kaffeeringe.de

Volkswagen: VW-Affäre zeigt: Wir brauchen viel mehr freie Software

Doppelauspuff
Da guckste in die Röhre | Foto: Elizabeth McClay - CC BY 2.0

Volkswagen schum­melt al­so mit sei­ner Software. Das wä­re beim gu­ten, al­ten Käfer nicht mög­li­ch ge­we­sen. Da gab es kei­ne Software – nur Hardware. Und von den paar be­weg­li­chen Teilen im VW-Motor wuss­ten no­ch vie­le, wo­für sie da sind. 

So ei­nen Motor kann man manch­mal als Modell in den Schaufenstern äl­te­rer Fahrschulen se­hen. Daran lern­ten zu­min­dest grund­sätz­li­ch al­le: Es macht „Puff“, und der Kolben wird her­un­ter­ge­drückt, dann kommt das nächs­te „Puff“. Durch Bewegung fährt das Auto. Inzwischen küm­mern si­ch Computer dar­um, dass es im rich­ti­gen Moment den ge­n­au rich­ti­gen „Puff“ gibt.

Das Problem ist, dass wir die Software nicht mehr zer­le­gen kön­nen wie den Motor. Nicht nur ver­ste­hen we­ni­ger Menschen et­was von Programmierung als von Mechanik. Vielmehr wol­len die Hersteller nicht, dass man ih­nen auf die Finger gu­cken kann. Dank Volkswagen ah­nen wir jetzt war­um.

Der Traktoren-Hersteller John Deere zum Beispiel will sei­ne Fahrzeuge nicht mehr ver­kau­fen, son­dern nur no­ch die Nutzungsrechte. Dadurch kann John Deere fest­le­gen, was der Nutzer mit dem Gerät ma­chen darf. Eine bes­se­re Software von ei­nem an­de­ren Anbieter ein­spie­len – das soll nicht mög­li­ch sein.

Bei Autos gibt es heu­te das so­ge­nann­te Chip-Tuning. Autos vom Fließband sind so ein­ge­stellt, dass sie für vie­le Fahrstile funk­tio­nie­ren. Durch Chip-Tuning kön­nen sie spar­sa­mer oder „sport­li­cher“ wer­den. So et­was soll nach dem Willen der Autobauer nicht mehr mög­li­ch sein. Die Software soll ein Geheimnis sein. Spoiler an das Auto schrau­ben ist er­laubt – an der Software schrau­ben nicht.

Eine ähn­li­che Entwicklung steht uns mit den ver­netz­ten Geräten ins Haus, die wir zu­künf­tig ha­ben sol­len: Kühlschrank, Thermostat, Stromzähler und so wei­ter. Ob uns auch die­se Geräte be­schum­meln, wer­den wir nicht mehr wis­sen. Es sei denn, wir sor­gen recht­li­ch da­für, dass die Software frei zu­gäng­li­ch sein muss, da­mit Experten sie prü­fen und viel­leicht so­gar ver­bes­sern kön­nen.

Links

Dieser Artikel ist zu­er­st bei shz.de er­schie­nen.

Pingbacks

  1. Auto-Software: EFF stößt die Tür einen Spalt weit auf

Kommentare

haeger

Ich stim­me dir in vie­len dei­ner Aussagen zu. Sehe je­doch ganz grund­sätz­li­ch ein Problem. Software die auf ei­nem Fahrzeug läuft ist in vie­len Fällen si­cher­heits­re­le­vant und muss dann zwin­gend nach ei­nem Sicherheitsstandard (ISO26262) ent­wi­ckelt wer­den. Das al­lei­ne ver­bie­tet schon das je­der be­lie­bi­ge an der Software für Steuergeräte „rum­schrau­ben“ darf, denn das führt un­ter Umständen zu Toten. Ein ab­ge­stürz­tes Handy mit ge­än­der­ter Software ist är­ger­li­ch, aber nicht ge­fähr­li­ch. Ein ver­rückt spie­len­des Motor- oder EPS-Steuergerät ist da­ge­gen brand­ge­fähr­li­ch.

abbc

Stimme hea­gar zu. In dem Fall ist OS kei­ne Lösung. Vielmehr soll­te ei­ne Art un­ab­hän­di­ges Gremium Zugang zur die­ser Software er­hal­ten und es Prüfen dür­fen.

