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Black Hat 2015: Der Internet-Traum stirbt

By: MeTaMiND EvoLuTioN MeTaVoLuTioN - CC BY-SA 2.0
By: MeTaMiND EvoLuTioN MeTaVoLuTioN - CC BY-SA 2.0

Manchmal fal­len die Teilchen im Leben zu­sam­men, wie in ei­nem Puzzle: Am Sonntag är­ge­re ich mi­ch über die halb­ga­re Diskussion im Presseclub, am Montag le­se ich die Rede der US-amerikanischen Anwältin Jennifer Granick auf der Black Hat 2015. Sie bringt auf den Punkt, was mir in mei­nem Blogpost nicht so ganz ge­lun­gen ist: In 20 Jahren könn­te das Internet vom Medium der Befreiung zum Medium der Unterdrückung ge­wor­den sein. Und das Problem ist nicht al­lein Google.

Das Problem ist nicht Google. Google ist ein Teil da­von – viel­leicht nur ein Symptom, aber das Problem ist grö­ßer. Und wenn wir nicht ra­di­kal et­was än­dern, sieht die Zukunft düs­ter aus. Ich tei­le nicht al­les, was Jennifer Granick ge­sagt hat. Einiges fin­de ich so­gar wi­der­sprüch­li­ch, aber sie führt die rich­ti­ge Diskussion. Der Presseclub hat über den Baum dis­ku­tiert und nur hin und wie­der dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es den Wald gibt und dass der das Problem ist.

Bei al­lem, was Jennifer Granick über Redefreiheit, Urheberrecht, Hacken und Basteln sagt, ge­he ich da­von aus, dass sie nichts da­ge­gen ha­ben wird, wenn ich ih­re Rede über­set­ze. Ich glau­be, die­sen Text soll­ten al­le ge­le­sen ha­ben – die Fremdsprache darf da­bei kei­ne Hürde sein:

„Vor 20 Jahren ha­be ich mei­ne er­s­te Def Con be­sucht. Ich glaub­te an das freie, of­fe­ne, ver­läss­li­che und in­ter­ope­ra­ble Internet: Einen Ort an dem al­le al­les sa­gen kön­nen und an dem al­le, die es hö­ren wol­len, zu­hö­ren und ant­wor­ten kön­nen. Ich glaub­te an die Hackerethik: Informationen soll­ten frei zu­gäng­li­ch sein und Computertechnologie wür­de die Welt ver­bes­sern. Ich woll­te hel­fen, die­sen Traum – den Traum von ei­nem frei­en Internet – wahr wer­den zu las­sen. Als Anwältin woll­te ich Hacker und Programmierer vor recht­li­chen Angriffen schüt­zen, da­mit sie ih­re wich­ti­ge Arbeit tun kön­nen. Viele der Menschen in die­sem Raum ha­ben ihr Leben die­ser Arbeit ge­wid­met.

Aber heu­te stirbt der Traum der Freiheit des Internets.

Wie auch im­mer das pas­siert ist, aber wir ha­ben Werte wie Sicherheit, Höflichkeit, Bedienungsfreundlichkeit und geis­ti­ges Eigentum über Freiheit und Offenheit ge­stellt. Das Internet ist we­ni­ger of­fen und stär­ker zen­tra­li­siert. Es ist stär­ker re­gu­liert. Und es ist ist im­mer we­ni­ger glo­bal und im­mer mehr zer­stü­ckelt. Diese Trends: Zentralisierung, Regulierung und Globalisierung be­schleu­ni­gen si­ch. Und sie wer­den die Zukunft un­se­res Kommunikationsnetzes sein, wenn si­ch nicht et­was dra­ma­ti­sch än­dert.

In 20 Jahren…

  • …wer­den wir nicht mehr un­be­dingt wis­sen was un­se­re Kreditwürdigkeit, un­se­re Jobaussichten oder die Möglichkeit be­stimmt, dass wir von ei­nem Auto über­fah­ren wer­den. Diese Dinge wer­den von da­ten­ver­ar­bei­ten­den Computer-Algorithmen ent­schie­den, die kein Mensch mehr wirk­li­ch ver­ste­hen wird.
  • …wird das Internet mehr wie Fernsehen und we­ni­ger wie das glo­ba­le Gespräch sein, das wir uns vor 20 Jahren vor­ge­stellt ha­ben.
  • …wird das Internet exis­tie­ren­de Machtverhältnisse ze­men­tie­ren, statt sie um­zu­wäl­zen – das gilt vor al­lem für den Bereich der Sicherheit.
  • …wird Internettechnologie Zensur un­ter­stüt­zen, statt sie zu um­ge­hen.

Das muss al­les nicht so kom­men. Aber um ei­nen an­de­ren Weg ein­zu­schla­gen, müs­sen wir ei­ni­ge schwie­ri­ge Fragen stel­len und har­te Entscheidungen fäl­len.

Was be­deu­tet es, wenn Unternehmen al­les über uns wis­sen und Computer-Alogrithmen Fragen von Leben und Tod ent­schei­den. Müssen wir mehr Sorgen ma­chen um ei­nem neu­en Terroranschlag in New York sor­gen oder um die Möglichkeiten von Journalisten und Menschenrechtsaktivisten in al­ler Welt ih­rer Arbeit nach­zu­ge­hen? Wie viel Redefreiheit braucht ei­ne freie Gesellschaft wirk­li­ch?

Wie kön­nen wir auf­hö­ren uns zu fürch­ten und be­gin­nen, ver­nünf­tig über Risiken zu spre­chen? Die Technologie hat si­ch in das Goldene Zeitalter der Überwachung ver­wan­delt. Kann die Technologie nun ei­ne neue Machtbalance zwi­schen Regierenden und Regierten her­stel­len, die uns vor so­zia­ler und po­li­ti­scher Unterdrückung schützt? Wenn wir da­von aus­ge­hen, dass pri­va­te Unternehmen über in­di­vi­du­el­le Rechte und Sicherheiten ent­schei­den, wie nut­zen wir die­se Erkenntnis, um die öf­fent­li­chen Interessen zu schüt­zen? Wie sor­gen wir da­für, dass Innovation so nicht un­ter­drückt wird? Wer ist ver­ant­wort­li­ch für di­gi­ta­le Sicherheit? Wie sieht die Zukunft des Traums von der Freiheit des Internets aus?

Der Traum von der Freiheit des Internets

Für mi­ch hat der Traum von der Freiheit des Internets 1984 mit Steven Levys Buch „Hackers: Heroes of the Computer Revolution“ (engl: „Hacker: Helden der Computer-Revolution“) be­gon­nen. Levy er­zähl­te die Geschichte der frü­hen Programmierer und Ingenieure, die dar­an glaub­te, dass al­le Informationen frei zu­gäng­li­ch sein soll­ten. Sie stell­ten si­ch vor, dass Computer den Menschen bei der Entscheidung hel­fen soll­ten, was rich­tig und was fal­sch ist. Diese neue Eigenverantwortung der Menschen hing vom Design-Prinzip der Dezentralisierung ab. Dezentralisierung war in die DNS des frü­hen Internets ein­ge­schrie­ben: Schlaue Entpunkte, dum­me Leitungen, die all die wun­der­ba­ren Ergüsse des mensch­li­chen Geistes über­all dort­hin brin­gen soll­ten, wo sie ge­hört wer­den woll­ten.

