeit si­ch viel stär­ker für freie Software und dem­nächst wohl auch für freie Hardware ein­zu­set­zen.

Steffen Voß

Ist das wirk­li­ch die Lösung? OpenHardware muss si­ch an die glei­chen Regeln hal­ten, wie die Geräte der pro­prie­tä­ren Hersteller. Die OpenHardware müss­te al­so mit ei­ner Software aus­ge­lie­fert wer­den, die man nicht aus­tau­schen kann – oder zu­min­dest mit ei­ner Kernsoftware, die ma­ni­pu­la­ti­ons­si­cher den Funk-Kram er­le­digt.

keraM rehtlaW

Kommt, lasst uns al­le un­se­re WLAN-Router öf­fent­li­ch auf dem Rathausplatz ver­bren­nen. Das macht be­stimmt Eindruck und wir ver­hin­dern da­mit die Verbreitung der ver­block­ten Geräte!!!111!1

Um et­was über Netzwerk- und Kommunikationstechnik zu ler­nen, muss man kei­nen WLAN-Router ha­cken. Es reicht völ­lig aus, si­ch mit der Technik aus­ein­an­der­zu­set­zen und z.B. Netzwerke auf LAN-Partys zu ma­na­gen. Dass was die meis­ten Leute wie Du ma­chen, ist es si­ch ei­nen Router zu kau­fen und nach ei­nem Rezept aus dem Internet ei­ne freie Firmware auf­zu­spie­len. Was dort tech­ni­sch ab­läuft, bleibt den meis­ten im Dunkeln und es die­ses auch egal. Dafür reicht es völ­lig aus, nor­ma­le Router über ihr Webinterface zu kon­fi­gu­rie­ren, denn mehr macht Ihr mit der WRT-Firmeware auch nicht.

Diejenigen, die si­ch wirk­li­ch mit der Technik aus­ein­an­der­setz­ten, wer­den auch der­zei­tig nicht durch die Maßnahmen tech­ni­sch aus­ge­bremst. Auch bei TPLink wird man mit­tel­fris­tig no­ch ei­ge­ne Firmware auf­spie­len kön­nen, nur geht das jetzt nicht mehr so schön halb­au­to­ma­ti­sch über den LAN-Anschluss. Man wird die Box öff­nen, ei­nen Pinheader für den se­ri­el­len Anschluss ein­lö­ten und die­sen mit­tels ei­nem se­ri­el­len Adapter an sei­nen PC an­schlie­ßen. Danach wird man über den von TPLink ver­wen­de­ten Bootloader Uboot ei­ne neue Firmware se­ri­el­le auf­spie­len kön­nen. Sollte TPLink da­zu ge­nö­tigt sein auch die­ses Tor zu schlie­ßen, bleibt no­ch der JEDEC-Anschluss, mit dem man der­zei­tig die Geräte aus­le­sen und be­tan­ken kann. Das ist na­tür­li­ch ei­ne an­de­re Leistungs- und Wissensklasse als ein­fach mal den Router an den Rechner zu hän­gen, si­ch ei­ne Software zu la­den und nach Rezept drei Knöpfen zu drü­cken. Aber die Freifunker wer­den das hin­be­kom­men, da bin ich mir si­cher. Sorgen macht mir er­st die nächs­te und über­nächs­te Generation von WLAN-Standards, Routern und Chipsätzen.