Steffen

Was ist denn an der Software ei­nes Autos ge­fähr­li­cher als an den Bremsen? Klar müs­sen Veränderungen am Fahrzeug über­prüft und ein­ge­tra­gen wer­den – wie heu­te auch. Aber war­um sol­len wir denn nicht wis­sen dür­fen, nach wel­chen Maßstäben die Software Dinge für uns ent­schei­det? Warum sol­len wir das nicht ein­mal wis­sen kön­nen?

Ihr wollt lie­ber nicht wis­sen, wie die Dinge um uns her­um funk­tio­nie­ren, als dass ir­gend­wer ver­letzt wer­den könn­te. Das ist selbst­ver­schul­de­te Unmündigkeit… Aufklärung be­deu­tet, die Dinge wis­sen zu wol­len und sie zu hin­ter­fra­gen. Wir aber sind da­bei und dem war­men, be­que­men Unwissenheit der Konzerne aus­zu­lie­fern.

Alex - WarumLinuxBesserIst

Dem Kommentar von Steffen kann ich nur zu­stim­men. Warum soll Software ge­heim blei­ben, dass nie­mand sie ein­se­hen kann, aber an den Bremsen und den me­cha­ni­schen Teilen darf je­der selbst her­um­bas­teln.
Die Möglichkeit, dass je­mand die Software so ver­än­dert, dass es ein nicht mehr ver­kehrs­si­che­res Auto ist und zu to­ten führt, ist wohl weit aus ge­rin­ger ein zu stu­fen,. als dass ein Hobbyschrauber ver­gisst, die Schrauben am Bremssystem rich­tig an zu zie­hen und da­durch ein Unfall ent­steht.
Und wahr­schein­li­ch die meis­ten Leute wech­seln ih­re Winter- Sommerreifen selbst. Ist das nicht ge­fähr­li­ch, wenn si­ch ein Rad löst, auf Grund nicht rich­tig an­ge­zo­ge­ner Schrauben?
Aber bei ei­ner Quelloffenen Software soll das ge­fähr­li­ch sein?

haeger

@Steffen: Sorry, ich hät­te da­zu schrei­ben sol­len, dass ich mi­ch nur auf den Abschnitt mit dem Chiptuning be­zie­hen möch­te. Ich ha­be ab­so­lut nichts ge­gen Opensource, bin viel­mehr ein kla­rer Verfechter die­ses Ansatzes. Wissen wie et­was funk­tio­niert ist gut. Aber ei­ne
ei­gen­mäch­ti­ge Änderung der Software oh­ne Einhaltung der Sicherheitsstandards von Laien ist bei si­cher­heits­re­le­van­ten Systemen mei­ner Ansicht nach kei­ne gu­te Idee. 

@Alex: An Bremsen darf auch nicht je­der ein­fach sys­te­mi­sche Veränderungen vor­neh­men oh­ne das ei­ne Prüfung durch au­to­ri­sier­te Instanzen er­folgt. Anderfalls er­lischt aus gu­tem Grund die Betriebserlaubnis. Die Überprüfung ist je­doch bei me­chi­schen Systemen re­la­tiv ein­fach zu ma­chen und da­her gut mög­li­ch. Bei Software ist das nicht der Fall. Dazu müss­te ei­ne Instanz ge­schaf­fen wer­den, die ein Review und Freigabeprozess des je­wei­li­gen Softwarestands durch­führt und dann da­für sorgt, dass ge­n­au die­ser ab­ge­nom­me­ne Softwarestand auch auf dem Steuergerät lan­det. Das hal­te ich schon al­lei­ne auf­grund der Kosten nicht für prak­ti­ka­bel.

