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Web-Standards: RSS frisst kein Brot und es trocknet nicht aus

Wasserhahn
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In seinem Blog fragt Dennis Erdmann „Wer liest noch RSS-Feeds?„. RSS ist ja immer wieder ein Thema – vor 2 Jahren, als der RSS-Button aus dem Firefox entfernt wurde.  Oder vor Kurzem, als Google das Ende seines Google Readers ankündigte. Und ich bin mittlerweile der Ansicht, dass RSS gleichzeitig unter- und überschätzt wird.

Ich habe TinyTinyRSS installiert und lese dort gelegentlich per Android-App. Das ist mittlerweile ein echt guter Reader – der natürlich Stand-Alone ist und deswegen keine tollen Empfehlungen macht usw. Ich habe mir ein Addon im Firefox installiert, das mit wieder den RSS-Button in der Adress-Zeile anzeigt – Firefox erkennt die RSS-Links ja im Header der Seite und wenn ich den Button klicke, leitet mich Firefox auch automatisch an mein TinyTinyRSS weiter, wo das neue Abo dann nur 2-3 Klicks bedeutet.

Für’s Ironblogging ist RSS unersetzlich – alternativ müsste jemand manuell die Blogs absurfen und gucken, ob gebloggt wurde.

Und unmöglich wäre auch das automatische Posten der Artikel per Kiel1337-Twitter-Account – Unter anderem aus diesen Links wird dann „Der WebMontag“ – Und das lese ich eigentlich ganz gerne.

Das Problem ist auch nicht RSS als Format, sondern die Nutzung. Als Nutzer muss man mit einem RSS-Reader selbst seine Balance finden: Was sind die richtigen Feeds? Wo gibt es zu viel Infos? Was mach ich, wenn ich mal keine Zeit habe, die übliche Menge Artikel zu lesen? Fühle ich mich unter Druck gesetzt, wenn viele Artikel ungelesen markiert sind? RSS-Reader machen so ein ähnlich schlechtes Gefühl, wie ein schlecht organisiertes Mail-Postfach. Dabei sagt ja niemand, dass man das alles auch wirklich lesen muss und dass man etwas verpasst, wenn man einfach ab und zu “alles gelesen markieren” klickt. Der Reader bietet aber die Chance, interessante Artikel zu finden, wenn man denn mal Zeit dafür hat. RSS ist wie ein Wasserhahn, aus dem ständig Wasser läuft – nur verschwendet man das Wasser nicht. Man kann aber bei Gelegenheit draus trinken.

RSS als Angebot im eigenen Blog bietet eine Menge Möglichkeiten und es frisst kein Brot. RSS ist eher für den “Long-Tail”. Deswegen ergibt es keinen Sinn, würde man es tot sagen. Man weiß halt nicht, wann man es mal wieder braucht.

Kommentare

Udo

Feeds und Blogs haben das selbe wiederkehrende Problem, sich mit ihrer Daseinsberechtigung auseinandersetzen zu müssen. Und warum? Weil der Verfasser, i.d.R. Blogger, sich gern beschäftigt, wenn es denn sein muss mit sich selbst. Anlass dafür kann scheinbar mangelnde Nachfrage sein, oder überzogene Erwartungen daran, oder das sich aus dem Tun nichts ergibt als Kritik, man sei ein Tunichtgut, indem man so „viel blogge“ – da schreibe ich allerdings nur für mich. Mir geht diese Selbstkritik nicht auf die Eier, so wie früher, sondern ich sehe sie als was sie ist: Reflektion, und die ist wichtig, und sie täte auch anderen gut, wie beispielsweise unserer Presse und der Politik.

Das Twitter Feeds abschaltet oder zumindest versteckt, Google seinen Reader einstellt und Firefox den Button entfernt, hat weniger damit zu tun, ob und wie häufig sie benutzt werden, als vielmehr Intensivtäter lieber auf die eigenen UI zu lenken als Drittanbietern zu überlassen.

So schön und gut API für die Welt sind: Ökosysteme sind es nicht, noch nicht. Und darum wird ihr Nutzen auch eingeschräntk. Twitter reduziert die Nutzung, weil es mit Werbung in Tweetdeck und auf der Website Geld verdient. Google schaltet den Reader ab, um das Abonnieren von Angeboten in + attraktiver zu machen. Firefox absorbiert immer mehr ehedem von Plugins bereitgestellte Funktionalität, weil Plugins das Gesamtsystem instabil und den Nutzer abspenstig machen.

So hat jeder seine Interessen, vorgebliche wie tatsächliche wollen dabei wohl unterschieden werden.

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