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Höflichkeit 2.0: Polylog.tv warnt vor Datenexhibitionismus

Immer wie­der hört man die Geschichte vom Job-Suchenden, der vom Personaler mit kom­pro­mit­tie­ren­den Party-Fotos kon­fron­tiert wur­de. So be­haup­tet auch polylog.tv in der Folge „Rufmord 2.0“, dass si­ch nai­ver Datenexhibitionismus im Netz si­ch spä­tes­tens bei der Jobsuche rächt. Wie lan­ge kann das no­ch so ge­hen, wenn im­mer mehr Menschen on­line sind?

Zum Thema „Höflichkeit“ steht bei Wikipedia:

„Im Gegensatz zur Freundlichkeit, mit der man ver­trau­te Menschen be­han­delt, ist die Höflichkeit stark durch ge­sell­schaft­li­che Normen und Umgangsformen ge­prägt und drückt si­ch oft durch re­spekt­vol­le Distanz aus.“

Wie lan­ge kommt man ge­sell­schaft­li­ch da­mit no­ch durch, dass man an­de­ren Menschen im Internet di­gi­tal nach­schnüf­felt, wenn Höflichkeit doch ei­ne re­spekt­vol­le Distanz be­deu­tet und wir wis­sen, dass uns die meis­ten Daten ein­fach nichts an­ge­hen? Wir wis­sen nichts über die Art und Weise, wie die ge­fun­de­nen Informationen ins Internet ge­langt sind. Da gibt es näm­li­ch ei­ni­ge Fragen: 

  1. Niemand kann ver­hin­dern, dass Andere Informationen über ei­nen ver­öf­fent­li­chen. Noch da­zu, wenn sie auf ge­schlos­se­nen Plattformen ver­öf­fent­licht wer­den. Ich kann nicht über­prü­fen, was im StudiVZ über mi­ch zu fin­den ist, oh­ne ei­nen StudiVZ-Account zu ha­ben.
  2. Selbst wenn die Informationen au­gen­schein­li­ch von der Person selbst ver­öf­fent­licht wur­de, heisst das nicht, dass si­ch da nicht je­mand un­ter fal­schem Namen ei­nen Streich er­laubt hat.
  3. Spielt da je­mand ei­ne Rolle, die in ei­nem be­stimm­ten Kontext ei­nen an­de­ren Sinn macht?
  4. Sind die Informationen über­haupt no­ch ak­tu­ell – wie­viel ha­ben sie no­ch mit der Person zu tun?

Die re­spekt­vol­le Distanz ist der­je­ni­ge Abstand, den ich frei­wil­lig zum Anderen ein­hal­te, ob­wohl ich es nicht müss­te. Und Informationen, die ich nicht mit dem Ziel ei­ner Bewerbung ver­öf­fent­li­che, ge­hen kei­nen Personaler et­was an. Genauso wie ihn der Inhalt mei­nes Mülleimers, den ich zwecks Entsorgung nach drau­ßen stel­le, nichts an­geht.

Das ist si­cher jetzt no­ch nicht so, weil die gan­zen ach-so-cleveren Google-Bediener die­ser Welt stolz dar­auf sind, wenn sie ei­nen Namen in Anführungszeichen in ei­ne Suchmaschine ein­ge­ben und dann tat­säch­li­ch et­was ge­fun­den wird. Wenn aber er­st ein­mal von je­dem Personaler selbst die Sauffotos vom Schützenfest zu fin­den sind, wird si­ch das si­cher lang­sam än­dern.

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Kommentare

Der Brüsseler

Zum ei­nen ist je­der selbst ver­ant­wort­li­ch was er/sie ver­öf­fent­licht. Zum an­de­ren glau­be ich kaum dass Personalberatungen oder Personalmanager über je­dem Kandidaten ei­ne Internetrecherche ma­chen wer­den, da­für be­wer­ben si­ch zu vie­le Menschen, es gibt zu vie­le Menschen mit glei­chen Namen und so­mit ist es nicht im­mer ein­fach die ge­fun­de­nen Informationen auch ei­ner be­stimm­ten Person zu zu­ord­nen. Je mehr Informationen exis­tie­ren, je mehr Menschen si­ch „ver­öf­fent­li­chen“, desto grö­ßer, un­über­sicht­li­cher – letzt­end­li­ch auch chao­ti­scher – ist die Datenflut. 

PS: die Saufphotos auf StudyVZ sind lustiger/peinlicher 😉

Steffen

Naja – aber viel­leicht zu den letz­ten 5 wird dann doch re­cher­chiert. Das ist dann viel­leicht auch nicht so tief­ge­hend, aber wenn da zu­fäl­lig n „lus­ti­ges“ Foto raus­fällt, das zum Bewerbungsfoto passt…

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