Alex - WarumLinuxBesserIst

@haeger
Dürfen und Tun sind eben im­mer zwei un­ter­schied­li­che Dinge.
Man darf viel nicht und trotz­dem ma­chen es vie­le.
Ich ha­be schon -zig mal mei­ne Bremsen am Auto aus­ge­tauscht und re­pa­riert, kom­plet­te Bremmsysteme ge­wech­selt… „oh­ne das ei­ne Prü­fung durch auto­ri­sierte Instan­zen er­folgt“. Und nun? Habe trotz­dem je­des mal TÜV be­kom­men.
Habe auch vor 20 Jahren ei­nen we­sent­li­ch stär­ke­ren Motor mit mehr Hubraum in mein Auto ein­ge­baut und es of­fi­zi­ell beim TÜV als klei­nen Motor ein­tra­gen las­sen. Und kei­ner beim TÜV hat es be­merkt. Dürfen und tun sind zwei un­ter­schied­li­che Dinge…
Nur weil man et­was nicht darf, be­deu­tet es no­ch lan­ge nicht, dass es auch kei­ner macht.
Eine Bank zu über­fal­len ist auch ver­bo­ten und trotz­dem ge­schieht es häu­fig. Verbote schüt­zen al­so nicht wirk­li­ch.

Klaus Kochan

@haeger und abbc
Natürlich ist die Softwaremanipulation nach ei­ge­nem Ermessen ge­nauso ge­fähr­li­ch, wie das Tauschen der Bremsklötze ge­gen Holzklötze, oder rie­si­ge Bullenhörner auf die Stossstange zu schrau­ben. Das lie­ße si­ch ja al­les bei der nächs­te HU leicht über­prü­fen. Die Konsequenzen sol­cher Eingriffe soll­ten ja auch weit­ge­hend be­kannt sein.

Es geht aber nicht dar­um für si­ch selbst an der Software her­um­bas­teln zu dür­fen. Sondern, wie bei „Open Source“ üb­li­ch, das Aufdecken von Fehlern, Mogeleien, man­gel­haf­ten Funktionen, usw. Da wirk­li­ch je­der an sol­cher Software mit­wir­ken kann, de­ren Entwicklung zu­dem zen­tral ge­steu­ert und ver­wal­tet wird, ist es na­he­zu un­mög­li­ch, das der Nutzer am Ende be­tro­gen, über­wacht und ab­ge­zockt wer­den kann.

Kommerz wird im­mer von be­trü­ge­ri­schen selbst­be­rei­chern­den Ambitionen be­glei­tet. Das wird um­so häu­fi­ger aus­ge­nutzt, je un­durch­sich­ti­ger ge­ra­de Software-Produkte wer­den. Man sieht es schon an den zahl­rei­chen Apps für Smartphones, die al­les wis­sen wol­len, sei es no­ch so ir­rele­vant für die ei­gent­li­chen Funktionen. Oder Windows 10, das lt. zahl­rei­cher Berichte, die rein­s­te Abhöranlage sein soll.

Es gibt zu­künf­tig und jetzt schon nur ei­ne ein­zi­ge Möglichkeit si­ch ge­gen die­se teils ver­bre­che­ri­sch agie­ren­den Konzerne zu weh­ren. Und das ist der to­ta­le Boykott ge­gen al­le Produkte des­sen Funktionen und Arbeitsweisen ge­heim ge­hal­ten wer­den. Wir sind die Verbraucher. Wir ha­ben es in der Hand, was uns die Konzerne zu­künf­tig ver­kau­fen. Wenn wir wei­ter­hin, das bil­ligs­te Fleisch es­sen wol­len, Betriebssysteme fast ge­schenkt ha­ben wol­len und un­se­ren Elektroschrott kos­ten­los ent­sorgt ha­ben wol­len, ja dann müs­sen wir auch mit den Konsequenzen le­ben. Siehe Gammelfleisch-Skandale, Snowden 4.0 und hö­her, Mega-Müllkippe-Ghana, uvm.

Und noch­mal @haeger
„… Dazu müss­te ei­ne Instanz ge­schaf­fen wer­den, die ein Review und Freigabeprozess des je­wei­li­gen Softwarestands …“
Ja, rich­tig! Und das gibt es ja be­reits. Erschaffen von Linus Torvalds und nennt si­ch GIT! Dort wer­den die Projekte ziel­füh­rend in die rich­ti­gen Bahnen ge­lenkt. Das ist üb­ri­gens auch OpenSource. Ihr soll­tet eu­ch wirk­li­ch mal nä­her mit die­sem Thema be­schäf­ti­gen.

abbc

@Klaus Kochan: Ich bin Hauptberuflich Software-Entwickler. Und jetzt echt nicht bö­se ge­meint, aber das gan­ze theo­re­ti­sche „Blah“, ist eben nur theo­re­ti­sch. Praktisch lies mal die Geschehnisse zum Thema Open Source in letz­ter Zeit. Ob Closed Source oder Open Source, ist erst­mal völ­lig egal. Was mit Produkten ge­macht wird, liegt im Verantwortungsbereich des Menschen. Und wenn man von Programmierung kei­ne Ahnung hat, bringt der so­ge­nann­te „Vorteil“ von Open Source ei­nem nor­ma­lem Anwender oh­ne jah­re­lan­ge Erfahrung in Programmierung ge­n­au 0.

