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Social Media Week: Medienkompetenz nach Snowden

Hacker schläft
Alles schläft. Einsam wacht das traute Paar aus GCHQ und NSA | Foto: Thomas Bonte - CC BY 2.0

„Wie ge­lingt ei­ne da­ten­be­wuss­te Nutzung des Internet?“ war ei­ne der Leitfragen der Podiumsdiskussion, bei der ich heu­te spon­tan als Diskutant ein­ge­sprun­gen bin. Eine an si­ch schon span­nen­de Frage, der die Medienanstalt Hamburg-Schleswig-Holstein (MAHSH) nach­ge­hen woll­te, wenn da nicht auch no­ch der „Elefant im Raum“ ge­we­sen wä­re.

Die MAHSH hat legt in ih­rer Arbeit ei­ne Fokus auf die Medienkonpetenz bei Jugendlichen. Und so ging es un­ter der Überschrift „GIB DATA – BIG DATA“ auch vor al­lem dar­um, wie wir sou­ve­r­än mit un­se­ren Daten um­ge­hen kön­nen – wir wir zum Beispiel Facebook nut­zen, oh­ne uns gleich ganz aus­zu­lie­fern.

Das Panel war in­ter­es­sant ge­plant: zu den Diskutanten, der Bloggerin Julia Schönborn, dem CCC-Sprecher Jan Girlich, soll­te ei­gent­li­ch no­ch Datenschutzaktivist Malte Spitz kom­men – der war al­ler­dings aus ge­sund­heit­li­chen Gründen ver­hin­dert und so durf­te ich ver­su­chen, die Lücke zu fül­len. Dazu wa­ren zwei Schülerinnen und ein Freiwilligendienstleistender da­bei, die aus der Praxis er­zähl­ten und der char­man­te Moderator, Medien-Rechtsanwalt Stephan Dirks.

Und auch das Publikum konn­te Fragen und Ideen ein­brin­gen. Und das klapp­te auch durch­ge­hend sehr gut – nur an ei­nem Punkt wur­de zu­min­dest ich aus dem Konzept ge­bracht: Ein Teilnehmer wies dar­auf hin, dass wir ja nun seit 2 Jahren wüss­ten, dass oh­ne­hin al­les von je­dem von GCHQ und NSA ge­sam­melt und aus­ge­wer­tet wird. Der Elefant im Raum. Wir dis­ku­tier­ten dar­über, wie man die Privatsphäre-Einstellungen kor­rekt setzt und die Cookies leert, da­mit Google und Facebook nicht al­les mit­krie­gen und ha­ben igno­riert, dass das kein ech­ter Schutz ist – die, die al­les über uns wis­sen wol­len, er­fah­ren das, was sie wol­len.

Ich ha­be die gan­ze Zeit dann ver­sucht, die­se Tatsache in die Diskussion mit ein­zu­be­zie­hen, aber mir ist da­zu nichts ein­ge­fal­len. Die Dinge, über die wir dis­ku­tiert ha­ben, sind al­le nicht fal­sch. Es ist aber kei­ne Lösung für die fremd-staatliche Totalüberwachung. Und ich be­fürch­te, dass auch die CCC-Forderung nach ei­ner Abschaffung un­ver­schlüs­sel­ter Kommunikation nicht viel dar­an än­dert: Die Metadaten fal­len meist wei­ter­hin an und auch die sind in­ter­es­sant.

Ist nun je­de Überlegung zu ei­nem sou­ve­rä­nen Umgang mit dem Internet, wie ihn Julia Schönborn ver­tritt – ist je­de Form der di­gi­ta­len Selbstverteidigung, wie ihn der Chaos Computer Club ver­tritt – ist das al­les sinn­los? Müssen wir uns über­le­gen, wie wir da­mit le­ben, dem Staat ge­gen­über nackt zu sein?

In den letz­ten Tagen ha­be ich mi­ch ein we­nig mit der Geschichte der Friedensbewegung be­fasst. Und in die­ser Zeit, Anfang der 1980er, stan­den die Menschen zwi­schen den gro­ßen Machtblöcken und sa­hen si­ch mit der viel­fa­chen, nu­kle­a­ren Vernichtung be­droht und mit im­mer neu­er Aufrüstung. Die Menschen ha­ben da aber nicht ge­sagt: „Wir müs­sen mal dar­über nach­den­ken, wie wir le­ben, wenn wir al­le tot sind.“ Sie ha­ben si­ch or­ga­ni­siert in klei­nen, lo­ka­len Friedensinitiativen. Sie ha­ben si­ch Aktionen aus­ge­dacht, ih­re Kommunen zu „Atomwaffenfreien Zonen“ er­klärt und sie sind zu hun­dert­tau­sen­den zu Demos ge­fah­ren. Und am Ende hat si­ch tat­säch­li­ch et­was be­wegt. Das ging al­les auch oh­ne Internet.

Das Kreativste, was die „Digitale Bewegung“ seit Snowdens Enthüllungen her­vor­ge­bracht hat, war die Klage des CCC ge­gen die Bundesregierung. Crypto-Parties kön­nen nur der Anfang sein. Wir müs­sen ir­gend­wie da­zu kom­men, dass mehr Menschen ak­tiv wer­den.

Und dann ist na­tür­li­ch das Engagement von Julia Schönborn und Jan Girlich nicht sinn­los. „Think glo­bal­ly, act lo­cal­ly“ Gewaltfreie Erziehung ist auch nicht er­st dann sinn­voll, wenn der Weltfrieden herrscht.

Kommentare

Clemens

Die 5-Eyes-Überwachung ist nicht nur ein tech­ni­sches, son­dern auch ein po­li­ti­sches Problem. Ich glau­be nicht, dass si­ch ein po­li­ti­sches Problem nur mit tech­ni­schen Maßnahmen lö­sen las­sen wird.

Im Bezug auf die Überwachung muss al­so das Ziel sein, durch ge­eig­ne­te po­li­ti­sche Maßnahmen si­cher­zu­stel­len, dass die Überwachung be­en­det oder zu­min­dest ein­ge­schränkt wird. Leider ist z.B. der NSA-Untersuchungsausschuß mehr ei­ne Farce als ein wirk­sa­mes Mittel und auch un­se­re Regierung scheint nicht son­der­li­ch in­ter­es­siert an Konsequenzen zu sein. Bleibt al­so nur, si­ch bei der nächs­ten Wahl ir­gend­wie an­ders zu ent­schei­den und zu hof­fen, dass si­ch die Situation da­durch ver­bes­sert.

Steffen Voß

@Clemens: Genau mei­ne Meinung! Deswegen der Hinweis auf die Friedensbewegung.

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