Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Beschwerde : Warum mir Google+ auf den Geist geht

Googleplex | Foto: luistxo eta marije

Steffen Voß

Immer wieder muss ich mich in letzter Zeit mit Googles sozialem Netzwerk „Google+“ herumschlagen. Nachdem mich Ümit vorhin gefragt hat, warum ich mich mit diesem „überflüssigen Google+ quäle“, finde ich, dass es an der Zeit ist, mal eine Beschwerde aufzuschreiben.

Als Netzwerk ist Google+ in der Tat völlig überflüssig. Das meiste, was ich da sehe, ist zweitverwerteter Inhalt, den ich von den gleichen Kontakten schon auf Twitter und Facebook gesehen habe – nur viel, viel weniger. Man verpasst einfach eine Menge, wenn man seine Zeit auf Google+ verbringt. Ich frage mich immer noch, wer 750 von den 817 Leuten sind, in deren Kreise ich gerade bin. Und trotzdem schafft es Google, das Netzwerk überall aufzudrängen.

Ein Beispiel: In den Google Suchergebnisseiten befinden sich immer häufiger Beiträge mit dem Bild des Autoren. Das kommt von Google+ – und nach und nach werden diese Bilder zum Hingucker und zum Klickfaktor. Wer diese Chance nicht ungenutzt lassen möchte, muss sich ein Google+ Profil zulesen und idealerweise jeden neuen Artikel auch dort posten. So soll Google schneller von neuen Inhalten erfahren. Und weil Google+ keine API zur Verfügung stellt, muss man das natürlich manuell machen. Das Gleiche gilt für Marken: Wer will für sein Unternehmen, oder seine Organisation darauf verzichten, dass die Beiträge samt Logo in den Suchergebnissen auftauchen?

Alle Benutzer von Youtube und alle Channel-Betreiber, alle Picasa-Nutzer bekommen ein Google+Profil aufgedrängt. Bei allen möglichen Google-Diensten ist das eigene Google+Profil nur einen falschen Klick entfernt. Es ist eine Frage der Zeit, bis jeder, der ein Android-Telefon aktivieren will, ein Profil aufgedrängt bekommt. Hast Du schon einmal versucht auf einem Android-Telefon die Google+App zu deinstallieren? Es geht nicht.

Und wenn ich dann zum Beispiel nach Ümit google, bekomm ich neben den Suchergebnissen den Kasten mit dem Link zu seinem Google+Profil – zumindest, wenn ich dort mit ihm befreundet bin. Kaum ist man in irgendeinem Google-Service eingeloggt, hat man das Benachrichtigungsdings rechts neben jedem Suchergebnis und man wird dadruch ständig darauf hingewiesen, dass es vielleicht doch irgendwas geben könnte, was man gerade auf Google+ verpasst. Das passiert aber nie! Da hat noch nie irgendwer etwas verpasst!

Während Google auf der einen Seite mehr und mehr Dienste miteinander verknüpft, macht Google auf der anderen Seite die Tür zu und schafft Schnittstellen ab. Google+ wird allein deswegen wichtig, weil Google wichtig ist und Google sagt, dass Google+ wichtig ist.

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Kommentare

Oliver
Oliver:

Schön gesagt, und was wird die Konsequenz sein? Eigentlich doch ganz einfach: Google+ abschalten, Google-Account löschen. Warum nicht?

8.1.2014 um 18:40
Mathias
Mathias:

Also ich kann G+ auf meinem Android deinstallieren. Kein Problem.

Aber die zwingende Verknüpfung von Google-Diensten mit einem G+ Account ist in der Tat nervig. Dennoch finde ich den Dienst gar nicht schlecht. Ich finde in meinen Kreisen und Communities immer mal Content, den ich sonstwo noch nicht gefunden haben. Nicht bei FB und auch nicht bei Twitter oder in meinem hunderten Feeds.

8.1.2014 um 22:09

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