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Debatte: Glasfaser für alle! Nur wie?

Glasfaser
Glasfaser | Bestimmte Rechte vorbehalten von roshan1286

Eine na­tio­na­le Breitband-AG könn­te den Glasfaserausbau in Deutschland be­schleu­ni­gen. Das er­klärt Nico Lumma in sei­nem ak­tu­ell Blogbeitrag. So wie es bis­her ge­lau­fen ist, mit wohl­mei­nen­den Appellen an die Wirtschaft und mit ei­nem run­den Tisch wie Netzausbauminister Dobrindt (CSU) ihn ge­ra­de in ei­nem Interview mit der WELT vor­ge­schla­gen hat, wird es je­den­falls nichts.

Auch wenn vie­le Menschen heu­te no­ch mit ge­rin­gen Bandbreiten zu­recht kom­men – die durch­schnitt­li­ch be­nö­tig­te Bandbreite ver­dop­pelt si­ch al­le 18 Monate, wenn ich mi­ch recht an Christoph Bechtels Vorträge auf dem WebMontag er­in­ne­re. Streamingdienste für Musik und Video wer­den im­mer be­lieb­ter und wer nicht nur den ei­nen Fernseher im Wohnzimmer mit HD- oder gar 4K-Videos ver­sor­gen will, der braucht ganz si­cher im­mer mehr Bandbreite. Die klas­si­sche Klingeldraht-Technologie stößt im­mer mehr an sei­ne Grenzen. Trotzdem setzt die Telekom wei­ter­hin dar­auf – auf Kosten der an­de­ren Anbieter.

Ein Ausweg bie­tet Glasfaser. Dort sind die mög­li­chen Bandbreiten schier un­er­schöpf­li­ch. Bisher hängt der Ausbau mit Glasfaser bis ins Haus (FTTH) vom Zufall Markt ab. In den länd­li­chen Regionen Schleswig-Holsteins zum Beispiel ist der Leidensdruck mit nied­ri­gen Bandbreiten so groß, dass si­ch Bürgerinitiativen oder die Kommunen selbst dar­um küm­mern. Zum Teil scheint es fit­te Leute in kom­mu­na­len Versorgungsbetrieben und der ört­li­chen Politik zu ge­ben, die si­ch dar­um küm­mern. Wie im­mer hängt das aber am Geld. In Nordfriesland kommt das Geld aus Windparks. Norderstedt hat Stadtwerke, die si­ch über ei­ne Tochterfirma dar­um küm­mern kön­nen. Kiel hat­te mal Stadtwerke, de­ren Tochterfirma si­ch dar­um küm­mern woll­te. Nun macht das die Telekom. Aber nur hier und da. Parallel zum Ex-Monopolisten ver­gra­ben no­ch ver­schie­de­ne klei­ne­re Firmen Glasfaser – im­mer dann, wenn je­mand da­für be­zahlt.

Ein we­nig wie bei den Goldgräbern wer­den die lu­kra­tivs­ten Claims ab­ge­steckt. Ein Konzept gibt es nicht. Der Breitbandplan des Landes sagt we­nig da­zu, wie da­für ge­sorgt wer­den soll, dass am Ende je­der ei­nen Glasfaseranschluss im Haus hat. Und wie si­cher­ge­stellt wird, dass man si­ch auch no­ch aus­su­chen kann, wer ihm das Internet lie­fern soll. Es be­steht das Risiko, dass man si­ch zu­künf­tig mit dem Wohnort auch gleich den Internetanbieter aus­sucht.

„Mir wi­der­strebt es sehr, ge­ra­de der Branche, über in­trans­pa­ren­te Tarifmodelle ih­re Kunden sei­te Jahren schröpft, de­ren Kundenzufriedenheit mi­se­ra­bel und de­ren Innovationsgrad über­schau­bar ist, auch no­ch Geld hin­ter­her­zu­wer­fen, da­mit sie ih­re Kundenbasis wei­ter aus­bau­en.“

Von Wettbewerb kann dann nicht mehr die Rede sein. Deswegen hat Nico Lummas Vorschlag ei­ner na­tio­na­len Breitband-AG den Vorteil, dass das Netz un­ab­hän­gig von den Dienstleistungsanbietern aus­ge­baut wer­den kann. Dann müs­sen nir­gend­wo meh­re­re Glasfaser-Kabel ver­gra­ben wer­den, um Wettbewerb zu er­hal­ten. Dann wür­de das Glasfaserinternet so funk­tio­nie­ren wie das Telefon heu­te: Das ei­ne Unternehmen küm­mert si­ch um das Netz und die an­de­ren kau­fen si­ch da ein, um ih­re Dienstleistungen dar­über an­zu­bie­ten.

