kaffeeringe.de

Grand Theft Auto 5: Folter? Da bin ich raus…

By: openDemocracy - CC BY-SA 2.0

Ich werde nicht foltern – auch nicht in einem Computerspiel. Vor einigen Tagen ist die PC-Version von Grand Theft Auto 5 (GTA V) erschienen. Dort gibt es in der Haupthandlung eine Szene in der man als Spieler eine Person foltern muss. Da bin ich raus.

Zugegeben: Leider ist die Diskussion um Folter in GTA V nicht ganz neu, weil das Spiel schon 2013 für die Playstation erschienen ist. An mir ist dieses Problem allerdings vorbei gegangen. Und als alter Fan der Serie habe ich zugeschlagen, als das Spiel endlich für den PC erschienen ist. Und bis zu diesem Zeitpunkt muss ich sagen: Ja, das ist der beste Teil der Serie und zum ersten Mal wird die Handlung so gut erzählt, dass ich nicht nach einer halben Stunde den Faden verloren habe.

In GTA V spielt man diesmal drei Charaktere: Franklin – Einen jungen Schwarzen Nachwuchsgangster. Michael – Einen alternden Meisterdieb – der natürlich in Behandlung bei einem Psychiater ist. Und den verrückten Redneck Trevor, der lieber zum Psychiater gehen sollte.

Trevor wird als letzte Figur ins die Handlung eingeführt und ging mir schon die ganze Zeit auf die nerven, weil man in seiner Handlung unglaublich viele Non-Player-Character (NPC) umbringen muss – nur, weil Trevor so ein unausgeglichener Charakter ist. Und dann wird er von einem amerikanischen Geheimdienst („FIB“) angeheuert, um einen vermeintlichen Terroristen zu foltern. Als Michael verlässt man den Raum und ahnt, was da jetzt gleich los geht. Auch das schon fand ich hart. Aber dann wechselt man zu Trevor und steht vor der Wahl der Folter-Instrumente. An der Stelle habe ich das Spiel ausgeschaltet.

Was ist mit Deinen Egoshootern?

Nun könnte man fragen, was denn an der Folterszene für jemanden so schlimm sein soll, der laut Battlelog über 21000 Gegner allein im im Multiplayer von Battlefield 4 getötet hat. Egoshooter mögen für Zuschauer brutal aussehen. Für die Spieler sind sie das nicht. Der Realismus des Tötens ist äußerst gering und beschränkt sind in der Regel darauf, dass es „Blutspritzer“ als optisches Feedback für Treffer gibt. Es gibt keine sichtbaren Wunden. Bei den Mainstream-Spielen bleiben die Körper immer intakt und getötete Spielfiguren verschwinden nach kurzer Zeit.

Normalerweise muss man auch keine unbewaffneten Figuren in den Single-Playern töten. In Spec Ops: The Line gibt es eine Szene, in der das eigene Team von Zivilisten bedrängt wird. Hier kann man die Menschen aber auch durch Schüsse in die Luft verjagen. Man kann hier eine ethische Entscheidung treffen.

Es geht in Ego-Shootern nicht um das Töten, sondern darum, schneller und cleverer zu sein, als die anderen Spieler. Und mir ist jederzeit klar, dass jeder Spieler-Charakter, den ich da besiege von jemandem gelenkt wird, der Spaß daran hat. Anders ist das in der Folterszene bei Grand Theft Auto 5: Hier geht es darum, all das zu zeigen, was das Spiel sonst nicht zeigt. Es geht nicht darum geschickt oder clever zu sein. Es geht nur um Brutalität.

Und es stößt mich ab, dass Folter inzwischen zu so einem festen Teil der amerikanischen Unterhaltungskultur geworden ist, dass es kaum eine Krimiserie mehr gibt, die ohne Folter auskommt. Und es sind nicht die Gangster, die sich der Folter bedienen. Es sind die Vertreter des Staates, die zumindest Folter veranlassen. Und am schlimmsten ist, dass das die Realität widerspiegelt. US-Behörden lassen foltern und foltern selbst – sie betreiben unter den Augen der Welt ein Foltergefängnis in dem erwiesenermaßen Unschuldige unbegrenzt gehalten und misshandelt werden. Selbst mitten in Chicago hat die Polizei ein Foltergefängnis betreiben, in dem Personen spurlos verschwinden, illegal verhört und eingesperrt werden – ohne Kontakt zu Anwälten.

Was man genau mit dem „Terroristen“ in Grand Theft Auto 5 tun muss, kann man nachlesen. Man kann sich das auch soweit ich weiß bei Youtube anschauen – das will ich nicht wiederholen. Man kann auch nachlesen, mit welcher nachträglichen Begründung sich die Spielemacher für die Szene rechtfertigen. Das interessiert mich alles nicht.

Leider kann man diese Szene nicht anders lösen, umgehen oder überspringen – es gibt keine moralische Entscheidung, die man treffen kann. Entsprechend ärgere ich mich, dass ich das Spiel nicht zurückgeben kann.

