Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Basiswissen Web2.0 : Blog, Blogger, Blogosphäre

Steffen Voß

Blogs sind Websites, die als zentralen Bestandteil eine chronologische Liste von Text-Beiträgen enthalten. Sie werden typischer Weise von einer einzelnen Person betrieben und befassen sich Inhaltlich mit dem, was diese Person bewegt. Die Bezeichnung "Online-Tagebuch" ist dennoch irreführend, weil sicher die wenigsten Betreiber diesen öffentlichen Seiten ihre privatesten Geheimnisse anvertrauen.

Das Wort "Blog" ist die Kurzform von "Weblog", welches sich laut Wikipedia zusammensetzt aus engl. "World Wide Web" und "Log" für Logbuch.

Selbst wenn inzwischen viele Blogeinträge komplette Artikel sind, haben klassische Blogeinträge keine so feste Form: Oft nehmen sie ein interessantes Zitat, ein Video oder ein Bild von einer andere Website oder aus einem anderen Blog und kommentieren dieses kurz und regt dadurch zu Leserfeedback an. Jedes Blog verfügt deswegen über eine Kommentarfunktion, die auch ohne Anmeldung anonym verwendet werden kann. Darüberhinaus gibt es Möglichkeiten eigene Blogposts als Kommentare als Feedback einzureichen.

Die Blogosphäre

In der Folge entstehen internetweite Diskussionen, die in Ihrer Gesamtheit als "Blogosphäre" bezeichnet werden. In der Blogosphäre gibt es beliebte Blogs, die von vielen Lesern regelmäßig besucht und kommentiert werden. Diese Blogs nennt man A-Blogs, darunter staffeln sich die B-Blogs, C-Blogs usw. Natürlich wird nicht objektiv festgelegt, wer A und wer B ist, aber es gibt so eine Clique von Bloggern, auf die sich wohl die meisten anderen Blogger als A-Blogger einigen können.

Wer wissen will, was in der Blogosphäre – vor allem in der deutschen Blogosphäre gerade diskutiert wird, kann auf rivva.de einen guten Überblick bekommen. Da Rivva auf quantitativen Analysen basiert, herrschen hier Themen vor, die man vielleicht als "Internet-Boulevard" bezeichnen könnte: Der neuste StudiVZ-Skandal (weil niemand das StudiVZ mag, der sich ein bißchen damit kritisch beschäftigt), das neue iPhone (weil die einen es haben wollen und die andere es doof finden) und das beliebteste Thema ist: "Warum steckt die deutsche Blogosphäre in der Krise?"

Krise welche Krise?

Jaja, die deutsche Blogosphäre tut auch im Internet, wofür der Deutsche so berüchtigt ist: Jammern. Und warum? Weil kaum jemand Geld verdient mit Blogs und weil Blogger immer weniger auf die oben genannte Art diskutieren. Dabei stellt sich zum einen die Frage:

Und zum anderen:

Die A-Blogger haben ein großes Glaubwürdigkeits-Problem: Blogs leben eigentlich davon, dass die Blogger nur dann schreiben, wenn sie wirklich etwas zu sagen haben. Im Gegensatz zu anderen Medien müssen sie nicht jeden Tag 24h Programm machen oder 30 Seiten füllen – die Leser abonnieren den RSS-Feed und werden so auch dann auf neue Artikel aufmerksam, wenn nur alle 3 Wochen mal einer kommt.

Als A-Blogger, der von Werbung leben will, muss ich wie jede andere kommerzielle Internetseite jeden Tag so viele Besucher wie möglich auf die Seite bekommen. Das geht aber nicht, wenn sie nur schreiben, wenn ihnen ein interessanter Gedanke kommt. Dabei kommen dann zu viele Artikel heraus, als dass man da noch als Leser wirklich jeden Artikel liest. Und schon ist der Feed wieder abbestellt.

Für mich kommt hinzu, dass es zur Zeit out ist, politisch zu sein, oder zu Dingen eine Meinung zu haben und sie tatsächlich zu veröffentlichen. So kann man wenig gute Ruflektionen zu aktuellen Themen lesen und technisch ist Deutschland weit weg von den Innovationen, die immer noch aus den USA kommen. Während deutsche Blogs das iPhone im T-Punkt feiern, gibt es wesentlich mehr amerikanische Blogs, die viel breiter Trends im Internet aufgreifen und diskutieren. 

Ich denke nicht, dass auch nur ein deutsches A-Blog auch in den USA interessant wäre. Ich selbst abonniere deutsche Blogs von Bekannten, um zu erfahren, mit was die sich gerade beschäftigen. Und dann habe ich noch die Webkrauts abonniert, wobei ich sagen muss, dass ich dort auch schade finde, dass die so selten schreiben, wenn sie etwas bewegt und häufiger Aktionen haben, bei denen dann auch Artikel dabei sind, bei denen jemand dabei sein wollte, oder es fehlte noch einer, damit der Adventskalender voll ist.

Trotzdem denke ich, dass sich auch eine deutsche Blogosphäre entwickeln kann, die auch dauerhaft interessante Diskussionen auf hohem Niveau liefert. 

Foto: Accela

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