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Computerspiele: eSport im Allgemeinen und im TV

eS­port, elek­tro­ni­scher Sport al­so, fin­det im­mer dann statt, wenn min­des­tens 2 Menschen ge­gen­ein­an­der ein Computerspiel spie­len. Das kann man dann im Internet ma­chen oder man geht zu Grossveranstaltungen mit meh­re­ren 100 Spielern. Doch nicht nur Chorsingen macht Freu(n)de und Sport im Verein am meis­ten Spass – auch die eS­port­ler tun si­ch in Mannschaften zu­sam­men. Die Teams nennt man dann „Clans“ – Entsprechend mar­tia­li­sch auch der Name für die Matches: „ClanWar“

Diese Nomen Klatura stammt no­ch aus den fins­te­ren Zeiten der Szene, als vor al­lem in Spielen wie „Doom“ und „Quake“ ge­gen­ein­an­der an­ge­tre­ten wur­de. Die meis­ten Clans heis­sen ent­spre­chend auch nicht „SV Hintertupfingen“ oder „SpVgg Mannstadt-Werdelsbach“, son­dern „German Attack Force“ und „Sniper Elite Squad“ – die meis­ten Namen sind echt pein­li­ch. Das er­klärt si­ch aber oft durch das jun­ge Alter der Gründer. Mit 14 schmeisst man ein­fach die ge­fähr­lichs­ten 3 eng­li­schen Wörter zu­sam­men, die man kennt und fer­tig ist der Clanname. Dass man bei der „German Attack Force“ dann nicht „Marvin Spitzinski“ oder so heis­sen kann, er­klärt die Verwendung der so­ge­nann­ten Nicknames (Spitznamen), die si­ch je­der Spieler selbst aus­sucht. Beliebte Nicknames müs­sen schon beim Lesen Eindruck beim Gegner hin­ter­las­sen. Marvin könn­te si­ch zum Beispiel gut „Psycho“ nen­nen oder „Dr. Death“. Bei Spielern von Strategiespielen, sind lei­der auf die Namen der Generäle aus dem zwei­ten Weltkrieg sehr be­liebt: Platz 1. Rommel, Platz von Manstein.

Sobald die Spieler ein ge­wis­ses Alter er­reicht ha­ben, wird die­se Konvention iro­ni­sch ge­bro­chen. Man sie­he nur den Name, den mein Clan hat „Gott bin ich blöd-Clan“ und den ich mir dort ge­ben: „ArschMitOhren“ – Man nimmt die gan­ze Sache nicht so ern­st, glaubt nicht an ei­ne pro­fes­sio­nel­le eSport-Karriere (pro­Ga­mer) und zeigt das auch nach aus­sen. Für die German Attack Force wä­re es be­stimmt auch ziem­li­ch schlimm, wenn die von ei­nem Haufen be­siegt wer­den, der si­ch so of­fen zur ei­ge­nen Blödheit be­kennt. 😉

Mittlerweile hat die Szene vie­le tau­send Mitglieder in Deutschland und mit NBC-Giga so­gar ei­nen ei­ge­nen Halbtagsfernsehsender, so dass si­ch vie­le Aktivitäten aus dem Internet ins so­ge­nann­te Real Life ver­le­gen: Die ESL (elec­tro­nic sports league) – ei­ne der gröss­ten eu­ro­päi­schen Ligen für Online-Gamer – ver­an­stal­tet in ganz Deutschland re­gel­mäs­sig öf­fent­li­ch zu­gäng­li­che Finale mit durch­aus wach­sen­der Beliebtheit beim Publikum. Dazu gibt es TShirt-Internethändler, die spe­zi­ell für die­se Zielgruppe ei­ge­ne Klamotten an­bie­tet, die vor al­lem mit den Insignien der Onlinewelt spielt. Wenn Dr. Death dann Psycho auf dem Weg zur Schule trifft, kön­nen die­se si­ch ge­gen­sei­tig schon zum Beispiel an dem Aufdruck „STFU“ auf der Brust als Gamer er­ken­nen. STFU ist ei­ne gän­gi­ge Abkürzung, die vor al­lem in Chats und Foren be­nutzt wird und „Shut the Fuck up“ (Halt die Schnauze) be­deu­tet. Von die­sen Abkürzungen gibt es je­de Menge und man soll­te ein paar da­von ken­nen, wenn man si­ch ver­nünf­tig im Internet un­ter­hal­ten will.

Diese Entwicklungen wur­den von den „nor­ma­len“ Medien ei­gent­li­ch über­haupt nur dann re­flek­tiert, wenn man die Onlinespiele als Sündenbock für Schülermassaker be­nut­zen konn­te. Mein per­sön­li­ches Schlüsselerlebnis mit die­ser Art Berichterstattung hat­te ich im Zusammenhang mit ei­nem Artikel in der FAZ, wel­cher am Tag nach dem Massaker in Erfurt er­schien. Die Überschrift: „Software fürs Massaker“. (Dieser Artikel ist lei­der der ein­zi­ge zum Thema, der bei der FAZ nicht mehr on­line ab­ruf­bar ist) In Bildzeitungsgrösse ge­hör­ten zu dem Text voll in­halt­li­cher Fehler ein paar Screenshot aus dem Spiel Counterstrike, wie sie in dem Spiel nie­mals er­ge­ben wür­den. Zum Beispiel stand der Spieler ei­ner Gruppe von 5 oder 6 Gegnern ge­gen­über. Nun scheint es so, als ob man hier mit der Waffe nur wahl­los in die Menge hal­ten muss, um mög­lichst viel Blut zu se­hen. Fakt war aber, dass die­se Szene ge­stellt war: Die 5 oder 6 Figuren wa­ren aus dem ei­ge­nen Team und so ein Bild kann man nur be­kom­men, in­dem man mit dem Team zu­sam­men vom Startpunkt los­läuft und si­ch dann zu den hin­ter ei­nem lau­fen­den Spielern um­dreht. Ein Sturm der Entrüstung ging durch die Szene und die FAZ-Homepage war durch das ho­he Aufkommen im Forum den gan­zen Tag prak­ti­sch nicht zu er­rei­chen. In ei­nem di­rek­ten Gespräch, auf das si­ch FAZ-Herausgeber Frank Schirmacher mit aus­ge­wähl­ten Onlinespielern ein­liess, wur­den kei­ne Fehler zu­ge­ge­ben. Die Redaktion ei­ner Computerzeitschrift, bei de­nen die FAZ-Redakteure ih­re Fotos be­kom­men hat­ten, er­klär­ten spä­ter so­gar no­ch, dass sie im­mer wie­der an­ge­regt wur­den, ge­gen die Regeln des Spiels auf die Zivilisten zu schies­sen. Die Frage, die si­ch mir nun stellt ist: Wenn schon die FAZ mit der Recherche für ein so ein­fa­ches Thema völ­lig über­for­dert ist – wel­chen Gehalt kön­nen dann die Artikel zu kom­ple­xe­ren Themen ha­ben?

Mittlerweile gibt es aber auch et­was neu­tra­le­re Beispiele für Berichterstattung über die Szene:

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