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Quotenregelung 2

Taten si­ch im Juli no­ch Ex-Promis wie Sebastian Krumbiegel, Udo Lindeberg und Reinhard May mit der Forderung nach ei­ner Quotenregelung für deutsch­spra­chi­ge Musik im Radio her­vor und reih­ten si­ch da­mit in die Riege be­rüch­tig­ter Vertreter die­ser Meinung (Heinz Rudolf Kunze…), for­dern jetzt auch Tommi Eckart und Inga Humpe von „2raumwohnung“ ganz ähn­li­ches.Doch wenn Humpe ar­gu­men­tiert, „Oft wird so ge­tan, als ge­hör­ten Lieder in der Muttersprache zum al­ten Eisen, da­bei klingt un­se­re Musik doch wirk­li­ch zeit­los und un­ter­wirft si­ch kei­nen Moden.“ (musikwoche.de), hat sie das Problem ge­n­au er­fasst und wie­der­um auch nicht: Wahr ist, dass die Radiosender ih­re Musik nicht spie­len. Unwahr ist, dass es al­lein mit der Sprache zu­sam­men­hängt. Die Musik un­ter­wirft si­ch nicht der gän­gi­gen Mode und wird des­we­gen nicht ge­spielt. Es gibt doch auch ei­ne Menge eng­lisch­spra­chi­ge Musi, die nie­mals im Radio zu hö­ren ist auch „zeit­los und kei­ner Mode un­ter­wor­fen“ ist. 

Irgendwie scheint den bei­den das auch klar zu sein, wenn sie er­klä­ren, „Unsere Sender spie­len fast gar nichts mehr, was ganz knapp ne­ben dem Mainstream liegt“ – DAS trifft eher schon des Pudels Kern. Die Forderung ei­ner Deutschquote ist al­so auch bei der 2raumwohnung nur ein fa­den­schei­ni­ger Versuch, nicht die Qualität im Radio zu ver­bes­sern und den Menschen gu­te Musik na­he­zu­brin­gen, son­dern den Menschen die ei­ge­ne Musik na­he­zu­brin­gen und das ei­ge­ne Konto zu fül­len.

Zwar ist das Radio der Zugang der Massen zur Musik – es wä­re aber uto­pi­sch dar­aus ei­nen Möglichkeit zur Volksbildung ab­zu­lei­ten. Natürlich war Radio mal bes­ser und es be­din­gen si­ch da zwei Entwicklungen ge­gen­sei­tig: Auf der ei­nen Seite wird das Angebot im­mer fla­cher, auf der an­de­ren Seite hört man auch im­mer we­ni­ger hin. Meistens läuft das Radio doch nur in Büros auf dem Sender, der die we­nigs­ten Mitarbeiter stört. Liefe da auch nur ten­den­zi­ell Musik, die die Wahrnehmung be­an­spru­chen wür­de, wird so­fort der Sender ge­wech­selt.

Hörer, die ge­zielt nach in­ter­es­san­ter Musik im Radio su­chen, be­sit­zen nor­ma­ler­wei­se auch ein ei­ge­nes Archiv kon­ser­vier­ter Musik, aus dem sie schöp­fen, be­vor sie si­ch die von Werbung zer­hack­ten und von Dampfplauderern zer­re­de­ten Versionen im Radio an­tun. Solche Menschen wol­len aber die Missionare der deutsch­spra­chi­gen Musik auch gar nicht mit dem Radio be­keh­ren. Was so ei­ne Quote dann brin­gen soll, ist nicht ganz klar.

Mehr Qulität im Radio gibt’s nur mit mehr Qulität im Leben. Solange aber no­ch Dieter Bohlen Volksheld ist, wird es in kei­nem Bereich Qulität ge­ben.

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