Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Quotenregelung 2

Steffen Voß

Taten sich im Juli noch Ex-Promis wie Sebastian Krumbiegel, Udo Lindeberg und Reinhard May mit der Forderung nach einer Quotenregelung für deutschsprachige Musik im Radio hervor und reihten sich damit in die Riege berüchtigter Vertreter dieser Meinung (Heinz Rudolf Kunze…), fordern jetzt auch Tommi Eckart und Inga Humpe von „2raumwohnung“ ganz ähnliches.Doch wenn Humpe argumentiert, „Oft wird so getan, als gehörten Lieder in der Muttersprache zum alten Eisen, dabei klingt unsere Musik doch wirklich zeitlos und unterwirft sich keinen Moden.“ (musikwoche.de), hat sie das Problem genau erfasst und wiederum auch nicht: Wahr ist, dass die Radiosender ihre Musik nicht spielen. Unwahr ist, dass es allein mit der Sprache zusammenhängt. Die Musik unterwirft sich nicht der gängigen Mode und wird deswegen nicht gespielt. Es gibt doch auch eine Menge englischsprachige Musi, die niemals im Radio zu hören ist auch „zeitlos und keiner Mode unterworfen“ ist.

Irgendwie scheint den beiden das auch klar zu sein, wenn sie erklären, „Unsere Sender spielen fast gar nichts mehr, was ganz knapp neben dem Mainstream liegt“ – DAS trifft eher schon des Pudels Kern. Die Forderung einer Deutschquote ist also auch bei der 2raumwohnung nur ein fadenscheiniger Versuch, nicht die Qualität im Radio zu verbessern und den Menschen gute Musik nahezubringen, sondern den Menschen die eigene Musik nahezubringen und das eigene Konto zu füllen.

Zwar ist das Radio der Zugang der Massen zur Musik – es wäre aber utopisch daraus einen Möglichkeit zur Volksbildung abzuleiten. Natürlich war Radio mal besser und es bedingen sich da zwei Entwicklungen gegenseitig: Auf der einen Seite wird das Angebot immer flacher, auf der anderen Seite hört man auch immer weniger hin. Meistens läuft das Radio doch nur in Büros auf dem Sender, der die wenigsten Mitarbeiter stört. Liefe da auch nur tendenziell Musik, die die Wahrnehmung beanspruchen würde, wird sofort der Sender gewechselt.

Hörer, die gezielt nach interessanter Musik im Radio suchen, besitzen normalerweise auch ein eigenes Archiv konservierter Musik, aus dem sie schöpfen, bevor sie sich die von Werbung zerhackten und von Dampfplauderern zerredeten Versionen im Radio antun. Solche Menschen wollen aber die Missionare der deutschsprachigen Musik auch gar nicht mit dem Radio bekehren. Was so eine Quote dann bringen soll, ist nicht ganz klar.

Mehr Qulität im Radio gibt’s nur mit mehr Qulität im Leben. Solange aber noch Dieter Bohlen Volksheld ist, wird es in keinem Bereich Qulität geben.

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