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Netzkultur: Wohin mit dem Hass?

Gargouille
Foto: daniel.stark - CC BY 2.0

Abseits der persönlichen Freundschaftsblase weht ein rauer Wind – Das durfte gerade Til Schweiger erfahren. Der beliebte Schauspieler (Lindenstraße, Manta Manta) hatte es gewagt bei Facebook dazu aufzurufen, für ein Flüchtlingsprojekt zu spenden. Neben 23.000 Likes hat er dafür eine Menge Kritik geerntet, die größtenteils offen rassistisch war. Johnny Haeusler zeigte sich in seiner Wired-Kolumne daraufhin ratlos ob dieses Hasses. Ich habe zum Anlass genommen, das Thema auf dem WebMontag zu diskutieren.

Unerfreuliche Kommunikation ist keine digitale Spezialität. Die Menschen waren früher sicher nicht netter zueinander, als Fremde noch Gastarbeiter, die Frau noch man Herd und Homosexualität noch verboten war.

So lange ich online bin, beobachte ich kommunikativen Ausfälle. Früher hieß das „Flaming“ – das stand schon 1983 im Hacker’s Dictionary. Das Heise Forum ist seit Mitte der 1990er Jahre quasi Synonym für diese Art Umgang. 2010 hat Sascha Lobo über seine Shitstorm-Erfahrungen auf der re:publica gesprochen.

Ich meine aber auch, dass die Bandbreite des Hasses größer geworden ist. Das mag daran liegen, dass mehr Menschen online sind und es mit Facebook einfach geworden ist, seine Meinung kundzutun. Aber zum einen scheinen die Hasskampagnen gegen einzelne Personen – oft Frauen – neuer zu sein. Zum anderen scheint die Parteigründung von Professor Lucke den rassistischen Sprachschatz wieder salonfähig gemacht zu haben.

Für diese beiden Felder gibt es schon eine Menge Überlegungen: Mina hat darüber neulich darüber gebloggt, was es schon alles gibt im Zusammenhang mit Hasskampagnen. Am Ende des Artikel sind viele Lesetipps. Zum Umgang mit Nazi-Kommentaren können Initiativen gegen Rechtsradikalismus helfen. Die haben da seit Langem Erfahrungen gesammelt.

Meinungsfreiheit ist nicht das Recht ein Arschloch zu sein

Ich vermute, Johnny Haeusler ist auch jemand, der großen Wert auf Meinungsfreiheit legt. Das sind ja viele aus der „Netzcommunity“ oder der Rock-Musik. Mir ging es auch so, dass ich davor zurück geschreckt habe, die Facebook-Seiten allzu restriktiv zu moderieren, für die ich zuständig bin. Man will sich ja keine Zensur vorwerfen lassen.

Wenn aber Leute mit ihrer Aggression dafür sorgen, dass andere Leute sich gar nicht erst zu Wort melden, dann wird klar: Die Freiheit des Einen muss da enden wo die Freiheit des Anderen beginnt. Sprich: Man muss wesentlich weniger dulden, als ich früher angenommen habe. Dazu möchte ich noch einmal auf das Buch von Ingrid Brodnig hinweisen. Da werden viele der Hintergründe gut erklärt.

Es ist wichtig, dass sich alle, die in irgendeiner Art eine Community betreiben, mit diesem Thema auseinandersetzen. Dazu sollte man sich externes Fachwissen dazu holen. In Schleswig-Holstein gibt es zum Beispiel das Beratungsnetzwerkes gegen Rechtsextremismus. Die werden genau dafür vom Land bezahlt.

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  1. Zusammenfassung der Woche ab 20.07.2015 | Iron Blogger Kiel

Kommentare

Joe Schlichtmann

Nicht ge­ra­de schlau ei­nen Artikel zum Thema Hate mit ei­nem Artikel ei­ner der größ­ten deut­schen Femhaterinnen zu ver­lin­ken. Damit hat der Artikel 90% sei­ner Glaubwürdigkeit ver­lo­ren. Wenn es nach die­ser Frau Dingens und Konsorten geht, dann ist der selbst­ge­rech­te Runtermachen Andersdenkender die neue Form von Gerechtigkeit – das hat we­nig mit ei­ner ge­bil­de­ten und auf­ge­klär­ten Diskursgesellschaft zu tun.

