Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Ingress : Gamer an der frischen Luft

Ingress Screenshot
Ingress Screenshot

Steffen Voß

Eine seltsame, neue Energie überflutet die Welt. Sehen kann man sie nur mit einem Smartphone und  einer entsprechenden App. Wer der Meinung ist, dass diese Energie etwas Gutes ist, schließt sich den Erleuchteten an. Die Anderen sind der Widerstand. Und dann geht es raus mit dem Smartphone an die frische Luft, um der eigenen Fraktion zur Hoheit zu verhelfen. Das in etwa ist der Rahmen des Spiels „Ingress“ von Google.

Mir hat damals das Kartieren für OpenStreetMap sehr viel Spaß gemacht: Mit jedem Spaziergang wurde die Karte im Internet genauer und vollständiger. Mittlerweile ist OpenStreetMap unglaublich detailliert und genau. Es gibt keinen Grund mehr, mit dem GPS-Gerät oder dem Smartphone durch die Stadt zu laufen. Ich habe mich deswegen gefreut, dass Google ein Spiel daraus gemacht hat.

Zurzeit muss man nach der Registrierung ein paar Tage bis zur Freischaltung warten, wenn man sich dann einer der beiden Fraktionen angeschlossen hat, kann es losgehen: Verteilt auf der ganzen Welt sind Energieportale – in der Regel sind das Sehenswürdigkeiten. Diese Portale kann man für die eigene Fraktion übernehmen. Man kann die Portale verbinden und mit mehreren dieser Verbindungen kann man Flächen-Felder erzeugen. Mit der Zeit sammelt man Erfahrungspunkte und man bekommt mehr Fähigkeiten, Portale zu übernehmen bzw. zu schützen. Nach vier Tagen bin ich jetzt fast auf Level 4 – es geht bis Level 8. Ich vermute aber, dass es jetzt langsamer geht. Nach Level 8 geht es nur noch um Ruhm und Ehre.

Witzig ist, dass das Spiel einen tatsächlich dazu bringt, hier noch einen kleinen Umweg zu laufen und da noch einen Schlenker zu machen. Man kommt also tatsächlich raus und selbst wenn man nur irgendwo hin gehen will, nimmt man nicht mehr den kürzesten Weg, weil man zwischendurch noch ein paar virtuelle Gegenstände einsammeln kann. Gestern ist mir sogar schon der erste Gegenspieler über den Weg gelaufen: Ich stand gerade vor der Hauptsparkasse und versuchte das Portal an der „Lohn- und Preisspirale“ zu übernehmen, da kam ein wildfremder, junger Mann zügig auf mich zu: „Neee Neee Neee! Das hab ich doch gerade erst gemacht.“ Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich irgendetwas falsch gemacht habe. Aber er hat sich dann schnell in sein Smartphone vertieft, um den Ausgangszustand wieder herzustellen und ich bin weiter gegangen.

Es scheint eine Menge echter Fans zu geben. Es gibt eine Google+ Gruppe für die Erleuchteten in Kiel und allein die hat fast 50 Mitglieder. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich daran auf Dauer Spaß habe. Man kommt später offenbar nur in Gruppen weiter. Und ich hab eigentlich keinen Bock auf Rudel-Action. Außerdem hat das Spiel überhaupt kein Ziel. Die Fraktionen werden immer relativ ausgeglichen groß sein und die Einflusssphären werden immer hin und her gehen. Hat man abends dafür gesorgt, dass sie Innenstadt grün ist, macht sie am Morgen garantiert wieder jemand blau. Die Motivation muss man dann daraus ziehen, dass man gemeinsam Portale auf hohem Level aufbaut und große Felder erzeugt. Neulich hat es jemand geschafft fast ganz Schleswig-Holstein in ein grünes Feld zu fassen. Aber ehrlich: Dazu fehlt mir der Ehrgeiz.

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