Diese Idee, dass wir selbst für un­se­re ei­ge­nen in­tel­lek­tu­el­len Geschicke ver­ant­wort­li­ch sind, hat mi­ch da­mals wahn­sin­nig an­ge­zo­gen. 1986 ha­be ich mi­ch am New College, ei­ner Schule für Freie Kunst in Sarasota, Florida ein­ge­schrie­ben. Dessen Motto ist es Jeder Schüler ist in letz­ter Instanz für sei­ne oder ih­re Ausbildung ver­ant­wort­li­ch.“ Im glei­chen Jahr ha­be ich das Hackermanifest ge­le­sen – ge­schrie­ben von „The Mentor“ und ver­öf­fent­licht im Phrack Magazin. Ich er­fuhr, dass Hacker Menschen wie mei­ne ner­di­gen Mitstudierenden am New College wa­ren, die das Wissen nicht ein­ge­trich­tert be­kom­men woll­ten wie Kleinkinder. Hacker woll­ten frei­en Zugang zu Information und sie miss­trau­ten Autoritäten, sie woll­ten die Welt ver­än­dern – hin zu ei­ner, die  die Menschen auf ei­ge­ne Faust er­kun­den kön­nen.

1991 ha­be ich das er­s­te mal das öf­fent­li­che Internet be­nutzt. Ich er­in­ne­re mi­ch, dass ich in ei­nem Chat ei­nen Administrator um Hilfe bat. Und dann konn­te ich se­hen wie die Buchstaben, die er schrieb ei­ner nach dem an­de­ren auf mei­nem Bildschirm er­schie­nen und es war plötz­li­ch son­nen­klar: Diese Technologie er­mög­lich­te es mir mit je­man­den – mit al­len in Echtzeit zu kom­mu­ni­zie­ren. In die­sem Moment be­gann ich wirk­li­ch dar­an zu glau­ben, dass der Traum von der Freiheit des Internets ei­nes Tages wahr wer­den wür­de.

Vor 20 Jahren war ich Strafverteidigerin und ich er­fuhr, dass Hacker für Tricks Ärger be­ka­men, die ich ei­gent­li­ch ganz cool fand. Als Gefängnisanwältin beim Sheriffs Department in San Francisco ha­be ich ei­nen Typen ver­tre­ten, dem 6 Monate Gefängnis da­für droh­ten, dass er ei­ne Telefonzelle über­lis­tet und da­durch kos­ten­los nach Hause te­le­fo­niert hat. Bei mei­nen Recherchen für die­sen Fall fand ich her­aus, dass es vie­le Gesetze gibt, mit de­nen Hacker in Konflikt ge­ra­ten könn­ten und dass ich hier hel­fen könn­te.

In je­nem Jahr schrieb ein Typ na­mens Marty Rimm ei­ne „Studie“, die be­sag­te, dass Pornografie im Internet aus dem Ruder lie­fe. Ein ju­ris­ti­sches Fachmagazin ver­öf­fent­lich­te die Arbeit und das Time Magazine be­warb sie. Mehr brauch­te es nicht, um den Kongress in Aufruhr zu ver­set­zen. In die­ser Cyberporno-Hysterie ver­ab­schie­de­te der Kongress den „Communication Decency Act“ von 1996 (CDA) (et­wa: „Gesetz über Anstand in der Kommunikation“) und ver­such­te da­mit Online-Pornografie zu re­gu­lie­ren.

Auch wenn es all die Porno-Liebhaber un­ter eu­ch ent­täu­schen wird – das war nicht das Schlimmste am CDA. Um Pornografie zu stop­pen, mus­s­te die Regierung ei­ne Haltung zum Internet ein­neh­men, die nicht voll­stän­dig ver­fas­sungs­kon­form war. Dadurch hät­te die Regierung al­le mög­li­chen Inhalte sper­ren las­sen kön­nen. Sie war der Meinung, das Internet sei kei­ne Bibliothek, son­dern wie Fernsehen – und Fernsehen war 1985 echt schlecht.

Schlimmer war das, weil wir uns viel mehr er­hofft für das Internet er­hofft hat­ten. Das Internet war der Ort wo al­le ver­öf­fent­li­chen und Dinge schaf­fen kön­nen. Das Internet war welt­um­span­nend. Und das Internet hat­te al­les in sei­nen Regalen. Der Kongress ver­schleu­der­te die­ses Versprechen.

Zu je­ner Zeit schrieb John Perry Barlow, Texter der Band Grateful Dead, Landwirt und Gründer der Electronic Frontier Foundation ei­nen Text der im Kern ei­ne Ode an das Internet ist. Barlow schrieb:

„Regierungen der in­dus­tri­el­len Welt, Ihr mü­den Giganten aus Fleisch und Stahl, ich kom­me aus dem Cyberspace, der neu­en Heimat des Geistes. Im Namen der Zukunft bit­te ich Euch, Vertreter ei­ner ver­gan­ge­nen Zeit: Laßt uns in Ruhe! Ihr seid bei uns nicht will­kom­men. Wo wir uns ver­sam­meln, be­sitzt Ihr kei­ne Macht mehr. „

Barlow re­agier­te da­mit auf den CDA und die Behauptung, dass das Internet we­ni­ger frei sein soll­te als Bücher und Magazine. Aber er drück­te da­mit auch sein Bedauern dar­über aus, dass al­les wie im­mer blei­ben soll­te. Er sprach von un­se­rer ge­mein­sa­men Hoffnung, dass das Internet un­ser Platz zum Lesen, zum Versammeln und un­se­re Gedanken au­ßer­halb der Kontrolle der Regierung sein soll­te.

Marty Rimm und der Communication Decency Act konn­ten die Freiheit des Internets nicht tot krie­gen. Stattdessen gab es ei­ne die­ser Launen des Schicksals, die wir Rechtsgelehrten „Ironie“ nen­nen. 1997 kipp­te das Oberste Bundesgericht im Fall „ACLU ge­gen Reno“ den CDA. Es war der Auffassung, dass der er­s­te Verfassungszusatz über die Redefreiheit auch auf das Internet voll an­wend­bar ist.

Was vom CDA üb­rig blieb war in et­wa das Gegenteil des­sen, was der Kongress im Sinn hat­te, um Pornografie im Internet zu be­kämp­fen: Internet-Provider sind nicht ver­pflich­tet ih­re Netzwerke auf Pornografie oder an­de­re un­er­wünsch­te Inhalte über­wa­chen und sie kön­nen da­für auch kei­nen Ärger be­kom­men, wenn sie es nicht tun. Diese Vorschrift aus dem CDA ist die Grundlage da­für, dass es im Internet so viel „Nutzergenerierte Inhalte“ gibt: Seien es Videos, Kommentare, Beiträge in Sozialen Netzwerken – oder was auch im­mer.

Hackerethik, Hackermanifest, die Unabhängigkeitserklärung des Internets, ACLU ge­gen Reno und so­gar die Reste des CDA be­schrei­ben zu­sam­men ei­nen mehr oder min­der ra­di­ka­len Traum, aber ei­nen an den vie­le, wenn nicht die meis­n­ten hier im Saal glau­ben – für den sie ar­bei­ten. Heute aber ste­he ich hier vor eu­ch, dass die­ser Traum nicht wahr wird. Stattdessen sieht die Zukunft in 20 Jahren ein gu­tes Stück we­ni­ger traum­haft aus – es sieht so aus als wür­de es schlim­mer.

Rassismus und Sexismus ha­ben si­ch als so un­ver­wüst­li­ch her­aus­ge­stellt, dass sie auch in der di­gi­ta­len Welt blü­hen. Dafür gibt es vie­le, vie­le Beispiel. Ich ha­be da­für ei­ni­ge Statistiken und Anekdoten als Beleg.

Statistisch: Bei Google ar­bei­ten zu 30 Prozent Frauen, aber nur 17 Prozent in den IT-Jobs. Bei Facebook sind es nur 15 Prozent Frauen in den IT-Jobs und bei Twitter 10 Prozent.

Anekdotisch: Schaut eu­ch mal im Publikum um – wie durch­weg männ­li­ch und weiß die Branche ist.