Es ge­hört schon viel mehr da­zu, als Variablen oder Schleifen zu le­sen. Das ge­sam­te Konstrukt und sei­ne Auswirkungen sind für ei­nen Laien nicht ein­seh­bar. Das ist schon für Entwickler schwie­rig.

Steffen Voß

Liebe Leute, bit­te be­ach­tet, was ich ge­schrie­ben ha­be und in­ter­pre­tiert da nicht mehr oder we­ni­ger rein:

1. Ich ha­be nie be­haup­tet, dass Freie Software feh­ler­frei wä­re.
2. Ein of­fen lie­gen­der Quelltext gibt uns er­st die Möglichkeit, Betrug auf­zu­de­cken.
3. Dass nicht je­der auf dem nö­ti­gen Level pro­gram­mie­ren kann, wi­der­legt gar nichts. Mit dem Argument, dass doch eh kei­ner le­sen kann, hät­te es Bücher nie ge­ge­ben.
4. Nur weil vie­le Menschen da­mit nichts an­fan­gen kön­nen, be­deu­tet nicht, dass es den rest­li­chen Menschen ver­bo­ten oder un­mög­li­ch sein muss.
5. Ich be­zie­he mi­ch nicht nur auf Autos oder gar nur die le­bens­wich­ti­gen Teile.
a) Es geht mir dar­um, dass wir bald von ei­ner Menge Geräten um­ge­ben sein wer­den, die Black-Boxes sind, von de­nen nur die Konzerne no­ch wis­sen, was sie ma­chen und auf wel­cher (ethi­schen) Grundlage sie Entscheidungen tref­fen. Heute kann ich mi­ch ent­schei­den, ob ich „sport­li­ch“ oder spar­sam fah­re – Wie fährt das Google-Auto? Kann ich das wäh­len? Regelt der Markt, dass es Anbieter gibt, die so et­was an­bie­ten? Wenn ich auf „spar­sam“ stel­le – wer sagt mir, dass es wirk­li­ch so spar­sam ist, wie es gin­ge und nicht nur ge­ra­de so spar­sam, dass es ir­gend­wel­chen Unternehmens-Interesse passt?
b) Warum darf ich nicht ein­mal das Interface des be­kack­ten Entertainmentsystems aus­tau­schen? Die Hersteller rot­zen den Kram raus und nach 3 Jahren muss man si­ch schon den nächs­ten Stadtpanzer kau­fen, nur weil das ver­kleb­te Radio ir­gend­was nicht un­ter­stützt, was ich ger­ne hät­te.

Wenn wir nicht ve­he­ment die _Möglichkeit_ ein­for­dern, den Unternehmen auf die Finger zu gu­cken, wer­den wir bald we­nig mehr von dem ver­ste­hen, was um uns her­um ab­geht.

Marek Walther

Da müss­ten wir jetzt er­st ein­mal klar­stel­len, was Du hier wirk­li­ch mein­st.

