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Google Browser: Alle Wegen führen nach Chrome?

By: Thomas Cloer - CC BY-SA 2.0

Google hat jetzt einen eigenen Browser veröffentlicht – so what!? Es gibt schon eine Reihe anderer Browser (Safari, Konqueror, Internet Explorer, …), die ich nicht benutze. Dann gibt es halt noch einen mehr. Leider ist die Sache nicht ganz so einfach, wenn man als Webentwickler sicher gehen will, dass alle Besucher einer Site ein halbwegs erträgliches Ergebnis zu sehen bekommen.

Die Idee für Chrome ist sicher nicht ganz schlecht: Die ersten Browser hatten nur eine Funktion und von der haben sie auch Ihren Namen: Man hat damit Seiten „geblättert“. Heute aber kann man einkaufen, Videos schau, chatten und mehr und mehr Application wandern vom Desktop in den Browser: Web-Mailer, Online-Fotoverwaltungen und -Textverarbeitungen sind da nur die Speerspitze.

Wer in Zukunft ein breites Publikum ansprechen will und die Entwicklungskosten minimieren muss, wird plattformunabhängig arbeiten. Das hat sich mit Java nie richtig durchgesetzt, weil man Java extra installieren musste und die Virtual Machine an sich hatte erstmal keinen Nutzen. Browser aber hat jeder installiert – sie kommen mit dem Betriebssystem.

Browserhersteller tun also gut daran, diesen Trend mit ihrer Software zu unterstützen. Aber warum gerade Google? Weil sie es können! Genauso wie Apple mit dem iPhone den Mobilfunkmarkt aufgeschreckt hat, wird Google diese Entwicklung im Browserbereich beschleunigen.

Was spricht gegen Chrome?

Google sammelt Daten in allen Bereichen des Internets und lässt sich dafür jeweils unbeschränkte, weltweite, kostenlose Nutzungsrechte an den erstellten Inhalten einräumen – so auch für Chrome. Zumindest in den ersten Tagen, bis es den ersten Benutzer auffielt:

„..working quickly to remove language from Section­ 11 of the current Google Chrome terms of service. This change will apply retroactively to all users who have downloaded Google Chrome.“

­Da hat doch einfach jemand per copy&paste die Standard-Nutzungsbedingungen übernommen, obwohl die auf den Browser gar nicht passten… Was Google zum Flüchtigkeitsfehler herunterspielt­ – man könne natürlich nicht die Rechte an all den Inhalten bekommen, die die Benutzer erstellen – zeigt, wes Geistes Kind diese Firma mittlerweile ist: Google bietet Dienstleistungen kostenlos an und bekommt dafür die Nutzungsrechte an den Erstellten Inhalten. Zunächst um damit gezielter Werben zu können. Daran ist natürlich nichts Verwerfliches – man sollte sich als „Kunde“ aber darüber im Klaren sein.

Nun sagen meine Anwälte: „Wir unterschreiben am liebsten unwirksame Nutzungsbedingungen.“ – sicher: In Deutschland ist Nutzungsbedingungen wie diese unwirksam, doch wer will Google daran hindern so zu verfahren?

Inzwischen warnt auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
(BSI) vor Chrome.

Browser Wars – Next Generation

Für mich ist erstmal ärgerlich, dass es einen weiteren Browser gibt, der potentiell anders reagiert als ich es für eine Website vorgesehen habe. Zwar basiert Chrome auf WebKit – der Rendering-Engine, mit der auch Safari arbeitet – aber schon die JavaScript-Implementierung ist eine eigene und irgendwie werden sich da schon Probleme einschleichen. Das ist Murphy‘s Gesetz.

Und dann hat Chrome auch noch vom ersten Tag an einen Marktanteil von 1% – was sich natürlich nicht in 4 Monaten so fortsetzt, bis es 100% sind. Der Internet Explorer steht im Moment bei 70% und Firefox bei 20% – der Rest verteilt sich auf Safari, Konqueror, mobile Browser und so weiter. So wie sich aber bisher Angebote von Google durchgesetzt haben (Google Mail, Google Earth, …), hat Chrome eine echte Chance als Dritter das Spielfeld zu betreten.

Und sonst?

Was mich erstaunt hat, ist der Hype, der um dieses Programm entstanden ist. Das hatte ja fast iPhone-Ausmaße. Sogar in die Tagesschau hat es der Browser geschafft.

Übrigens: Man kann die besten Features von Chrome im Firefox mit Extensions nachrüsten.

Kommentare

Dennis

Das Google und auch das neueste Kind Chrome böse sind, sollte wohl klar sein. Ich gebe dir sogar Recht, dass Chrome der 3.te große Browser werden könnte.
Fragt sich nur warum. Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass jeder Hans und Kunz über Chrome schreibt, und in TV und Radio darüber berichtet. Das in den Berichten teilweise vor Chrome gewarnt wird, das wird in ein paar Wochen keiner mehr wissen. Dann zählt nur noch der Name, den man doch schon mal gehört hat.
Das nenn ich mal Werbung…
Grüße, der Dennis

Steffen

Naja – Google ist nicht China. Google ist genau so ein Unternehmen wie Microsoft und Apple. Google hat allerdings schon wesentlich früher durchschaut, was mit dem Internet zu machen ist und hat dabei auch weiterhin ein sehr gutes Gespür – Inzwischen macht die Firma die Trends teilweise einfach selbst (Google Maps, Online-Werbung).

Ich habe auch einen sehr fähigen Zahnarzt – trotzdem bring ich dem nicht auch noch mein Fahrrad vorbei. Man muss halt wissen, wo einem eine Firma gut weiterhilft und wo nicht. Ich selbst nutze Google immer dann, wenn ich Sachen möglichst öffentlich haben will (Google Webmaster Tools, Google News) – für private Dinge (E-Mail) nutze ich andere Anbieter.

Und ich denke, dass die Berichterstattung – so sie denn kritisch ist – wichtig ist, das so auch den normalen Internet-Nutzern zu erklären.

Im Falle des Browsers kommt für mich als Web-Entwickler noch dazu, dass es ein weiterer Browser ist, auf dem man testen muss. Obwohl ich denke, dass sich das auch ändern wird: Es gibt inzwischen 3 Betriebssysteme, 3-4 Browser in 2 Versionen und dazu kommt noch eine wachsende Zahl mobiler Browser. Von daher denke ich, dass der Anspruch „Das muss in allen Browsern genau gleich aussehen“, welcher ja noch aus der Print-Welt kommt, nicht mehr so die Rolle spielen wird: Die Seite muss in allen Browsern funktionieren und nicht scheiße aussehen. Aber das ist ein anderes Thema…

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