Das ist so selt­sam. Die Sicherheitsbranche hat es in der Vergangenheit im­mer wie­der er­folg­reich ge­schafft, Talente bei un­kon­ven­tio­nel­len Kandidaten zu fin­den, zu för­dern und zu be­loh­nen. Viele er­folg­rei­che Sicherheits-Experten sind nie­mals auf ei­ner Universität ge­we­sen oder ha­ben auch nur ir­gend­ei­ne Art Abschluss. Eine über­gro­ße Anzahl von Euch ha­ben Formen von Autismus. Schwul zu sein oder trans­gen­der ist kein gro­ßes Ding und das schon lan­ge nicht mehr. Ein 15-jähriger Aaron Swartz ver­brach­te viel Zeit mit Doug Engelbart, dem Erfinder der Computer-Maus. Inklusion ist Kernbestandteil der Hackerethik.

Und Frauen und Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe sol­len na­tür­li­ch Hacker sein kön­nen. Wir ler­nen schon früh, dass die be­stehen­den Regeln für uns nicht funk­tio­nie­ren und das für sie ver­än­dern müs­sen, um er­folg­reich zu sein, auch wenn an­de­re uns das nicht gön­nen.

Unsere Gemeinschaft soll­te vor­an­ge­hen bei ei­ner of­fe­nen Gesellschaft, die kei­ne Rassen, Klassen, Alters- oder re­li­giö­se Unterschiede kennt. Aber sie tut es nicht. Wir soll­ten be­wusst ver­su­chen bes­ser dar­in zu wer­den. Meiner Meinung nach soll­ten wir es uns zu Aufgabe ma­chen, Talente zu för­dern, egal wo wir sie fin­den.

Zurzeit sind un­se­rer Möglichkeiten, Technologie zu ver­ste­hen, zu ver­än­dern und ihr zu ver­trau­en be­schränkt ei­ner­seits durch das Recht und an­de­rer­seits durch un­se­rer Fähigkeiten kom­ple­xe Systeme zu ver­ste­hen. Wir wol­len die Dinge buch­stäb­li­ch be­grei­fen. Doch die­se Möglichkeit ist be­droht. „Die Freiheit zu Basteln“ mag nach Hobby klin­gen, aber sie ist ex­trem wich­tig. Dahinter steckt un­se­re Möglichkeit die Technologie, die wir be­nut­zen – die un­ser Leben struk­tu­riert und be­stimmt, zu stu­die­ren, zu ver­än­dern und letzt­li­ch zu ver­ste­hen.

Diese Möglichkeit stirbt aus zwei Gründen. Wir wer­den be­schränkt durch das Recht und un­ser Vermögen kom­ple­xe Systeme zu durch­schau­en.

Zum Recht: Zwei Beispiele. Vor ge­n­au zehn Jahren hat das Team der Black Hat Konferenz die ge­sam­te Nacht da­mit ver­bracht, Seiten aus dem Teilnehmerbuch zu schnei­den und neue CDs in die Konferenzbeutel zu le­gen. Der Sicherheits-Experte Mike Lynn soll­te ei­nen Vortrag hal­ten über ei­ne neue Art Sicherheitslücke – ge­nau­er ge­sagt über Schwachstellen in Internetroutern. Cisco und Mike Lynns Arbeitgeber ISS ent­schie­den in letz­ter Sekunde, zu ver­su­chen die Sicherheitslücke ge­heim zu hal­ten und sie wie­sen Mike an, ei­nen an­de­ren Vortrag zu hal­ten. Darüberhinaus droh­ten sie mit dem Urheberrecht und for­der­ten die Black Hat auf, al­le Kopien von Mikes Vortrag zu ver­nich­ten. Nichts schreit mehr nach Zensur als wenn Seiten aus Büchern ge­schnit­ten wer­den.

Auf der Bühne am nächs­ten Tag kün­dig­te Mike sei­nen Job, setz­te ei­ne wei­ße Baseballmütze auf – buch­stäb­li­ch ein „White Hat“ – und prä­sen­tier­te un­um­wun­den sei­ne ur­spüng­li­chen Erkenntnisse. Cisco und ISS räch­ten si­ch, in­dem sie ihn ver­klag­ten.

Ich war Mikes Anwältin. Wir schaff­ten es, den Fall und die Ermittlungen ge­gen ihn ab­zu­weh­ren. Aber die Botschaft, die von die­ser Klage aus­gibt war laut und deut­li­ch – nicht nur für Mike. Das ist un­se­re Software, nicht eu­re. Das ist un­ser Router, nicht eu­rer. Ihr habt nur ei­ne Nutzungslizenz und wir sa­gen eu­ch mit den Nutzungsbedingungen, was ihr tun dürft. Ihr dürft es nicht de­kom­pli­lie­ren, ihr dürft es nicht er­for­schen und ihr dürft nie­man­dem sa­gen, was ihr her­aus­fin­det.

Aaron Swartz war der nächs­te, der auf dem Altar der Netzkontrolle ge­op­fert wur­de. Aaron wur­de Computerkriminalität nach dem „Computer Fraud and Abuse Act“ (CFAA) (et­wa „Computerbetrugs- und miss­brauchs­ge­setz“) vor­ge­wor­fen, weil er ein Skript ge­schrie­ben hat­te, das au­to­ma­ti­sch aka­de­mi­sche Artikel her­un­ter­lud. Viele der Informationen wa­ren nicht ein­mal ur­he­ber­recht­li­ch ge­schützt. Aber Aaron war ein Hacker und er for­der­te das System her­aus. Sie schlu­gen blu­tig zu­rück. Sein Fall bau­te dar­auf auf, dass Aaron nicht be­fugt war, auf die Journalartikel zu­zu­grei­fen, ob­wohl er als Harvardstudent be­rech­tigt war, ge­n­au die­se Artikel her­un­ter­zu­la­den.

Aaron hat si­ch um­ge­bracht, weil er un­ter im­men­sen Druck ge­setzt wur­de, si­ch ent­we­der schul­dig zu be­ken­nen, was sei­ne po­li­ti­sche Karriere be­en­det hät­te, oder für Jahre ins Gefängnis zu ge­hen.

Auch hier war die Botschaft deut­li­ch: Ihr braucht un­se­re Erlaubnis für das, was ihr tut. Wenn ihr die Linie über­schrei­tet, wenn ihr Dinge au­to­ma­ti­siert, wenn ihr zu schnell her­un­ter­la­det, wenn ihr et­was merk­wür­di­ges in die Adresszeile ein­gebt und uns das nicht ge­fällt, oder ihr uns nicht ge­fallt, dann krie­gen wir eu­ch.

Werden wir es in Zukunft wie­der schaf­fen, die Freiheit Basteln zu kön­nen, si­cher zu ma­chen? Das wür­de be­deu­ten, dass der Kongress dar­auf ver­zich­tet im­mer här­ter ge­gen Cybercrime vor­zu­ge­hen – je­des Jahr neue Anträge Vergehen ge­gen den CFAA  mit län­ge­ren Gefängnisstrafen zu be­stra­fen, als lie­ßen si­ch die ver­mut­li­chen Drahtzieher der meis­ten gro­ßen Angriffe der letz­ten zwei, drei Jahre – China, Nord-Korea und was-weiß-ich-wer von so et­was ab­schre­cken las­sen. Diese Anträge schüch­tern nur die Guten ein, sie hal­ten nicht die­se Angreifer auf.

Wir müs­sen er­klä­ren, dass den Nutzer die Software ge­hört und dass sie sie ver­än­dern dür­fen, die wir kau­fen und her­un­ter­la­den – trotz der Softwarelizenzen und dem Digital Millennium Copyright Act (DMAA) (Urheberrechtsgesetz).

Das wird im­mer wich­ti­ger wer­den. In den nächs­ten 20 Jahren wird Software über­all sein – vom Kühlschrank bis hin zu me­di­zi­ni­schen Geräten.