Sprichst Du hier wirk­li­ch von Freier Software und möch­test, dass die­se nach Belieben ge­än­dert und neu auf­ge­spielt wer­den kann, dann muss ich dir hier wi­der­spre­chen. Heute be­steht ein mo­der­nes Auto nicht nur aus dem Steuergerät mit der ei­nen Software, son­dern aus Mehren hun­dert in­tel­li­gen­ten Einzelcontrollern, die in di­ver­sen Modulgruppen ver­baut sind. Das reicht von der Audiosteuerung über die Fensterheber bis zu Zündungskontrolle und fast al­le die­ser Controller kön­nen Updates emp­fan­gen. Viele Sonderfunktionen, die ein mo­der­nes Auto hat, sind dann auch Abfallprodukte, die im Zusammenspiel ver­schie­de­ner Komponenten rea­li­siert wer­den. Hier ein­mal als Beispiel das au­to­ma­ti­sche Einparken. Hier steu­ert und bremst das Auto selbst­stän­dig in Abhängigkeit der Radsensoren un­ter Zuhilfenahme von ABS und der Abstandskontrolle. Hierbei wird ganz klar deut­li­ch, wer de­in Auto tat­säch­li­ch steu­ert und das ist nicht der Fahrer. Es ist die Elektronik, die Zugriff auf al­le Aktoren hat. Schon mal ver­sucht, ge­gen die Servolenkung an­zu­steu­ern? In der Regel ist ein sol­ches Unterfangen aus­sichts­los. Wir le­ben in Zeiten von „dri­ve by wire“ und die Lenksäule exis­tiert wohl nur no­ch, weil man de­ren Wegfall ge­ra­de den deut­schen kon­troll­be­wus­ten Autofahrern nur schlecht ver­mit­teln kann. In der Zukunft wird auch die weg­fal­len und wie al­le dei­ne der­zei­ti­gen Steuerungsanweisungen wie Gas, Bremse, Kupplung oder Spiegelheizung nur wohl­wol­lend von dei­nem Steuergerät um­ge­setzt und an die Aktoren wei­ter­ge­lei­tet.

Auf ei­ner sol­chen Plattform möch­te kei­ner du­bio­se Fremdsoftware oder gar APPs in­stal­lie­ren. Sondern es soll doch bit­te die zer­ti­fi­zier­te und ab­ge­nom­me­ne Herstellersoftware ver­wen­det wer­den. Dieses wir auch durch die Regelungen und ISO-Normen für den Automotive-Bereich zum Ausdruck ge­bracht. Hier ver­liert de­in Auto sei­ne BE schon, wenn an der Elektrik rum­gefum­melt und nicht zu­ge­las­se­ne Geräte in­stal­liert wur­den. Das kann auch schon für Geräte gel­ten, die in den Zigarettenanzünder ge­steckt wer­den, und gilt ins­be­son­de­re für die ipho­n­e­fä­hi­gen Diagnosestecker. Mit sol­chen darf ein Auto nicht im öf­fent­li­chen Raum be­wegt wer­den.

Im Grunde möch­te man nur zer­ti­fi­zier­te Software ein­setz­ten und die Komponenten müs­sen ge­gen das Einspielen nicht zer­ti­fi­zier­ter Fremdsoftware ab­ge­si­chert sein. OTA-Updates darf es nicht ge­ben, son­dern die Updates müs­sen beim nächs­ten Werkstattbesuch ma­nu­ell vom Mechaniker/Techniker ein­ge­spielt wer­den. Im Grunde gibt es sol­che Sicherungsmechanismen schon. So gibt es Fahrzeuge, die nach ei­nem Austausch des Bremskraftverstärkers oder der Servolenkung den Dienstbetrieb ein­stel­len, weil die Seriennummern der aus­ge­tausch­ten Geräte nicht mehr stim­men. Hier kann man na­tür­li­ch strei­ten, ob das im Sinne des Kunden ist oder ob die Sicherheit als hö­he­res Gut ei­nen der­ar­ti­gen Eingriff recht­fer­tigt.


Bist Du der Ansicht, dass die Firmware als Open Source of­fen­ge­legt ge­hört, dann kann ich dir schon zu­stim­men. Allerdings kom­men wir dann bei den glei­chen Diskussionen an, die wir auch mit den Herstellern von Grafikkarten füh­ren. Auch wis­sen wir aus der jün­ge­ren Vergangenheit, das OS kein Garant für feh­ler­freie Software ist und das der kri­ti­sche Blick auf sol­che eher die Ausnahme, als die Regel ist. Hinzu kommt, dass es da­bei nicht um ei­ne Firmware ge­hen kann, son­dern die­ses Prozedere für al­le im Auto ver­bau­ten Komponenten durch­zu­füh­ren ist. Im Grunde soll­ten wir die­se Offenlegung ge­gen­über den Behörden schon ha­ben. Denn al­le Komponenten be­nö­ti­gen ei­ne BE um ver­baut zu wer­den und da heu­te fast al­les über Software ge­ma­nagt wird, soll­te es die Offenlegungspflicht ge­gen­über den Behörden schon ge­ben. Denn oh­ne Abnahme al­ler Komponenten wird es kei­ne Serienzulassung ge­ben. Allerdings scheint die Prüfung auch hier zu kom­plex zu sein, dass ent­spre­chen­de Manipulationen durch das Prüfraster fal­len und Funktionen zur Erkennung ei­nes Prüfstandsbetriebs sind si­cher­li­ch nicht wirk­li­ch aus­er­gew­wöhn­li­ch.

