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Usability in Open-Source-Software: Einfach nicht gewünscht

By: Nicole Yeary - CC BY 2.0

In seinem Artikel „Why Free Software has poor usability, and how to improve it“ beschreibt Matthew Paul Thomas die Probleme, die freie Software mit dem Thema Usability hat. Warum sind so viele freie Programme so schwierig zu bedienen und was kann man dagegen tun.

Einige der von Thomas genannten Punkte sind mir aktuell in Zusammenhang mit verschiedenen Open-Source-Projekten aufgefallen:

Coding before design

Die meisten OpenSource-Projekte werden im Kopf eines Programmierers geboren: Der hat ein Problem und eine Idee, wie er es mittels Software lösen kann. Also baut er sich eine Lösung, die mit möglichst wenig Aufwand sein Problem löst. Und weil Programmierer so weltfremde Menschen sind, stellt er sein Tool der Welt nicht nur kostenlos, sondern auch noch frei zur Verfügung. Und schon fängt der Ärger an…

Zu viele Köche

Andere greifen die Arbeit auf und reichen Ihre Änderungen ein. Die sind dann oft nicht abgesprochen.

Zu wenig Designer

Gute, ehrenamtliche Designer sind so rar, dass die meisten Projekte ohne einen auskommen müssen. Wenig Programmierer sind gleichzeitig gute Designer.

Den Großen folgen

Der Mangel an Designer führt im besten Fall dazu, dass die Programmierer versuchen kommzielle Software in der Bedienung zu imitieren. Die ist aber oft kein gutes Vorbild und die Programmierer bringen sich damit um die Chance besser zu sein.

Release early, Release often

In der Open Source Szene gilt das Motto: „veröffentliche früh und häufig“. Davon verspricht man sich eine stabilere Entwicklung, weil mit jedem Versionsschritt nur kleine Änderungen vorgenommen werden, die dann jeweils von den Benutzern getestet werden können.

Das bringt aber auch das Problem, dass frühe Entscheidungen für eine bestimmte Art der Bedienung später schlecht geändert werden kann, weil die Benutzer sich nicht umgewöhnen wollen – egal wie kompliziert die Bedienung früher war. Da werden dann sogar abstruse Bedienungskonzepte vehement verteidigt.

Modulare Mittelmäßigkeit

Programmierer stehen auf Modularität und gerade in Open Source Projekten lohnt es sich, Teile unabhängig von einander entwickeln zu können. Meistens sitzen die verschiedenen Freizeitentwickler ja nicht im gleichen Büro zur einfachen Absprache.

Dadurch sind die Komponenten aber oft auch nicht aufeinander abgestimmt und es gibt keine konsistente Bedienung.

Usability ist schwer zu messen

Jeder Programmierer hat seine eigene Vorstellung davon, was einfach zu bedienen ist. Und weil natürlich jeder Entwickler seine eigene Software regelmäßig benutzt, ist jeder selbst ein Power-User, dem die frühen Hürden gar nicht mehr auffallen.

Kleine Fehler sind egal

Entwickler wollen, dass ihre Software funktioniert. Deswegen fürchten sie vor allem Fehler, die dafür sorgen, dass ihre Software nicht funktioniert. Das gilt dann als „Bug“ und muss „gefixt“ werden. Schlechte Bedienbarkeit ist kein Fehler, kein Bug und kann auch erstmal ungefixt bleiben. Wenn man es nur richtig macht, funktioniert die Software ja.

Jeder ist sich selbst am nächsten

Entwickler bauen zu allererst die Funktionen in eine freie Software, die sie selbst benötigen. So wächst das ursprünglich kleine Programmchen zu einem Monster, aus lauter Funktionen, die irgendwann eingefügt wurden, ohne dass man jemand einen Schritt zurück getreten ist um das Gesamtbild zu betrachten. „Ist das Bedienkonzept noch angebracht?“

Designvorschläge sind nicht gerne gesehen

Probleme mit der Bedienung einer Software haben meistens die Anfänger – wenn aber von denen einer ankommt und auf die Probleme hinweist kritisiert die freiwillige, unbezahlte, hochwertige und mühevolle Arbeit der Entwickler. „Soll der Anfänger doch froh sein, dass es die Software überhaupt gibt!“

Dann ist es auch egal, ob der Anfänger Vorschläge zur Verbesserung macht oder nicht – macht er welche, hat er einfach die Software noch nicht verstanden und sollte die Fehler bei sich selbst suchen. Macht er keine Vorschläge, dann gilt er nur als Mäkler, der es aber auch nicht besser weiß.

Leider habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass das Thema „Usability“ ziemlich schwierig ist. Ich befürchte, dass die Vorschläge, die Thomas zur Lösung dieser Probleme im Sande verlaufen, wenn das Thema „Usability“ nicht generell mehr Anerkennung findet. Usability ist ein Qualitätsmerkmal. Zur Zeit gilt eher noch: Wenn etwas schwer zu erlernen ist, muss es hochwertig sein: Ein Klavier ist auch schwieriger zu bedienen als ein CD-Player. Wer aber nur Musik hören will, sollte nicht 5 Jahre Unterricht nehmen müssen.

Foto: Patrick Siegenthaler

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