Ohne die Freiheit bas­teln zu dür­fen, dem Recht die­se Geräte aus­ein­an­der zu neh­men und zu ver­ste­hen, wer­den wir in ei­ner Welt un­durch­sich­ti­ger. schwar­zer Kästen („Black Box“) le­ben. Wir wis­sen nicht, was sie tun und wir wer­den be­straft, wenn wir ver­su­chen es her­aus­zu­fin­den.

Lizenzen und Gesetze, die hel­fen sol­len die Geheimnisse un­se­rer Produkte zu wah­ren, sind nur ein Grund, war­um wir in Zukunft we­sent­li­ch we­ni­ger über die Welt, die uns um­gibt wis­sen wer­den als heu­te.

Heute ge­ne­riert Technologie mehr Informationen über uns als je­mals zu­vor und sie wird im­mer mehr sam­meln und al­les ver­zeich­nen, was wir tun. Das ver­än­dert das Kräfteverhältnis zwi­schen uns, den Unternehmen und den Regierungen. Innerhalb der nächs­ten 20 Jahren wer­den wir er­staun­li­che Fortschritte bei künst­li­cher Intelligenz und ler­nen­den Maschinen se­hen. Software wird ent­schei­den, ob Menschen über­fah­ren wer­den oder ob das Auto von der Brücke fällt. Software wird ent­schei­den, ob wir Kredite oder ei­nen Job be­kom­men. Wenn das Urheberrecht die­se Programme vor ernst­haf­ter Wissenschaft schützt, dann wird die Öffentlichkeit nie er­fah­ren, wie die­se Entscheidungen ge­trof­fen wer­den. Professor Frank Pasquale nennt das die Black-Box-Gesellschaft. Man neh­men Geheimhaltung, Gewinnstreben, ge­be Millionen Daten da­zu und schüt­te­le.

Wie kön­nen wir in der Black-Box-Gesellschaft si­cher­stel­len, dass das im Sinne der Allgemeinheit aus­geht? Der er­s­te Schritt ist ganz of­fen­sicht­li­ch Transparenz, aber un­se­rer Möglichkeiten wer­den be­schränkt durch die ak­tu­el­le Gesetzeslage und un­se­re mensch­li­che Intelligenz. Und die Unternehmen, die die­se Produkte her­stel­len wis­sen auch nicht not­wen­di­ger­wei­se, wie ih­re Produkte funk­tio­nie­ren. Ohne an­ge­mes­se­ne Informationen – wie kön­nen wir die­se Entscheidungen de­mo­kra­ti­sch be­ein­flus­sen oder über­wa­chen? Wir wer­den ler­nen müs­sen, in ei­ner Gesellschaft zu le­ben, die we­ni­ger ge­recht und we­ni­ger frei ist.

Wir müs­sen auch her­aus­fin­den, wer ver­ant­wort­li­ch ist, wenn Software Fehler macht.

Bislang gibt es nur we­nig Regulierung von Softwaresicherheit. Ja, die Kartellbehörde greift ein, wenn Hersteller fal­sche Versprechungen be­züg­li­ch der Software ma­chen. Aber das muss si­ch än­dern. Die Leute ha­ben kei­nen Bock mehr auf schlech­te Software. Und sie wol­len es nicht län­ger hin­neh­men. Mit der Verbreitung von ver­netz­ten Geräten – dem Internet der Dinge – wer­den all die Hersteller und die Händler nor­ma­ler­wei­se der Produkthaftung un­ter­wor­fen. Wenn ein selbst­fah­ren­des Auto ei­nen Unfall baut oder ein ver­netz­ter Toaster in Flammen auf­geht, dann wird da­für je­mand haf­ten – je­de Wette. Chrysler ruft ge­ra­de 1,4 Millionen Autos zu­rück, we­gen der Schwachstellen, die Charlie Miller und Chris Valasek heu­te no­ch be­rich­ten wer­den. Es ist nur ein klei­ner Schrift von ei­ner Klage ge­gen Tesla zu ei­ner Klage ge­gen Oracle we­gen un­si­che­rer Software… mit all dem Guten und Schlechten, das dar­aus folgt.

Ich glau­be, Softwarehaftung ist un­ver­meid­li­ch. Ich den­ke, sie ist not­wen­dig. I den­ke, das wird Programmieren teu­rer und kon­ser­va­ti­ver ma­chen. I den­ke, wir wer­den das lan­ge Zeit nicht gut hin­be­kom­men. Ich weiß nicht, wor­auf das hin­aus­läuft. Aber ich weiß, dass das die Neulinge här­ter trifft als die Etablierten.

Heute se­hen das phy­si­ka­li­sche Design und die Geschäftsmodelle die die Kommunikationsnetze fi­nan­zie­ren so aus, dass sie Zensur und Kontrolle eher ver­stär­ken als be­kämp­fen. Aber be­vor ich mi­ch ein­ge­hen­der mit Fragen der Privatheit, der Sicherheit und der Meinungsfreiheit aus­ein­an­der­set­ze, lasst uns ei­nen Schritt zu­rück ma­chen und uns fra­gen wie es so weit kom­men konn­te.

Das Design des frü­hen Internets war Ende-zu-Ende. Die Leitungen wa­ren dumm und ha­ben al­les trans­por­tiert, die Enden wa­ren smart. Hier setz­ten Applikationen an. Hier fand die Innovation statt. Dieses Design war ge­wollt. Das Internet soll­te nicht nur Kommunikation er­mög­li­chen. Es soll­te das in ei­ner de­zen­tra­len, ra­di­kal de­mo­kra­ti­schen Art tun. Alle Macht dem Volk und nicht den Regierungen und den Unternehmen, die die Leitungen be­trie­ben.

Das Internet hat si­ch wei­ter­ent­wi­ckelt, wie das bei Technologie so üb­li­ch ist. Heute wol­len die Breitband-Anbieter smar­te Leitungen, die un­ter­schei­den nach Dienstqualität, ge­buch­tem Tarif und an­de­ren neu­en Geschäftsmodellen. Hunderte Millionen Menschen wi­ckeln ih­re so­zia­len Interaktionen über nur ei­ne Hand voll Plattformen wie TenCent oder Facebook ab.

War be­deu­tet die­se Veränderung für die Öffentlichkeit? In sei­nem Buch „The Master-Switch“ (et­wa „Der Hauptschalter“) schaut si­ch Professor Tim Wu Telefone, Radio, Fernsehen und Filme an. Er er­kennt dort ei­nen Zyklus.

Die Geschichte zeigt ei­ne ty­pi­sche Entwicklung bei Informationstechnologie, vom Nischen-Hobby zur Industrie-Branche; vom zu­sam­men­gefri­ckel­ten Ungetüm zum durch­de­sign­ten Wunderding; vom frei zu­gäng­li­chen Kanal zu ei­nem Kanal, der streng von ei­nem Unternehmen oder ei­nem Kartell kon­trol­liert wird – vom of­fe­nen zum ge­schlos­se­nen System.

Irgendwann zer­schla­gen fin­di­ge Geister die­ses ge­schlos­se­ne System und der Zyklus be­ginnt von vor­ne. In sei­nem Buch fragt Tim die Frage, die ich eu­ch stel­len möch­te: Ist auch das Internet die­sem Zyklus un­ter­wor­fen? Wird es zen­tra­li­siert und von Unternehmen kon­trol­liert? Wird es frei zu­gäng­li­ch, ein ge­schlos­se­nes System oder ir­gend­et­was da­zwi­schen?

Wenn wir nichts än­dern, wird das Internet das Schicksal des Fernsehens er­lei­den.

Eingangs sag­te ich, dass wir Offenheit und Freiheit ver­nach­läs­sigt ha­ben für an­de­re Interessen wie zum Beispiel geis­ti­ges Eigentum, und da­bei blei­be ich.