Eine Frage, die ich be­son­ders in­ter­es­sant fin­de, ist die Frage nach der Verantwortung der Zulieferer. Denn ich den­ke ein­mal, dass die Motorsteuerung wohl von Bosch ge­lie­fert wur­de und nicht von VW kommt. Dann wä­re auch no­ch zu klä­ren, wel­che Komponente die Manipulation durch­führt. Ist es die Motorsteuerung, dann wä­re hier auch Bosch in der Verantwortung. Ist es das zen­tra­le Steuergerät, dann hat VW ein erns­tes Problem, denn Bosch wird si­ch und sein Steuergerät si­cher­li­ch recht­li­ch ge­gen sol­che Manipulationen ab­ge­si­chert ha­ben.

Eine wei­te­re span­nen­de, aber lei­der kaum ge­stell­te Frage ist. Verlieren jetzt al­le ma­ni­pu­lier­ten Fahrzeuge ih­re Zulassung oder wird die Serienzulassung zu­rück­ge­zo­gen? Ich fin­de, hier ver­su­chen die Politik und die Behörden mal wie­der, die Situation zu Gunsten der Industrie aus­zu­sit­zen.

Marek Walther

@Alex – WarumLinuxBesserIst
Dass Du dei­ne Bremsen sel­ber war­test, ist er­st ein­mal kein Problem und dei­ne Kontrollinstanz ist der TÜV. Wenn die auf die Bremsen schau­en und Unregelmäßigkeiten fest­stel­len, steht die Kiste. Das Problem wir hier­bei sein, das ent­spre­chen­de Manipulationen nur schwer auf­fal­len, da der TÜV die Bremsen nur bei Verdacht tie­fer in­spi­zie­ren wird. Ist das Ergebnis des Prüfstandes OK und lässt die ein­fa­che Sichtprüfung kei­ne Mängel of­fen­kun­dig er­schei­nen, gibt es den Stempel.

Das be­deu­tet aber nicht, dass dei­ne neu­en Bremssättel aus China jetzt OK sind, nur weil der Prüfbeamte die­se nicht als Manipulation er­kannt hat. Reißen dir die­se auf der Autobahn bei 180 Sachen und du bau­st da­mit ei­nen Unfall, wird die Manipulation auf­fal­len und die BE und der Versicherungsschutz sind flö­ten. Das Gleiche gilt hier­bei auch für dei­nen Motor. Ist die neue Leistung nicht mit dei­nem Bremssystem kom­pa­ti­ble oder wur­de der Prüfer ge­täuscht, war es das mit der BE.

Kannst Du si­cher­li­ch al­les ma­chen, aber heul bit­te nicht rum, wenn es dir auf die Füße fällt.

Autos ha­ben üb­ri­gens in ih­rer Komplexität zu­ge­nom­men. Bei mei­nem ers­ten Auto ha­be ich auch den Motor ge­tauscht, die Ventilsteuerung nach­ge­stellt oder als der al­te Motor mit de­fek­ten Ventilschaftdichtung Öl rotz­te ein­fach den Luftansaugfstutzen aus­ge­rich­tet und ei­ne Öldose drun­ter­ge­stellt. Alle 100KM wur­de dann ein­fach der Liter Öl wie­der rein­ge­kippt und ein Luftfilter hat si­ch für den Motor eh nich­jt mehr ge­lohnt. Das ist aber nichts im Vergleich heu­ti­ger Autos. Schau dir bit­te die Situation auf dem heu­ti­gen APP-Markt an und fra­ge dich, ob du der­ar­ti­ge Softwarequalität in ei­nem 100KM/h schnel­len Geschoss ha­ben möch­test, wo nicht du, son­dern die Aktoren das Geschoss steu­ern. Und zwar über die in­stal­lier­te Firmware/Software.

