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Transparenzverordnung: Einige Gedanken zum Routerzwang

By: Alessandra Cimatti - CC BY 2.0
By: Alessandra Cimatti - CC BY 2.0

Nach Angaben des Digitale Gesellschaft e. V. plant die Bundesregierung ei­ne ge­setz­li­che Festschreibung des Routerzwangs. Die Internet-Provider soll­ten dem­nach ih­ren Kunden Router ver­mie­ten und nur über die­se Router kön­nen die Kunden den Internetzugang nut­zen. Allerdings steht dies nur „im­pli­zit“ in ei­nem Referententwurf zur TK-Transparenz­verordnung.

Bisher ha­be ich die Erfahrung ge­macht, dass si­ch Koalitionspartner ziem­li­ch ge­n­au an den Koalitionsvertrag hal­ten. Ein Abweichen birgt halt im­mer die Gefahr, dass auch der Rest im­mer we­ni­ger Gültigkeit be­hält – aber man will ja doch auch no­ch Dinge durch­set­zen. Im Koalitionsvertrag steht zum Thema Routerzwang:

„Wir wol­len ei­ne ge­setz­li­che Klarstellung für den Netzzugang von Telekommunikationsanbietern. Nutzerinnen und Nutzer müs­sen die freie Auswahl an Routern be­hal­ten. Daher leh­nen wir den Routerzwang ab. Die zur Anmeldung der Router (TK-Endeinrichtungen) am Netz er­for­der­li­chen Zugangsdaten sind den Kundinnen und Kunden un­auf­ge­for­dert mit­zu­tei­len.“

In dem Entwurf, den netzpolitik.org ver­öf­fent­licht hat, steht nun, dass es nur ei­nes Hinweisen an die Kunden be­darf, „so­fern das in­te­grier­te Zugangsgerät vom Kunden nicht aus­ge­tauscht wer­den darf“. Im vo­ri­gen Entwurf soll­ten die Kunden so­gar no­ch über die Möglichkeit zum Austausch des Geräts hin­ge­wie­sen wer­den. Die jet­zi­ge Fassung ent­spricht al­so nicht mehr der Intention des Koalitionsvertrags.

Ich bin ein gro­ßer Freund der frei­en Wahl von Hard- und Software – bei mir zu Hause küm­mert si­ch zum Beispiel ein DD-WRT um das WLAN. In die­sem Fall kann ich aber das Anliegen der Provider ver­ste­hen. Während des Studiums ha­be ich in der tech­ni­schen Hotline ei­nes deut­schen Pay-TV-Senders ge­ar­bei­tet. Und der Anspruch der Kunden war schlicht: Ich be­zah­le da­für, dass das Fernsehen bei mir läuft. Denen war egal, ob es nicht funk­tio­nier­te, weil sie selbst die Geräte no­ch nicht an­ge­schlos­sen ha­ben, oder ob tat­säch­li­ch ein Fehler auf Seiten des Anbieters lag. Der Support war nur so ei­ni­ger­ma­ßen zu be­wäl­ti­gen, weil im Prinzip al­le Kunden die glei­chen Endgeräte hat­ten – man konn­te das Angebot gar nicht oh­ne bu­chen. Die Spezialisten, die ein an­de­res Geräte be­nut­zen, wa­ren ent­spre­chend nicht über­rascht, wenn man ih­nen nicht hel­fen konn­te.

Es gibt tau­sen­de von Routern – nie­mand kann da­für kom­pe­ten­ten Support leis­ten. Die Kundschaft er­war­tet es aber so. KielNet hat mir ei­ne FritzBox vom Feinsten hin­ge­stellt. Die wird zen­tral kon­fi­gu­riert. Der Kunde muss das Gerät nur ein­stöp­seln und kann los­le­gen. Der Support kann kom­pe­tent hel­fen, weil die Einstellungen und Macken be­kannt sind. Ich ha­be mei­nen DD-WRT-Router ein­fach hin­ter die FritzBox ge­hängt und zum Beispiel den DHCP an der FritzBox aus­ge­schal­tet.

Früher hat man für ei­nen DSL-Anschluss ei­ne gan­ze Batterie Geräte be­kom­men: NTBA, Splitter, DSL-Modem und dann hat man dar­an den Router ge­hängt. Da hat si­ch nie­mand dar­über auf­ge­regt, dass man kei­nen ei­ge­nen NTBA, Splitter usw. be­nut­zen konn­te. Ein Problem ist das er­st, seit al­les in ei­nem Gerät kom­bi­niert ist. Router gibt es halt vom Basisgerät bis hin zum Bastel- oder Luxusrouter. Und da man si­ch nicht dar­auf ver­las­sen kann, dass man vom Internet-Provider schon das Wunschgerät be­kommt, kann ich ver­ste­hen, dass man nicht ge­zwun­gen sein will, ein Gerät be­stimm­tes be­nut­zen zu müs­sen. Für die meis­ten Kunden ist das aber kein Zwang, son­dern ein prak­ti­sches Angebot.

Vielleicht wä­re es al­so ein Kompromiss, wenn die Provider Geräte an­bie­ten, die wirk­li­ch nur die Verbindung (TAE-In / Ethernet-Out) zum Internet her­stel­len und man kann da sei­nen ei­ge­nen Access-Point an­schlie­ßen. Das wür­de den Support-Aufwand bei den Providern mi­ni­mie­ren und den Kunden die Freiheit las­sen. Man bucht den Internetzugang dann ent­we­der mit die­sem Mini-Gerät oder mit ei­nem re­gu­lä­ren Router. Der Anbieter müss­te prin­zi­pi­ell nur zwei Geräte sup­por­ten und die Kunden hät­ten al­le Freiheiten. Oder über­se­he ich da et­was? Im Zweifel bin ich na­tür­li­ch da­für, dass je­der sei­nen Lieblingsrouter be­nut­zen darf…

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  1. Gedanken zum Routerzwang - Philipp Gabriel

Kommentare

Frank Werner

Ich glau­be, dass Problem liegt wo­an­ders. Mit den ge­stell­ten Routern wird der Wettbewerb aus­ge­he­belt und be­stimm­te Routeranbieter fa­vo­ri­siert durch Rahmenverträge mit den Providern.
Bei den Kabelreceivern läuft es ja ähn­li­ch. Die Freaks ha­ben ge­push­te Dreamboxen und Otto-Normal-Empfänger ei­ne Altbox mit Scartausgang …
Beste Grüße

Steffen Voß

Ich sag ja: man muss nur si­cher­stel­len, das man hin­ter dem Einwahlgerät tun kann, was man will.

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