Aber es ist auch wahr dass vie­le Menschen den Traum von der Freiheit des Internets nicht mehr tei­len, wenn sie es denn je ta­ten. Stattdessen ist der Traum vom frei­en Internet mit der häss­li­chen Seite zu­sam­men­ge­kracht. Mit die­sen Leuten, mit den ge­häs­si­gen Kommentaren, de­nen auf 4chan, bei /b/tards, ih­ren Rachepornos, bei den Dschihadisten und Nazis. Zunehmend hö­re ich Juraprofessoren, Experten für Bürgerrechte, für die Verhältnismäßigkeit und Abschreckungseffekte, da­von spre­chen, die­se Dinge weg­zu­re­gu­lie­ren.

Dann ha­be ich von den drei Trends ge­spro­chen: Zentralisierung, Regulierung und Globalisierung.

  • Zentralisierung be­deu­tet bil­li­ge und ein­fa­che Ansatzpunkte für Kontrolle und Überwachung.
  • Regulierung be­deu­tet den Vorrang na­tio­na­ler Gesetzgebung und hei­mi­scher Interessen. Dazu be­kom­men Organisationen mit wirt­schaft­li­chen Gewicht Einfluss auf den Gesetzgeber.
  • Globalisierung be­deu­tet, dass im­mer mehr Regierungen bei der Regulierung des Internets mit­mi­schen. Sie wol­len ih­re Bevölkerung schüt­zen und kon­trol­lie­ren. Und ihr dürft nicht ver­ges­sen, dass die nächs­te Milliarde Menschen im Internet nicht aus Ländern mit un­se­ren Bürgerrechten kom­men, viel­leicht kom­men sie nicht ein­mal aus Rechtsstaaten. Diese Regulierungen wer­den al­so nicht un­be­dingt un­se­ren Standards ent­spre­chen.

Wenn ich nun sa­ge, dass das Internet im­mer mehr von Unternehmen kon­trol­liert wird, klingt es als wür­de ich das den Unternehmen vor­wer­fen. Wenn ich sa­ge, dass das Internet ge­schlos­se­ner wird, weil die Regierungen im Netz das Recht durch­set­zen, klingt es als wür­de ich das der Polizei vor­wer­fen. Das tue ich. Aber ich wer­fen das auch Euch vor. Und mir. Weil die Dinge, die wir wol­len, die Zentralisierung, Regulierung und Globalisierung vor­an­trei­ben.

Erinnert ihr eu­ch an Blogs? Wer bloggt hier no­ch re­gel­mä­ßig? Ich hat­te ein Blog, aber jetzt pos­te ich auf Facebook. Eine Menge Leute hier bei der Black Hat be­trei­ben ih­ren ei­ge­nen E-Mail-Server, al­le an­de­ren aber nut­zen GMail. Wir mö­gen den Spamfilter und den Virenscanner. Als ich ein iPho­ne hat­te ha­be ich das nicht ge­jail­bre­akt. Ich ver­trau­te den ge­tes­te­ten Apps im Apple-Store. Wenn ich Apps in­stal­lie­re, kli­cke ich „Ja“ bei den Zugriffsrechten. Ich lie­be es wenn mein Telefon weiß, in wel­chen Laden ich ge­ra­de bin und mi­ch dar­an er­in­nert Milch zu kau­fen.

Das pas­siert zu ei­nem nicht ge­rin­gen Anteil des­we­gen, weil wir die gan­zen coo­len Produkte in der Cloud („Wolke“) wol­len. Diese Cloud aber ist nicht un­kennt­li­ch aus ei­ner Ansammlung von Milliarden Wassertröpfchen zu­sam­men­ge­setzt. Diese Cloud be­steht aus ei­ner be­grenz­ten und be­kann­ten Anzahl Konzerne, die so Zugriff und Kontrolle über gro­ße Teile des Internets ha­ben. Level3 ist zu­stän­dig für die Glasfaserkabel, Amazon für die Server, Akamai für die Verteilung der Inhalte, Facebook als Werbenetzwerk, Google für Android und die Suchmaschine. Das ist eher ein Oligopol als ei­ne Wolke. Und be­wusst oder nicht, sind die­se Produkte Hauptansatzpunkte für Kontrolle, Überwachung und Regulierung.

Wenn wir das wei­ter­den­ken, was be­deu­tet das für Privatsphäre, Sicherheit und Meinungsfreiheit? Was wird vom Traum vom frei­en Internet üb­rig­blei­ben?

Privatsphäre

Das er­s­te Opfer der Zentralisierung war die Privatsphäre. Da die Privatsphäre aber es­sen­ti­el­ler Teil von Freiheit ist, wer­den wir in Zukunft we­ni­ger frei sein.

Wir be­fin­den uns im Golden Zeitalter der Überwachung. Heute ge­ne­riert die Technologie mehr Informationen über uns als je zu­vor und es wird im­mer mehr. Alles was wir tun wird ver­mes­sen. Das ver­än­dert das Kräfteverhältnis zwi­schen uns, den Unternehmen und den Regierungen. Die Regierung hat ei­ne tech­no­lo­gi­sche Infrastruktur und die Gesetzesgrundlage für Massenüberwachung ge­schaf­fen – fast un­be­merkt.

Ein Rätsel: Was ha­ben E-Mails, Freundeslisten, Festplattenbackups, Beiträge in Sozialen Netzwerken, die Browser-Historie, eu­re Krankenakten, eu­re Bankkonten, eu­re Gesichtsmerkmale, eu­re Stimmkennung, eu­er Fahrverhalten und eu­re DNA ge­mein­sam?

Die Antwort: Das US-Justizministerium meint, dass all das nicht pri­vat ist. Weil die Daten bei ei­nem Dienstleister lie­gen oder öf­fent­li­ch sind, sol­len sie frei zu­gäng­li­ch für Ermittler und Spione sein.

Und den­no­ch. Richterin Sonia Sotomayor sag­te sinn­ge­mäß, dass die­se Daten eu­re Kontakte zu Psychatern, Schönheitschirugen, Abtreibungskliniken, der AIDS-Klinik, dem Strip-Club, dem Strafverteidiger, dem Stundenhotel, dem Gewerkschaftstreffen, der Moschee, Synagoge oder Kirche oder Schwulenbar of­fen­ba­ren.

Die Technologie ver­brei­te­te Daten im­mer wei­ter und das Recht ver­sagt dar­in sie zu schüt­zen. Glaubt es oder nicht, ob­wohl wir kom­mer­zi­el­le E-Mails seit lan­gem ha­ben, gibt es nur ein Gericht, dass bis­her ei­ne Frage der Privatheit von E-Mails ent­schie­den hat. Das war im Fall USA ge­gen Warshak. Dieses Gericht hat ent­schie­den, dass die Menschen ei­ne be­grün­de­te Erwartung an die Privatheit ih­rer Mails ha­ben. Deswegen sind E-Mails vom Post- und Fernmeldegeheimnis ge­schützt und die Regierung braucht ei­nen Richterentscheid. Diese Entscheidung be­trifft aber nur ei­nen Teil un­se­res Landes: Kentucky, Tennessee, Michigan und Ohio. Deswegen ver­lan­gen die meis­ten Dienstleister ei­ne Art Ermächtigung, be­vor sie eu­re E-Mails an die Ermittler über­gibt. Öffentlich und im ge­hei­men aber übt das Justizministerium Druck auf die­se Entscheidung aus.