Joe Schlichtmann

Allein schon der Satz „Mei­nungs­frei­heit ist nicht das Recht ein Arsch­loch zu sein“ zeigt, wie we­nig das ei­gent­li­che Thema re­flek­tiert wird. Wann je­mand ein Arschloch ist, ist ganz klar ei­ne Frage der Rezeption und da­mit ei­ne Frage jen­seits der Meinungsfreiheit. Nur weil ei­ni­ge dis­kurs­ar­me Hobby-Gutmenschen be­schlies­sen, dass ei­ne Meinungsäußerung ei­ne „Arschlich-Äußerung“ ist, ist da­mit no­ch über­haupt nichts ge­sagt über die Aussage, aber sehr viel über die Hobby-Gutmenschen und ihr de­mo­kra­ti­sches Grundverständnis.
Analysiert man z.B. die Hetze von Frau Dingens und Konsorten ge­gen Andersdenkende stellt man schnell fest, dass hier kei­ne Argumente ge­bracht wer­den, son­dern le­dig­li­ch emo­tio­na­le Meinungen pseudo-versachlicht vor­ge­tra­gen wer­den. Wer das als ei­nen Fortschritt in der Debatte zieht, of­fen­bart ein stark re­du­zier­tes Verständnis der frei­heit­li­ch de­mo­kra­ti­schen Grundordnung.

Steffen Voß

Zwei schö­ne Beispiele für Kommunikation, wie sie nicht sein soll­te.

Lieber Joe, auch du soll­test we­ni­ger auf den Spieler und mehr auf den Ball spie­len. Auch Dir geht es in der Regel dar­um den Gegner mund­tot zu ma­chen, statt den Gesprächspartner zu über­zeu­gen. Aber ich den­ke Du weißt, dass die Radikalität Deiner Sprache da­für sorgt, dass Andersdenkende gar nicht er­st Lust ha­ben, Dir zu wi­der­spre­chen. Ich bin si­cher, Du nutzt sie des­we­gen. Das Spannende ist ja, dass Du im Reallife ein um­gäng­li­cher Typ bist.

Joe Schlichtmann

„weni­ger auf den Spie­ler und mehr auf den Ball spie­len“ – Auch wenn mir Fussball-Metaphern nicht be­son­ders lie­gen, wer­de ich mir den bei Gelegenheit klau­en.

Gut ist auch, dass du mir in­di­rekt zu­stimmst, was mei­ne Kritik an der ge­nann­ten Person an­geht. Das Perverse an Diskussion mit Dingens und ähn­li­chem Personal ist ja eben das so­for­ti­ge Spiel auf die Person. Du kann­st ja mal ver­su­chen mit ihr kon­tro­vers zu dis­ku­tie­ren und du wirst fest­stel­len, dass es so­fort zu ei­ner Wertung und Einordnung kommt, die dich in ei­ne ge­wis­se Ecke stel­len wird (min­des­tens bist du ab „Sympatisant“) – Ich ken­ne zum Glück ge­nü­gend fe­mi­nis­ti­sche Personen (auch ra­di­ka­ler Art), um zwi­schen den Femtrollen und Feministinnen tren­nen zu kön­nen. Interessanterweise wird schon die­se Trennung von der Dingens-Fraktion als Versuch aus­ge­legt „die Frauen zu spal­ten“ – Differenzierung ist al­so nur dann op­por­tun, wenn es der ei­ge­nen Ideologie passt – sol­che Personen ver­gif­ten je­den Diskurs und re­gen auch so „um­gäng­li­che Typen“ wie mi­ch zu kla­rem Widerspruch an.
Für das Thema be­deu­tet dies al­so, dass nicht über­all, wo ge­wis­se lau­ten Kreise „das sind Arschlöcher“ schrei­en, auch Arschlöcher sind, aber auf je­den Fall Leute, die in je­dem Andersdenkenden nur Arschlöcher se­hen wol­len. Wer mit ei­ner sol­chen Einstellungen in Diskurse geht, hat zwar ei­ne Pseudo-Gutmenschen-Maske auf, aber ist weit da­von ent­fernt, si­ch von seinem/ihrem ei­ge­nen un­ter­drück­ten Hass be­freit zu ha­ben.

Steffen Voß

Ich ver­ste­he nicht, wie­so Du Dich mit die­ser Leidenschaft an Personen ab­ar­bei­test. Zumal Euch mehr Inhalte ver­bin­den als tren­nen. Und über die Form mus­st ge­ra­de Du nie­man­den be­leh­ren. 😉

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