Pingbacks

  1. RE: Folter in GTA5 (oder auch so) - Vollzeitblogger

Kommentare

Marek Walther

Mach es doch ein­fach wie die Amerikaner und lass je­man­den an­deres fol­tern!

Da wird si­ch doch si­cher­li­ch im Bekanntenkreis je­mand fin­den, an den man des PC für zwei Tage „out­sour­cen“ kann.

Steffen

Auch das möch­te ich nicht.

Jonathan

Ich würd’s tun.

Ich un­ter­stüt­ze Folter in keins­ter Weise und bin auch son­st ziem­li­ch pa­zi­fis­ti­sch, aber in Videospielen kann man das ja mal an die Garderobe hän­gen, fin­de ich zu­min­dest. Das kaum ei­ne Krimiserie oh­ne Folter oder Vergewaltigung aus­kommt ist na­tür­li­ch schon trau­rig, aber für mi­ch geht es viel mehr dar­um, dass es ei­nem nicht im­mer gut ge­hen muss wenn man Videospiele spielt.

Dazu fällt mir „This war of mi­ne“ ein, in dem die Schrecken des Krieges il­lus­triert wer­den und das nicht wirk­li­ch Spaß ma­chen soll, son­dern zur Auseinandersetzung ein­lädt.

Ich füh­le mi­ch auch nicht be­son­ders ab­ge­stumpft, weil mi­ch man­che Szenen in Filmen oder Spielen im­mer wie­der sau­er ma­chen oder auf­wüh­len, wenn ich sie se­he, aber es für mi­ch okay nicht im­mer als Charakter zu tun, was ich im wirk­li­chen Leben tun wür­de.

Für mi­ch ist es ein Medium und ich hand­le in­ner­halb der Spielmechanik, was mi­ch ja nicht da­von ab­hält mein rich­ti­ges Leben an­ders zu le­ben oder mi­ch kri­ti­sch da­mit aus­ein­an­der zu set­zen.

Chrlcker Heller

Mir ist es ges­tern ge­nauso ge­gan­gen. Ich ha­be bei mir aber no­ch nicht so wirk­li­ch ver­stan­den, wie­so es mir bei an­de­ren Spielen nichts aus­macht, Figuren auf den ver­schie­dens­ten Arten zu tö­ten (von GTA ganz zu schwei­gen), ich hier aber mehr als ab­ge­stos­sen war. Ich su­che da nicht nach ei­ner Entschuldigung für die Folterszene, son­dern ver­su­che eher her­aus zu fin­den, ob ich auf der an­de­ren Seite nicht auch doch schon arg ab­ge­stumpft bin. Denn ich se­he häu­fig ex­akt die glei­che Abgeschrecktheit bei mei­nen nicht­spie­len­den Bekannten, wenn die­se mei­ne „nor­ma­len“ Schnetzeleien zwi­schen GTA und Borderlands zu­se­hen. Und ich dann im­mer den­ke: ach das muß man doch abs­tra­hie­ren! – Es gab in Spielen im­mer wie­der die­se Spitzen, ich er­in­ne­re mi­ch an die „Flughafenszene“ ei­ner von mir nicht ge­spiel­ten Reihe. Und aus­ser Spec Ops ha­be auch ich no­ch nie ei­nen „Realkrieg an­ge­lehn­ten“ Shooter ge­spielt, weil mir es da ein­fach zu na­he geht, zu Gegenwartsrealistisch wird. Ich glau­be, was mi­ch an der Trevorszene so stört, daß sie in keins­ter Weise vom Spiel ab­ge­fan­gen wird, in keins­ter Weise mehr ka­ri­kiert ist, al­ler Humor weg ist. Und das GTA DAFÜR nicht der über­zeu­gen­de Rahmen ist. Bei al­ler Güte die­ser Satire. Hier ha­ben die Macher si­ch ein­fach ab­so­lut ver­grif­fen. (PS. in WOW, ja, die­sem Knuddel on­line Fantasyspiel, gibt es auch ei­ne Folterquest. Und die stör­te mi­ch schon sehr, ob­wohl da nun echt al­les Comic ist…)

Steffen Voß

Spannend, dass es Dir auch so ging. Ich glau­be, es liegt dar­an, dass Shooter Geschicklichkeitsspiele sind. Den Spielern geht es nicht ums Töten son­dern dar­um schnel­ler und schlau­er zu sein. Getroffene Gegner ver­schwin­den und star­ten dann neu. Für die­se Folter-Geschichte gilt das nicht. Da geht es dar­um ei­nem si­mu­lier­ten Menschen mög­lichst ef­fek­tiv Schmerzen zu­zu­fü­gen. Und Du hast Recht: Bei GTV fehlt da­zu no­ch der Humor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Möchtest Du benachrichtigt werden, wenn Dir hier jemand antwortet?