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Blogparade: Welchen Preis bezahlst Du für die Freiheit?

By: Frédéric BISSON - CC BY 2.0
By: Frédéric BISSON - CC BY 2.0

Edward Snowden hat sein ge­sam­tes Leben, sei­ne Familie und Freunde zu­rück­ge­las­sen, um zu ver­öf­fent­li­chen, in wel­chem Umfang die Überwachung in­zwi­schen an­ge­nom­men hat. Er ist ei­ner der meist­ge­such­ten Menschen auf der Welt und lebt jetzt auf un­si­che­rer Basis in Moskau. Ein ho­her Preis für die Wahrheit. Was je­der von uns in sei­nem Leben ge­än­dert hat, fragt Rouven Kasten in sei­ner Blogparade.

Ich le­be wei­ter­hin in Kiel und ha­be Familie und Freunde in Reichweite. Ich wer­de nicht ge­sucht. Trotzdem ste­he ich un­ter Überwachung. Alles was ich im Internet un­ver­schlüs­selt tu, wird ge­fil­tert, durch­sucht und ab­ge­gli­chen mit sta­tis­ti­sch nor­ma­lem Verhalten. Alles was ver­schlüs­selt ist, wird ent­we­der über be­kann­te Sicherheitslücken oder ein­ge­bau­te Schwachstellen ent­schlüs­selt oder für die spä­te­re Verwendung ge­spei­chert.

Alles, von jedem, immer

Es ist gibt glo­bal ge­se­hen ei­ne gro­ße po­li­ti­sche Allianz für im­mer wei­ter grei­fen­de Überwachung. Und lei­der ist es nicht nur staat­li­che Überwachung. Denn die staat­li­chen Stellen nut­zen al­le Datenquellen, zu de­nen sie Zugriff be­kom­men. Insofern sind auch al­le pri­va­ten Dienste be­trof­fen. All die Big-Data-Sammelstellen, die uns un­se­re Nutzungsdaten für bes­se­re Konsumfunktionen ab­luch­sen. All die Geräte, mit ih­ren Sensoren, mit ih­ren Ortungsfunktionen, Kameras und Mikrofonen sind po­ten­ti­ell Teil des Systems.

Die USA ha­ben die Überwachung zu ei­ner wah­ren Industrie auf­ge­bla­sen. Es ist schon al­lein des­we­gen un­wahr­schein­li­ch, dass die Überwachung zu­rück­ge­fah­ren wird: Das wür­de tau­sen­de von Job kos­ten und Firmen ih­res Geschäftsmodells be­rau­ben.

Daten sammeln doch alle

Mich är­gert im­mer wie­der, wenn in der Diskussion das Argument vor­ge­bracht wird: „Warum be­schwerst Du Dich dar­über, dass X so vie­le Daten sam­melt, das ma­chen doch al­le.“ – Das konn­te ich ge­ra­de wie­der er­le­ben, als es um die Nutzungsbedingungen von Windows 10 ging: „Warum haust Du so auf Microsoft? Google, Apple und all die an­de­ren ma­chen das doch auch.“ Oder neu­li­ch bei der Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung. Immer wie­der kam von Politikern der Satz: „Die Leute, die am lau­tes­ten ge­gen die Vorratsdatenspeicherung sind, sind bei Google & Co. voll­kom­men un­kri­ti­sch.“

Das sind kei­ne Argumente. Das sind Vorurteile. Ich has­se es, dass mi­ch je­de Taschenlampen-App durch­leuch­ten will. Ich kri­ti­sie­re je­de Art von Datensammlung, die si­ch ge­gen die Freiheit der Menschen rich­tet – egal ob da­mit der Staat Landesverräter oder ein Unternehmen Konsumenten ja­gen will. Und ich ken­ne ei­ne Menge Leute, die das ähn­li­ch se­hen. Die Menschen müs­sen die Kontrolle über ihr Leben be­hal­ten. Im Moment ar­bei­ten Staat und Konzerne dar­an, die Menschen den Maschinen an­zu­pas­sen. Ich glau­be, Peter Sunde hat Recht: „Der Kampf um die di­gi­ta­le Freiheit ist längst ver­lo­ren“ – Ich tu so, als wä­re das nicht so.

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Kommentare

Jonathan M. Hethey

Ja, es ist schwie­rig. Ich ha­be vor Kurzem er­st wie­der mit dem Gedanken ge­spielt ein kur­zes Erklärbär vi­deo zu ma­chen, bei dem er­klärt wird, was „die Cloud“ ist, um tech­ni­sch we­nig ver­sier­ten Menschen auch ei­nen leich­ten Zugang zur Thematik zu er­mög­li­chen

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