Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Web 3.0 = Das Semantische Netz

Steffen Voß

Schon vor einigen Monaten initiierte Thilo Pfennig auf dem WebMontag in Kiel eine Diskussion zum Thema „Web 3.0 – Die Zukunft des Internets“. Sein Fokus lag auf der Klärung der rechtlichen Fragen, die durch die Möglichkeiten des Internets aufgeworfen werden – vor allem im Bereich des Urheberrechts scheinen Anpassungen an das neue Medium nötig geworden zu sein. Das ist sicher eines der Themen, mit denen wir uns in Zukunft beschäftigen müssen. Es steht aber auch das nächste große technische Thema vor der Tür: Das Semantische NetzIn seinem Artikel „11 Things To Know About Semantic Web“ beschreibt Bernard Lunn, dass die derzeitige Art, Daten in relationaler Art und Weise zu speichern der tatsächlichen Anwendung hinterher läuft. Selbst die schlausten Konstrukte treffen in der Realität auf Ausnahmen und Spezialfälle.

Wer einmal versucht hat, eine Datenbank-Anwendung zu programmieren, wird wissen, von was Lunn spricht: In jeder Eingabemaske werden immer Felder fehlen, zu viel sein oder misbraucht werden. Ein Problem ist da natürlich auch die sich ändernden Anforderungen.

Die Daten müssen sich mehr oder weniger selbst organisieren – und dabei geht es beim semantischen Web. Alle Daten müssen in Ihrer Art erkennbar sein. Egal ob es sich um eine Adresse oder ein Rezept handelt.

Ein wichtiger Faktor ist hier auch das Tagging mit dem Benutzer Daten Kategorisieren können: Das Foto einer Katze würde klassischerweise in einer Datenbank in einer Art Pfad abgelegt: /Fotos/Tiere/Katze – Damit ist aber nicht viel über das Foto gesagt. Beim Tagging können Benutzer Schlagworte vergeben: Katze, Tier, getiegert, grau, Sprung, fett, Aktion, Tisch, Stuhl,… Dieses Bild kann nun „aus verschiedenen Richtungen“ gefunden werden.

Wenn also von „Selbstorganisation“ gesprochen wird, handelt es sich um eine nicht gesteuerte Organisation durch die Benutzer selbst. Je mehr Meta-Daten zu einem Daten-Objekt verfügbar sind, desto gezielter kann es gefunden werden.

Ein erster Schritt neben dem Tagging sind Microformats als eine Art abgespecktes semantisches Web. Mit den Mitteln von xHTML werden dabei Daten wie Adressen, Termine oder Geo-Positionen semantisch ausgezeichnet – welcher Teil der Adresse ist welcher – welches ist die Straße, welches die Postleitzahl.

Microformats sind aber nicht mehr als eine Brücke in ein neues Zeitalter der Informationsverarbeitung – solange bis für jederman bedienbare Lösungen für die großen Standards RDF, OWL usw. verfügbar und verbreitet sind.

Kommentare

Thilo Pfennig
Thilo Pfennig:

Hallo Steffen,
Ich hatte drei Schwerpunkte:

1. Bedeutung (Semantic Web)
2. Teilen (erleichtern)
3. Rechte (wem gehören Inhalte)

https://wiki.pfennigsolutions.de/Web3.0?action=AttachFile&do=get&target=Web30.pdf

Die hängen alle zusammen. Denn das schönste semantische Web nützt nichts, wenn nachher einer Firma die Tags oder Inhalte gehören, die man selber angelegt hat. Man kann da sicher noch eine Vielzahl an Demos zu machen rund um diese Themen. Ich würde sagen das Web 2.0 hat vor allem am Punkt 2 viel geleistet. Die Communitybildung – aber rechtlich gibt es noch viel zu erkämpfen für die User – das Recht auf ihre eigenen Daten. Und semantisch sind die Web 2.0-Sites meist kaum.

17.2.2008 um 18:04
Steffen
Steffen:

Da sieht man mal wie sich solche Sachen in der Erinnerung verändern. Aber jetzt da ich Dein Startbild sah, hab ich mich wieder erinnert. Vielleicht war für mich der rechtliche Teil interessanter.

Das „Teilen“ wird auch noch mehr werden. Dank solcher Ideen wie OpenSocial wird die Konvergenz zwischen verschiedenen Internetdiensten immer größer werden. Da sind die Web2.0 Angebote noch alle weit von entfernt. Jeder kocht noch sein eigenes Süppchen.

18.2.2008 um 12:01

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