Dann schreib­st Du, dass es für den Hersteller schwie­rig ist, den Funkbetrieb soft­ware­mä­ßig ab­zu­si­chern. Das ist der­zei­tig nicht schwie­rig, es ist un­mög­li­ch. Die der­zei­ti­ge ver­wen­de­te Rechnerarchitektur sieht so et­was nicht vor. Die Chipsätze hän­gen di­rekt am Bus und der Prozessor hat di­rek­ten Zugriff auf al­le Register. Wer al­so die CPU über die Firmware kon­trol­liert, kon­trol­liert die Chipsätze und kann dort auch je­den Unfug trei­ben. Im GSM-Bereich ist man schon seit ei­ni­gen Jahren wei­ter und spen­diert dem Funkteil ein ge­schlos­se­nes System mit ei­ge­nem Prozessor, Firmware und de­fi­nier­ten Schnittstellen. Das Ganze wird Baseband ge­nannt und eig­net si­ch auch gut für Verschwörungstheorien. Etwas ähn­li­ches wird uns im güns­tigs­ten Fall auch für WLAN bei den kom­men­den Generationen neu­er Chipsätze blü­hen. Im schlech­tes­ten Fall, wer­den die Hersteller kei­ne Informationen mehr raus­rü­cken und die Treiberentwicklung auf OSS-Basis be­hin­dern. Wenn man dann no­ch et­was Glück hat, be­kommt man ei­nen bi­nä­ren Treiber vom Hersteller für sein Linuxsystem. Die der­zei­ti­ge Realität lässt aber eher ver­mu­ten, dass es dann für OSS-Betriebsysteme kei­ne Treiber mehr für neue Adapter ge­ben wird. 

Daher ist es auch nicht hilf­reich si­ch jetzt hin­zu­stel­len und zu sa­gen, dann bau­en wir eben un­se­re Router wie­der sel­ber. Sicher wird das ge­hen, aber nur no­ch oh­ne WLAN, da be­tref­fen­de Adapter nicht mehr un­ter­stützt wer­den. Oder ir­gend­wann mit ver­al­te­ter Technik. Die Regelung geht auch no­ch wei­ter, denn sie wird auch den ge­sam­ten IoT-Bereich be­tref­fen. Mit an­de­ren Worten, oh­ne zer­ti­fi­zier­te und nicht än­der­ba­re Firmware, wirst Du dei­ne ei­ge­ne IoT Kreation nicht ver­kau­fen kön­nen (dür­fen). Mit an­de­ren Worten, der gu­te Alte FTZ-Aufkleber wird wie­der be­lebt, wie in der gu­ten al­ten Zeit von Schwarz-Schilling. Ob dann auch wie da­mals – zu Zeiten des Daten-Klo’s – die Schnittlauchtruppe Hausbesuche ma­chen und nicht kon­for­me Geräte be­schlag­nah­men wird, bleibt ab­zu­war­ten.

Für die­je­ni­gen, die si­ch jetzt no­ch schnell ih­ren ei­ge­nen Router mit WLAN bau­en wol­len, kann ich als Systemboard das ALIX 2D13 mit pfsen­se als Betriebssystem emp­feh­len. Liegt dann halt eher in die 200,- Euro Klasse und nicht die 20,- Euro Klasse.

Gerald

Steffen, no­ch (zu­min­dest) sind bei WLAN-Karten und -Sticks die Frequenzbereiche wähl­bar, schließ­li­ch muss z.B. ein Laptop als mo­bi­les Gerät welt­weit funk­tio­nie­ren, oh­ne er­st die Firmware neu zu flas­hen oder die WLAN-Karte aus­zu­bau­en…

Dh. mit selbst zu­sam­men­ge­stell­ter Hardware ist es mög­li­ch, ei­nen Router selbst zu bau­en, und das oft güns­ti­ger als ein Fertigkauf. Aber an­de­re Frage: Was bringt es, an­de­re Frequenzbereiche zu nüt­zen, wenn al­le Geräte in Europa die eu­ro­päi­schen ver­wen­den? Insofern ist es ver­ständ­li­ch, die Wahlmöglichkeit ein­zu­schrän­ken, da bei fal­scher Konfiguration die Funktion ein­ge­schränkt ist und an­de­re ge­stört wer­den. (Das trifft üb­ri­gens auch vie­le „Bastler“, die glau­ben ih­re DSL-Verbindung durch Herumkonfigurieren schnel­ler ma­chen zu kön­nen. Nicht nur, dass sie dann oft die ei­ge­ne nicht mehr rich­tig funk­tio­niert, kön­nen sie auch an­de­re Nutzer im sel­ben Kabelstrang stö­ren. Schuld ist dann aber im­mer der Provider… 😉

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