Ich möch­te trotz­dem no­ch ein­mal be­to­nen, wie wich­tig die­se Entscheidung ist, denn ich be­fürch­te, dass vie­le Menschen nicht ganz ver­ste­hen, was ei­ne be­grün­de­te Erwartung an die Privatheit ih­rer E-Mails und die Erfordernis ei­ner rich­ter­li­chen Ermächtigung be­deu­tet. Das be­deu­tet, dass ein Richter den Zugriff kon­trol­liert. Es muss ei­nen trif­ti­gen Grund ge­ben für ei­ne Durchsuchung und Beschlagnahmung – das kann nicht will­kür­li­ch ge­sche­hen. Das be­deu­tet auch, dass der Zugriff ge­zielt sein muss, weil so ei­ne Befugnis ge­n­au be­schrei­ben muss, was durch­sucht wer­den soll. Die Notwendigkeit ei­ner Befugnis be­schränkt nicht nur will­kür­li­che Polizeiaktionen, sie soll­te auch Massenüberwachung be­schrän­ken.

Ohne aber den Schutz der Privatsphäre – vor­an­ge­trie­ben von un­se­rer ei­ge­nen Regierung – kann das Recht un­se­re Daten nicht vor will­kür­li­cher, an­lass­lo­ser Massenüberwachung schüt­zen, auch wenn die Datenerhebung au­ßer Kontrolle ge­rät.

Zentralisierung be­deu­tet, dass eu­re Informationen im­mer häu­fi­ger in der Cloud zu fin­den sind, ein ein­fa­cher Ansatzpunkt, um nicht nur Daten über eu­ch, son­dern auch al­le an­de­ren zu be­kom­men. Und es spielt der Regierungsauslegung des Post- und Fernmeldegeheimnisses in die Hände.

Regulierung schützt eu­re Daten nicht und im schlimms­ten Fall si­chert si­ch die Regierung so­gar no­ch den Zugriff dar­auf. Das Justizministerium drängt auf:

  • Unterstützungsvorschriften für Provider, da­mit sie beim spio­nie­ren hel­fen müs­sen.
  • Immunität für Unternehmen, die Daten an die Regierung wei­ter­ge­ben. Wie zum Beispiel im Fall von AT&T, die der NSA bei der il­le­ga­len in­län­di­schen Spionage ge­hol­fen ha­ben.
  • Und nicht so sehr in den USA aber in an­de­ren Ländern Verpflichtungen zur Vorratsdatenspeicherung, die im Prinzip das staat­li­che Ausspähen der Bürger an die Unternehmen aus­la­gern.

Die Globalisierung hilft den USA aber auch, Amerikaner aus­zu­spä­hen – sie spio­nie­ren die Ausländer aus, mit de­nen wir ver­keh­ren. Unsere Regierung nutzt die Tatsache, dass wir über ein glo­ba­les Netzwerk ver­fü­gen ge­gen uns. Die NSA forscht mas­siv Daten in Übersee aus. Ins Netz ge­hen da­bei auch Amerikaner. Und weil die NSA dar­auf be­steht, dass Bürgerrechte nicht für Ausländer gel­ten, ist es nur ein klei­ner Schritt da­hin, dass die Bürgerrechte auch nicht für eu­ch gel­ten, wenn ihr mit Ausländern sprecht.

Die Überwachung könn­te gar nicht mehr schlim­mer wer­den – in 20 Jahren könn­te sie es aber sein. Wir ha­ben dann ver­netz­te Geräte und das so­ge­nann­te Internet der Dinge. Diese Geräte über­wa­chen wie wir hei­zen, wel­che Speisen wir aus dem Kühlschrank neh­men, wie wir trai­nie­ren, sie über­wa­chen un­se­ren Schlaf, un­se­ren Herzschlag und no­ch viel mehr. Diese Dinge di­gi­ta­li­sie­ren un­ser phy­si­sches Offline-Leben ver­net­zen es und ma­chen es in an­de­ren Worten über­wach­bar.

Wenn wir ir­gend­was von un­se­rem Traum des frei­en Internets ret­ten wol­len, müs­sen wir recht­li­che Schranken auf­bau­en, die an­lass­lo­se Überwachung ver­bie­ten. Wir müs­sen E-Mails und un­se­ren per­sön­li­chen Standort schüt­zen vor un­be­fug­ter Durchsuchung. Wir müs­sen auf­hö­ren das biss­chen Datenschutz, das wir ha­ben ge­gen ver­meint­li­che Online-Sicherheit ein­zu­tau­schen. Wir müs­sen die Überwachungsgesetze schon des­we­gen ab­leh­nen, weil Geheimrecht ei­ne Deformierung der Demokratie ist.

Werden wir all die­se Dinge tun?

Sicherheit

Auch wenn es oft an­ders klingt – Sicherheit und Datenschutz wi­der­spre­chen ein­an­der nicht. Man kann die Sicherheit er­hö­hen oh­ne in die Privatsphäre ein­zu­drin­gen – zum Beispiel da­durch, dass Cockpit-Türen ab­ge­schlos­sen wer­den. Und nicht je­des Eindringen in die Privatsphäre för­dert die Sicherheit. Im Gegenteil: Datenschutz er­höht die Sicherheit. Ein Menschenrechtler in Syrien oder ein ho­mo­se­xu­el­ler Mensch in Indien braucht die­sen Schutz – oder er wird um­ge­bracht.

Wir soll­ten statt­des­sen dif­fe­ren­zie­ren beim Thema Sicherheit. Die Gefahren im Internet sind un­ter­schied­li­che, je nach­dem wes­sen Interessen be­trof­fen sind: Regierungen, Firmen, po­li­ti­sche Organisationen, Individuen. Ob et­was si­cher ist, hängt da­von ab, um wes­sen Sicherheit man si­ch küm­mert. In an­de­ren Worten liegt die Sicherheit im Auge des Betrachters. dar­über hin­aus ist Sicherheit kein Nullsummenspiel: Wir spre­chen hier von ei­nem welt­um­span­nen­den Informationsnetzwerk in dem Fortschritte in der Sicherheit al­len et­was bringt, so wie Schwachstellen al­len scha­den.

Auf dem Schlachtfeld der Zukunft kämp­fen die Mächtigen um Sicherheit auf Kosten der an­de­ren. Die US-Regierung spricht von „Cyber“-Sicherheit. Wenn ich „Cyber“ hö­re, dann klingt das für mi­ch nach ei­ner Abkürzung für die Dominanz im Internet. Oder wie es General Michael Hayden ein­mal for­mu­liert hat: Die USA wol­len si­cher­stel­len, dass sie zu al­lem Zugang ha­ben und ih­re Feinde nicht. Sicherheit für mi­ch, aber nicht für mei­nen Nächsten. Klingt das nach ei­nem of­fe­nen, frei­en, ro­bus­ten, welt­wei­ten Internet?

Ein an­de­res Beispiel: Unsere Regierung will schwa­che Verschlüsselung, Hintertüren in weit ver­brei­te­ten Diensten und Geräten, so dass sie uns über­wa­chen kann (oh­ne rich­ter­li­che Befugnis, klar). Es küm­mert sie nicht, dass die­se Hintertüren auch von Kriminellen und Unrechtsregimen ge­nutzt wer­den. Gleichzeitig hält sie al­len über­mä­ßig ge­heim,  be­treibt ge­hei­me Rechtsprechung, hält Information vor Informationsfreiheitsanfragen zu­rück, jagt Whistleblower und spio­niert Journalisten aus.

Oder no­ch ein Beispiel: Das Weiße Haus drängt dar­auf, dass die Heimatschutzministerium der zen­tra­le Anlaufpunkt für Sicherheitswarnungen wird. Da be­deu­tet, dass die Heimatschutzministerium ent­schei­det, wer über Schwachstellen in­for­miert wird… und wer nicht.

Die Regierung und ih­re Elite ent­schei­det wer Sicherheit ha­ben darf und wer nicht. Das be­deu­tet, dass Sicherheit die Sicherheit der be­reits Mächtigen wird.