Ja, das wä­re ein Monopol. Aber ein re­gu­lier­tes Monopol und kei­nes das ent­stan­den ist, weil die Telekom die Konkurrenz ver­drängt. Bei Infrastrukturen macht Konkurrenz über­haupt kei­nen Sinn. Das gut aus­ge­bau­te Straßennetz in Deutschland ist ei­ne der Stützen, die so­wohl die Gleichheit der Lebensbedingungen als auch den wirt­schaft­li­chen Erfolg si­chert. Hätte man den Straßenausbau so vor­an­ge­trie­ben wie heu­te den Breitbandausbau, dann gä­be es Autobahnen von Hamburg nach Lübeck und Kiel und viel­leicht ei­ne or­dent­li­che Straße über Rendsburg nach Flensburg. Im Rest des Landes en­den Kreisstraße an Kreisgrenzen und zum Teil sind sie nicht ein­mal asphal­tiert. Die Gegenden um Windparks wä­ren groß­zü­gig und über­all aus­ge­baut. In Kiel aber gä­be es an ei­ni­gen Stellen zwei Straßen ne­ben­ein­an­der und an an­de­ren Stellen Trampelpfade. Durch staat­li­che Förderung wä­re das nur schnel­ler ent­stan­den – nicht bes­ser.

Kommentare

Frank Ulrich

Es wird kei­ne „na­tio­na­le Breitband AG“ ge­ben. Konstruktiuve Antworten zu die­ser Frage blei­ben vie­le Diskussionsteilnehmer schul­dig. Dieser Markt ist zwi­schen­zeitg zu kom­plex, um ihn mit ein­fa­chen und schnel­len Argumenten und Methoden nach vor­ne zu brin­gen.

Vielleicht ist der ein­ge­schla­ge­ne Weg der lang­fris­ti­gen Finanzierung der Basisinfrastruktur (Leerrohrverlegung) am Sinnvollsten.

Zusätzlich schla­ge ich die Vermittlung von Knowhow auf brei­ter Basis für die han­deln­den Stellen vor. Hier herrscht nach wie vor gro­ßer Wildwuchs und es wer­den Millionen Euro buch­stäb­li­ch in den Sand ge­setzt.

In mei­nem be­ruf­li­chen Alltag se­he ich die­se Defizite häu­fig. Mit ei­nem Katalog von Handlungsanweisungen und der bes­se­ren Vermittlung von Erfahrungen läßt si­ch der Breitbandausbau evtl. schnel­ler um­set­zen.

Steffen Voß

Danke für Deine Meinung, Frank. Das mit der Know-How-Vermittlung ha­be ich auch schon ge­dacht. Aber ich dach­te dann, dass ei­gent­li­ch das Breitbandforum ge­n­au das ma­chen soll­te, oder? Was wür­dest Du vor­schla­gen?

Frank Ulrich

Stand heu­te gibt es ei­ne Liste von Beratern und kei­ne Qualitätsprüfung oder Maßnahmen zur Qualifizierung für Berater. Dazu fehlt es ggf. auch an Konkretisierung der Zielvorgaben ei­ner Breitbandstrategie und de­ren Umsetzung. Das Breitbandkompetenzzentru in SH leis­tet be­reits gu­te Arbeit, dies könn­te man wei­ter aus­bau­en.

Der Grat der Umsetzung ei­ner Breitbandstrategie zwi­schen der Vereinheitlichung auf der ei­nen Seite und der nö­ti­gen Integration des frei­en Wettbewerbes han­deln­der Unternehmen in die­sem Umfeld ist so eng nicht, je­doch kein Selbstgänger. Hier se­he ich die Aufgabe „der Politik“, dies ziel­füh­rend zu be­glei­ten und Rahmenbedingungen zu schaf­fen.

Kurz: Konkretisierung der Breitbandstragie des Landes und de­ren Ableitung auf ein­zel­ne tech­ni­sche Lösungen. Dann Hilfestellung ge­ben zur Umsetzung in al­len Bereichen (Technik, Finanzierung, Umsetzung, Vertrieb und Betrieb). Diese Hilfestellungen kann man stan­dar­di­sie­ren und mo­ni­to­ren.

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