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Design: Die ultimative Kieler-Woche-Plakat-Kritik

Kieler Woche Plakat 2015
Kieler Woche Plakat 2015 | Design: Stefan Guzy und Björn Wiede

Es gibt ein jährliches Ritual in Kiel: Seit Oberbürgermeister Andreas Gayk die Kieler Woche nach dem Zweiten Weltkrieg wiederbelebt hat, gibt es jährlich ein Plakat, das die Veranstaltung bewerben soll. Während das Plakat in den ersten Jahren stets von Niels Brodersen entworfen wurde, wird seit 1950 ein Designwettbewerb abgehalten. Kurz nach der Kieler Woche wird dann das Plakat für die nächste Kieler Woche gekürt und der Öffentlichkeit präsentiert. Teil zwei des Rituals ist die öffentliche Empörung über die Auswahl.

„Er [Der Plakatmacher] muß etwas erfinden, das selbst den Durchschnittsmenschen anhält und anregt, wenn er vom Pflaster oder Wagen aus das Bild der Straße an seinen Augen vorbeieilen lässt.“
Jules Cheret, Begründer der Plakatkunst.

Wenn man sich die Galerie mit den Sieger-Entwürfen der letzten Jahrzehnte anschaut, sind die Kieler Woche Plakate meistens blau – wie Wasser und Himmel. Sie zeigen oft Segel – stilisiert gerne als weiße Dreiecke. Wind und Wellen sind weitere wiederkehrende Element. Nicht verwunderlich, denn was viele Kieler gar nicht wissen: Die Kieler Woche ist ein Segelwettbewerb mit angeschlossenem Volksfest. Wind, Wellen, Segel drängen sich also als Motive auf. Die Plakate sind in der Regel abstrakt und grafisch – selten einmal figürlich oder fotografisch und dann meist grafisch überarbeitet.

Es steht immer „Kieler Woche“ drauf, es ist immer das Jahr und mit dem genauen Daten zu lesen. Manchmal sind die Motive nüchtern und ernst und manchmal verspielt und witzig. Was die Plakate immer sind: Ein Spiegel des Stils ihrer Zeit: 1950er, 1960er, 1970er, 1980er, 1990er oder die Plakate der letzten 14 Jahre – kaum eines würde man in das falsche Jahrzehnt einordnen, wenn man sie unbeschriftet sortieren müsste.

Das Plakat für 2015 passt großartig zu den aktuellen Stil-Vorlieben (Stichworte: Flat-Design oder Polygon-Design) – wie vermutlich jedes Plakat zur jeweiligen Zeit passte. Im Nachhinein ergibt das ein tolles Gesamtbild und wem dann doch mal ein Plakat so gar nicht liegt: Im nächsten Jahr gibt es ein neues.

Kommentare

NetLektorin

aha, Polygon-Design … aber das ist doch dann (wenigstens quasi) dreidimensional, und Flat-Design … da steht doch (wenigstens) was drauf – o.k., ich merk schon, ich warte dann mal auf next year.

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