Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Ich bin dann mal weg : Twitter vs. Laconica

Steffen Voß

Meine These ist ja: Sobald jemand einen coolen Webservice anbietet, dauert es etwa eine halbe Stunde und jemand fängt an, sich eine freie Lösung zu überlegen und umzusetzen. Beispiele: Google Maps/Openstreetmap, iPhone/Android usw. So war es nur eine Frage der Zeit bis jemand mit einer freien Version von Twitter ankommt.

Laconica heißt der freie Twitter Clone. Er basiert auf PHP und MySQL und ist unter AGPL erschienen. Jeder kann sich das Programm herunterladen und installieren – und das Tolle ist: Man hat damit keine "Insel" auf der alle angemeldeten Benutzer nur Freunde der anderen angemeldeten Benutzer sein können. Laconica implementiert ein eigenes Protokoll, das auf OAuth basiert und ermöglicht, dass Benutzer kreuz und quer über verschiedene Laconica-Installationen Freundschaften schließen können.

Verteilte Last ist kaum Last…

Mit diesem verteilten System sollte es eigentlich relativ schwierig sein, den Dienst in die Knie zu zwingen – so wie es mit der zentralen Lösung auf den Servern von Twitter immer wieder passiert.

Der direkte Vergleich

Laconica hat noch einige Features weniger als Twitter – dafür ist nicht die Hälfte abgeschaltet. Nachrichten per Jabber zu schreiben und empfangen ist zum Beispiel bei beiden, Laconica und Twitter, möglich – Bei Twitter ist das Feature aber seit Wochen wegen zu großer Überlastung abgeschaltet. Bei Laconica kann man sein Benutzerprofil dafür noch nicht mit einem eigenen Hintergrundbild und eigenen Farben anpassen.

Mehr Möglichkeiten

Ich hab mir die Software noch nicht selbst installiert. Interessant wäre es aber zu erfahren, ob man den Dienst auch nach außen abschließen kann, um zum Beispiel unternehmens-intern zu twittern. Bei ReadWriteWeb ist dazu gerade ein interessanter Beitrag erschienen: Is Email In Danger?

Warum?

Eine interessante Begründung für seine Initiative liefert
der Entwickler Evan Prodromou in seinem Blog:

"As a society we rejected "walled gardens" like AOL, Compuserve, and MSN in the early 90s in favor of the distributed, open nature of the World Wide Web. And I think that the new walled gardens like Facebook and Google, need to be replaced with ­open protocols and standards."

­Genau dieser Meinung bin ich auch – und deswegen bin ich ab sofort auch bei identi.ca zu finden­. Wer möchte, kann mich da gerne heimsuchen!

Twitter: "Ich bin dann mal weg…"

Links

Kommentare

Bascht
Bascht:

Gibts sowas wie einen „Legacy Transport“ zu Twitter?
So im Stile der ICQ-Gateways von Jabber.
Das wäre echt reizvoll, um zu migrieren ohne seine alten Buddys zu verlieren… 🙂

3.7.2008 um 17:49
Steffen
Steffen:

Dazu gibt es schon nen Feature Request im Tracker. Sollte nicht so schwer sein. Es gibt ja schon 1 Mio Twitter-Clients. Dann ist Laconica eben noch einer 😀

3.7.2008 um 20:37
CarlS
CarlS:

Wozu identi.ca, wo es doch jetzt bleeper.de gibt (basiert auch auf laconica OpenSource). Endlich ist ein vernünftiger deutscher Dienst am Start und ihr wollt schon wider einen amerikanischen bevorzugen. Wer jetzt jammert, dass auf bleeper noch zu wenig los ist, kann das ja ändern !

17.8.2008 um 13:59

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