So ma­chen wir das glo­ba­le Netzwerk nicht si­cher. Auf dem Spiel steht das Wohlergehen von schwa­chen Bevölkerungsteilen und Minderheiten, die Sicherheit am meis­ten brau­chen. Auf dem Spiel steht das grund­le­gen­de Recht der Menschen, si­ch an ih­re Regierung zu wen­den. Auf dem Spiel steht die Möglichkeit von re­li­giö­sen Minderheiten ih­rem Glauben oh­ne Angst vor Unterdrückung nach­zu­ge­hen. Auf dem Spiel steht das Recht von Homosexuellen, die Liebe ih­res Lebens zu fin­den. Die ge­gen­wär­ti­ge Lage soll­te al­le au­ßer­halb des ge­sell­schaft­li­chen Durchschnitts be­un­ru­hi­gen, egal ob man als Individuum, als po­li­ti­sche oder re­li­giö­se Gruppe oder als Start-Up oh­ne Marktmacht be­trof­fen ist.

Redefreiheit

Wir se­hen heu­te, wie die Infrastruktur des Internets und de­ren Eingentumsverhältnisse si­ch in ei­ner Art ver­än­dern, die Zensur nicht mehr über­win­den, son­dern Kontrolle för­dern. In den USA ist das Urheberrecht der Hauptgrund bei der Zensur. Das aber hat Auswirkungen auf die Meinungsfreiheit.

Die Regierungen er­ken­nen die Macht der Plattformen und sie for­dern die Betreiber so­zia­ler Medien auf, sie zu in­for­mie­ren, wenn ih­nen Inhalte im Zusammenhang mit Terrorismus be­kannt wer­den. In ei­ner UN-Sitzung im letz­ten Monat wur­den die Unternehmen auf­ge­for­dert auf Anschuldigungen zu ant­wor­ten, sie lie­ßen si­ch vom Islamischen Staat und an­de­ren Gruppen aus­nut­zen. Warum mi­schen die si­ch in die Arbeit der Polizei in den USA ein?

Aber man braucht gar kei­ne Zensurgesetze, wenn man mit Druck ar­bei­ten kann. Die Menschen joh­len, wenn Google frei­wil­lig Rachepornos ent­fernt, wenn Youtube Propaganda-Videos des IS ent­fernt, wenn Twitter stren­ge­re Regeln ge­gen Hasskommentare durch­setzt. Das Nebenprodukt ist Zensur, wenn die Plattformen und Vermittler un­ter Druck ge­setzt wer­den. So kön­nen Regierungen in­di­rekt kon­trol­lie­ren, was wir sa­gen und was wir se­hen.

Macht nicht den Denkfehler, die­se Zensur nicht für dis­kri­mi­nie­rend zu hal­ten. Muslimischer Extremismus wird ge­mel­det und ge­löscht. Aber nie­mand spricht da­von, dass Google kei­ne Suchergebnisse mit der Flagge der Konföderierten Flagge mehr an­zei­gen soll.

Globalisierung be­deu­tet, dass auch an­de­re Regierungen bei der Zensur mit­mi­schen. Ich re­de jetzt gar nicht nur von Russland und China. Aber auch in der Europäischen Union gibt es Gesetze ge­gen Verunglimpfungen, das Leugnen des Holocausts und für das Recht auf Vergessenwerden. Jedes Land will sei­ne ei­ge­nen Gesetze durch­set­zen und sei­ne Bevölkerung kon­trol­lie­ren, wie es das für rich­tig hält. Das führt zu un­ter­schied­li­chen Internetangeboten je nach Land oder Region. In Europa wer­den kor­rek­te Informationen aus Suchmaschinen ent­fernt, da­mit sie schwe­rer oder gar nicht mehr zu fin­den ist. So viel da­zu, dass wir al­le mit­ein­an­der in Echtzeit spre­chen kön­nen. So viel da­zu, dass in den Regalen des Internets al­les zu fin­den sei.

Schlimmer no­ch: Die Regierungen be­gin­nen, ih­re Gesetze au­ßer­halb ih­rer Grenzen durch­zu­set­zen, in­dem sie die gro­ßen Unternehmen wie Google und die Internetanbieter zwin­gen. Frankreich sagt Google zum Beispiel, dass es nie­man­dem Suchergebnisse an­zei­gen darf, die fran­zö­si­sches Recht ver­let­zen – auch wenn sie in den USA durch die Meinungsfreiheit ge­schützt sind. Wenn man die­ser Argumentation folgt, wird je­des Land über­all zen­sie­ren. Am Ende bleibt dann nur no­ch geis­ti­ger Babybrei üb­rig.

Wie viel Redefreiheit braucht ei­ne li­be­ra­le Gesellschaft? Oder an­ders: Wie viel Souveränität müs­sen die Nationalstaaten auf­ge­ben, um ein wirk­li­ch glo­ba­les Netz zum Blühen zu brin­gen?

Wenn wir nicht heu­te ei­nen an­de­ren Weg ein­schla­gen und das Netz als Ort für ex­zen­tri­sche und stö­ren­de Meinungen zu schät­zen ler­nen, müs­sen wir uns zwi­schen der Balkanisierung des Internets und ei­ner Abwärtsspirale ent­schei­den.

Wie wer­den wir uns ent­schei­den?

Die nächsten 20 Jahre

Die Zukunft von Freiheit und Offenheit scheint heu­te viel trost­lo­ser als wir uns das vor 20 Jahren er­hofft ha­ben. Aber das muss so nicht sein. Lasst mi­ch ei­ne an­de­re Zukunft be­schrei­ben, in der der Internet Traum wei­ter­lebt und flo­riert.

Wir müs­sen da­mit an­fan­gen, glo­bal zu den­ken. Wir müs­sen ei­nen wei­te­ren Terroranschlag auf New York ver­hin­dern, aber wir dür­fen nicht igno­rie­ren, wel­che Auswirkungen un­se­re Entscheidungen auf Journalisten und Menschenrechtler in al­ler Welt hat. Beides hat für uns ei­nen star­ken Wert.

Wir müs­sen die Dezentralisierung über­all vor­an­trei­ben, wo es geht: Alle Macht dem Volk! Und mit star­ker Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kön­nen wir an­fan­gen, die Machtbalance zwi­schen Technologie, Recht und Menschenrechten wie­der­zu­her­stel­len.

Wir müs­sen da­für sor­gen, dass die Regierung si­ch nicht in Gestaltung der Kommunikationstechnologie ein­mischt.

Wir müs­sen an­fan­gen, uns vor den rich­ti­gen Dingen zu fürch­ten und ir­ra­tio­na­le Ängste ab­schüt­teln. Wir müs­sen den CFAA, den DMCA, den Patriot Act und die Gesetze zur mas­sen­haf­ten Auslandsüberwachung re­for­mie­ren. Wir müs­sen auf­hö­ren, so emp­find­li­ch bei Meinungsäußerungen zu sein und wir müs­sen schäd­li­chen Mist als sol­chen kenn­zeich­nen. Wenn 1000 Blumen blü­hen, wer­den die meis­ten von ih­nen schön sein.

Wir be­fin­den uns heu­te an ei­nem Wendepunkt. Wenn wir ei­nen an­de­ren Weg ein­schla­gen, kann un­ser Traum von ei­nem frei­en Internet im­mer no­ch wahr wer­den. Aber wenn wir das nicht tun, dann pas­siert das nicht. Das Internet wird dann ein auf Hochglanz ge­trimm­tes, stei­fes, kon­trol­lier­tes und ge­schlos­se­nes Etwas. Und der Traum, den ich ha­be – den so vie­le von Euch ha­ben – wird tot sein.

