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Kolumne: Kein Gewissen für Technik

Oneplus One
Der Auslöser für diesen Text: Das wunderbare Oneplus One / CC-BY-2.0

Wenn ich Kleidung kau­fe, ach­te ich dar­auf, dass sie nicht all­zu bil­lig ist. Ein T-Shirt für 5 Euro – da ist klar, dass es oh­ne Rücksicht auf Mensch oder Natur her­ge­stellt wur­de. Wenn ich mehr aus­ge­be, hof­fe ich, dass da nicht ein­fach nur der Hersteller mehr dran ver­dient, son­dern dass auch die Arbeiter et­was da­von ha­ben – über­prü­fen kann ich das nicht.

Auch bei der Ernährung ach­te ich meis­tens dar­auf, dass Tiere nicht lei­den und Menschen nicht aus­ge­beu­tet wer­den. Und ich ha­be den Eindruck, dass vie­le Menschen das in­zwi­schen so ma­chen. Allein bei elek­tro­ni­schen Geräten scheint das Gewissen aus­zu­set­zen: Wenn das neue Telefon er­scheint oder das Tablet in­ter­es­san­ter wirkt als das al­te Laptop, dann juckt es in den Fingern. Und der al­te Röhrenfernseher – war­um hält das blö­de Ding so lan­ge?

Neue Geräte ver­spre­chen neue Möglichkeiten. Neue Freiheit. Die Preise sind oft so güns­tig, dass man sie si­ch oh­ne zu spa­ren leis­ten kann und doch so teu­er, dass man si­ch et­was gönnt. Super at­trak­tiv. Doch klar ist auch: Seltene Erden sind Grund für ei­nen zum Teil blu­tig ge­führ­ten Kampf um Ressourcen. In den Fabriken in Asien lei­den die Menschen geis­tig wie kör­per­li­ch. Und die Altgeräte kön­nen bis­her nur schwer re­cy­celt wer­den. Das Problem ist, dass es hier kei­ne gu­te Alternative gibt. Die sel­te­nen Erden kom­men al­le aus den glei­chen Gruben. Die Geräte wer­den al­le in den sel­ben Fabriken un­ter den sel­ben schlim­men Bedingungen her­ge­stellt. Und al­le sind gleich schlecht zu re­cy­celn.

Das Projekt „Fairphone“ ist an­ge­tre­ten, die­se Probleme zu lö­sen. Doch nach­dem das Gerät auf dem Markt war, muss­ten die Macher ein­räu­men, dass der Weg no­ch weit ist: Wenn „fair“ die Lösung al­ler Probleme sei, dann ha­be das Fairphone bis­her er­st Null Komma Irgendetwas Prozent da­von er­reicht.

Es ist gut, dass das Projekt die­sen Weg geht. Und es ist auch gut, dass si­ch die gro­ßen Hersteller zu­min­dest of­fi­zi­ell auf die Fahnen ge­schrie­ben ha­ben, auch et­was an den Problemen zu än­dern. Leider kann man in die­sem Fall als Kunde re­la­tiv we­nig tun. Ich aber wer­de mein sechs Jahre al­tes Netbook er­st ge­gen ein Tablet ein­tau­schen, wenn es ka­putt ist. Auch wenn die Finger ju­cken.

Diese Kolumne ist zu­er­st am 2. August bei shz.de er­schie­nen.

Kommentare

Thomas

Vielleicht muss man aber auch mal ins Bewusstsein ru­fen ,dass auch ein ge­brauch­tes Gerät ei­ne gu­te (und güns­ti­ge) Alternative sein kann. Ich nut­ze der­zeit ein ge­braucht ge­kauf­tes iPho­ne, Tablet und ei­ne Digitalkamera und al­le er­fül­len klag­los ih­ren Dienst – von ein paar Schönheitsfehlern ab­ge­se­hen. An der Stelle muss man Apple auch mal lo­ben, da die im­mer­hin auch für äl­te­re Geräte no­ch Updates auf die ak­tu­el­le iOS-Version be­reit stel­len – bei Android sieht’s da ja nicht so gut aus…

Steffen Voß

Das ist im Prinzip war. Mein Fernseher ist auch ge­braucht. Aber ich hab da echt ein we­nig Angst vor die­ser „ge­plan­ten Obsoleszenz“ – Dann geht das Gerät no­ch per­fekt und ge­n­au zwei Jahre nach dem Kauf, geht dann ir­gend­was ka­putt.

Beim be­sag­ten Laptop sind auch schon län­ger die Lautsprecher ka­putt. Das geht halt nur no­ch per Kopfhörer. Das Display da­ge­gen mus­s­te ich schon 14 Tage nach dem Kauf aus­tau­schen las­sen. Da ist mir das Ding dum­mer­wei­se run­ter­ge­fal­len. 😀 Die Festplatte hab ich durch ne SSD er­setzt und den RAM auf­ge­rüs­tet. Und mit dem rich­ten Betriebssystem zeigt mir das Ding halt in or­dent­li­cher Geschwindigkeit Webseiten an. Was will man im Prinzip mehr?

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