Klaus Kochan

Ich ver­ste­he nicht wie­so ihr eu­ch im­mer wie­der auf die Autobranche re­du­ziert. Der Autor spricht doch ein­deu­tig von der Computerisierung sämt­li­cher elek­tro­ni­scher Geräte die wir im all­täg­li­chen Leben wie selbst­ver­ständ­li­ch nut­zen, de­ren Existenz wir uns zum gro­ßen Teil nicht­ein­mal be­wusst sind und man­gels Kontrolle/Einsicht kein Druckmittel in der Hand ha­ben die Profit ori­en­tier­te Industrie zu mehr Qualität und Kundenorientierung zu zwin­gen.

Die da­zu­ge­hö­ri­ge Software wird da­bei teden­zi­ell au­ßer­halb des Einsichtbereichs des Endkunden ent­wi­ckelt. Und war­um? Die Angst vor Raubkopien wird es ja wohl kaum sein! In China gibt es viel­leicht mehr il­le­ga­le MS-Kopien als Originale in der rest­li­chen Welt. Angst vor Patentverletzungen? Im Gegenteil. Da wird doch er­st rich­tig dran ver­dient! Nein – wir sol­len gar nicht er­st se­hen was da al­les so drin ver­steckt ist. Auch wenn wir es be­reits ah­nen, sol­len wir trotz­dem nicht of­fi­zi­ell wis­sen wie glä­sern, aus­nutz­bar und an­greif­bar wir uns mit der Nutzung pro­prie­tä­rer Software ma­chen.

Zum Vergleich: Vor ein­hun­dert Jahren wuss­ten wir no­ch ganz ge­n­au, bei wel­chem Bauern und un­ter wel­chen Umständen das Schwein auf­ge­wach­sen war, des­sen Schinken wir uns da­mals auf die Stullen leg­ten. Heute wis­sen wir ja nicht­mal mehr, ob man das Zeug über­haupt no­ch Schinken nen­nen kann!

@abbc
Keine Software ist feh­ler­frei! Aber wäh­rend bei pro­prie­tä­rer Software Sicherheitslücken oft jah­re­lang un­ge­patcht blei­ben, weil man der Ansicht ist sie sei nicht si­cher­heits­re­le­vant ge­nug oder durch des­sen Schliessung ei­ne lu­kra­ti­ve Einnahmenquelle der NSA ver­sie­gen könn­te, wird das bei frei­er Software bei­na­he so­fort er­le­digt, weil dort der öf­fent­li­che Druck de­rer, die den Quellcode ken­nen, ein­fach zu schnell zu groß wird.

Als Endbenutzer muss man ja auch gar nicht pro­gram­mie­ren kön­nen. Man kann si­ch näm­li­ch ge­trost auf tau­sen­de frei­wil­li­ge Coder ver­las­sen, die oft an meh­re­ren Projekten gleich­zei­tig mit­wir­ken. Dann gibt es no­ch die mil­lio­nen Strassen- und Hobbyprogrammierer, des­sen Wissen si­ch auch schon oft als hilf­reich er­wie­sen hat.

Das man auch viel Schlechtes über Open Source le­sen kann, ist doch ein gu­tes Zeichen. Denn das be­weist ja, das Open Source auch tat­säch­li­ch „Frei“ ist. Man kann ja nur über Dinge dis­ku­tie­ren, die ja auch wirk­li­ch be­kannt sind und ei­ner brei­ten Öffentlichkeit zu­gäng­li­ch sind. So konn­te das OpenSSL-Problem bis in die klein­s­te Einheit pu­blik ge­macht und da­mit recht zü­gig be­ho­ben wer­den. Wäre das bei Microsoft auch so schnell ge­gan­gen? Niemals!

Lt. Medien hat VW be­reits seit 7 Jahren sei­ne Software ma­ni­pu­liert. Hätte die­se un­ter OS ge­stan­den, wä­re dies so­fort be­kannt ge­wor­den. Es hät­ten si­ch aber auch gleich­zei­tig hun­der­te hoch­qua­li­fi­zier­te Entwickler mit ein­brin­gen kön­nen und die Manipulation wä­re vie­leicht gar nicht er­st nö­tig ge­we­sen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Möchtest Du benachrichtigt werden, wenn Dir hier jemand antwortet?