Wenn ihr das auch so seht, dann müs­sen wir an­fan­gen, die Technologie für die nächs­te Runde im Lebenszyklus der Revolution er­fin­den. In den nächs­ten 20 Jahren müs­sen wir be­reit sein, das Internet zu zer­schla­gen und et­was Neues und Besseres zu er­rich­ten.“

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Kommentare

it-frosch

Hallo Steffen,
vie­len Dank für das Übersetzen des Artikels.
Er ent­hält ei­ni­ge Denkansätze für mi­ch und so et­was ist ja nie ver­kehrt. 😉
Bei ei­ni­gen Punkten ha­be ich al­ler­dings ei­ne an­de­re Meinung.
So ist für mi­ch das „Recht auf Vergessenwerden“ kein Beispiel für ei­ne Zensur son­dern mehr für die Wahrung der Persönlichkeitsrechte und auch für die Freiheit über mei­ne Daten be­stim­men zu kön­nen.
Ebenso fal­len für mi­ch die von ihr an­ge­führ­ten Gesetze ge­gen Verunglimpfungen und Hetze nicht un­ter Zensur son­dern eben­falls für die Bewahrung der Freiheit und der Persönlichkeitsrechte.
Es ist wich­tig dass im Internet Meinungsfreiheit herrscht. Von der ei­ge­nen Auffassung ab­wei­chen­de Meinungen sind auch sehr wich­tig. Nur dür­fen sie nicht be­lei­di­gend oder ver­un­glip­fend sein.
it-frosch

Elitärer Linux Nerd

Selbstverantwortung, die Fähigkeit zum lo­gi­schen Denken, die Wertschätzung für frei ver­füg­ba­re Informationen und den in­tel­lek­tu­el­len Diskurs, so­wie auch den Idealismus die Gesellschaft zum bes­se­ren ver­än­dern zu wol­len.

All dies sind doch ei­gen­schaf­ten die in der Geistigen Elite an­zu­tref­fen sind, nicht aber bei den Massen der Menschen. Die Menschen die da­mals das Internet auf­ge­baut ha­ben wa­ren eben Ingenieure und Programmierer, stu­dier­te Leute die hoch­wer­ti­ge Informationen aus­tau­schen woll­ten um ge­mein­sam da­von zu pro­fi­tie­ren.

Das Problem ist nur das das Internet mitt­ler­wei­le eben nicht mehr nur von den Intelligenten und gut aus­ge­bil­de­ten Leuten zur Wissensvermittlung ge­nutzt wird son­dern vom pri­moi­ti­ven Pöbel. Eben je­ner Pöbel der si­ch die BILDzeitungsAPP aufs Handy zieht, je­ner Pöbel der auf Facebook lie­ber ge­gen Ausländer hetzt und an­sons­ten bes­ten­falls am völ­lig pas­si­ven Konsum von Infotainment in­ter­es­siert ist. Freie Lizenzen, OpenAcces, Urheberrecht, freie Software usw, das in­ter­es­siert die Massen nicht. Die Massen wol­len Brot und Spiele und ge­n­au das be­kom­men sie auch, seich­te Artikel in der OnlineBILD ode­er DWN, Verschwörungskäse und Unterhaltung über Youtube, Netflix usw. Natürlich bes­tens über­wacht, kon­trol­liert und vor­zen­siert denn zu ver­ber­gen ha­ben die Volksmassen vor ih­rer Obrigkeit ja oh­ne­hin nix.

Das was wir der­zeit se­hen ist das das Internet von ei­nem Kommunikationsmedium ge­sell­schaft­li­ch in­tel­lek­tu­el­ler Bildungseliten von den Massen über­rannt wur­de und der Markt rich­tet si­ch nun­mal nach den Massen aus.

Nen Windows das al­le Daten, Mails usw in der Cloud spei­chert fin­den die doch su­per du­per, ver­liert man ja nie mals ne Datei oder löscht die­se ver­se­hent­li­ch. Da die Massen oh­ne­hin nix zu ver­ber­gen ha­ben ist es ih­nen dann auch egal wenn NSA, Konzerne und who ever in den Daten rum­wüh­len. Hauptsache ein­fach, haupt­sa­che nicht den­ken müs­sen und haupt­sa­che schön kli­ckib­un­ti.

Also fin­det eu­ch da­mit ab das ihr eu­re ei­ge­nen ge­schlos­se­nen Räume schaf­fen müsst wo we­der Regierungen no­ch der all­ge­mei­ne Pöbel so ein­fach zu­tritt ha­ben. Darknets zum Beispiel, so kom­pli­ziert zu in­stal­lie­ren ma­chen das eben nur wer lo­gi­sch den­ken kann rein kommt. Um dort dann un­ge­stört kom­mu­ni­zie­ren, Daten, Wissen aus­tau­schen zu kön­nen. Verschlüsselt und Anonym.

abbc

@elitärer li­nux nerd: Bitte fas­sen Sie si­ch an Ihrer ei­ge­nen Nase.

Ansonsten, ich den­ke das es schlim­mer wird. Das er­war­te ich so­gar.

Mal in die an­de­re Richtung ge­dacht. Warum mal auf das Internet und neue Medien nicht ver­zich­ten? Oder viel we­ni­ger kon­su­mie­ren? Ist ein­fa­cher und rea­lis­ti­scher zu rea­li­sie­ren.

Das wär es doch? Oder?

Gerald

Aus rein tech­ni­scher Sicht stört mi­ch die Unschärfe des Begriffs „Internet“, die im­mer wie­der auf­taucht. Das Internet ist bloß ein Datenübertragungsnetz, das im Prinzip al­les über­tra­gen kann, so wie ein Postpaket be­lie­bi­gen Inhalt auf­wei­sen kann. Viele Menschen ver­ste­hen un­ter „Internet“ je­doch nur die per Browser oder App auf­ruf­ba­ren Inhalte und viel­leicht no­ch Kurznachrichten- oder IP-Telefonie-Apps. Das ist das Internet _nicht_!

So lan­ge es das Internet gibt, wird es auch frei sein. Selbst, wenn Freiheit be­deu­tet, Überwachung um­ge­hen zu müs­sen. Und der Zug in Richtung Freiheit ist längst ab­ge­fah­ren. Nur als Beispiel: Linux ist in­zwi­schen ge­ra­de im „Internet“ der am meis­ten ge­nutz­te Betriebssystemkern. Und Linux ist of­fen und frei.

Keine Regierung wird je­mals ver­hin­dern kön­nen, dann of­fe­ne, freie Software ent­wi­ckelt wird und si­ch mit dem Internet ver­bin­det. Und kei­ne Regierung der Welt wird ver­hin­dern kön­nen, dass un­er­wünsch­te Inhalte über das Internet ver­teilt wer­den. Beispiel ge­fäl­lit? Wenn ich ei­ne Bombenbauanleitung ver­schlüss­le und in ein harm­lo­ses JPEG-Katzenbild per Steganographie ein­bet­te, kommt sie durch je­de wie im­mer ge­ar­te­te Zensurstelle auf der Welt bis zum Empfänger. Weil nur der Empfänger weiß, wor­um es si­ch wirk­li­ch han­delt und über­haupt fest­stel­len kann, dass im Bild et­was Anderes ver­steckt ist.

Solche und ähn­li­che Technologien wer­den lau­fend frei und of­fen ent­wi­ckelt und an­ge­passt, was auch im­mer an Überwachung und Zensur aus­ge­dacht wird. Und ge­n­au die­se Freiheit des Internet, die nie mehr zu stop­pen sein wird (es sei denn, man un­ter­bin­det jed­we­de Computervernetzung), macht die Mächtigen ner­vös. So ner­vös, dass sie je­den Tag ei­ne an­geb­li­che Gefahr in den Medien ver­brei­ten las­sen und haar­sträu­ben­den Unsinn von si­ch ge­ben, wenn sie von „Internetsicherheit“ re­den. Das of­fen­bart de­ren wah­re Schwäche, und sie möch­ten na­tür­li­ch ver­hin­dern, dass die Öffentlichkeit sie er­kennt.

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