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Die Welt ist kein Dorf mehr

Auch wenn alle vom „Global Village“ reden – das trifft nur für die virtuelle Welt zu. Die echte Welt ist kein Dorf. Zumindest ist die echte Welt kein Dorf mehr. Die Welt ist eine Stadt. In diesem Jahr leben zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. 2/3 davon in den ärmsten Ländern der Welt und dort ca. die Hälfte in Slums. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen.Während in den Industrieländern ungefähr 75% der Menschen in Städten leben und die Steigerungsraten nur noch geringfügig sind, leben in den armen Ländern (mit Ausnahme von Lateinamerika) nur 30-40% in den Städten. Es gibt in also noch eine Menge Potenzial.

Während in den Industrieländern das Wachstum der Städte stark an das Wachstum der Wirtschaft gekoppelt war, trifft das auf die entwickelnden Ländern nicht zu. Entsprechend leben mehr und mehr Menschen in Slums. Der Hauptgrund dafür ist die Bevölkerungsexplosion. Heute leben mehr Menschen in den Städten der dritten Welt als es 1950 überhaupt gab.

Zwar bieten die Städte auch die Chance über den „Ecomony of Scale“-Effekt, mehr Menschen effizienter zu versorgen als die weit verstreuten Menschen auf dem Land – immerhin können sich in der Stadt mehr Menschen zentrale Infrastruktur wie Frisch- und Abwassereinrichtungen oder Schulen teilen. Auf der anderen Seite sind die Menschen in den Städten vermehrt Gewalt und Kriminalität ausgesetzt. Da Slums weitestgehend aus illegal besetzen und bebauten Grundstücken bestehen, leben die Bewohner in der prekären Situation, dass ihnen jederzeit das Dach über dem Kopf abgerissen werden kann.

Die Enge der Städte erleichtert die Verbreitung von Krankheiten und die provisorische Bauweise macht die Gebäude anfälliger für Naturkatastrophen wie Unwetter und Erdbeben.

Mittlerweile gibt es 20 Städte mit über 10 Millionen Einwohnern und 400 Städte mit über 1 Million Einwohner. Die meisten davon befinden sich in den armen Ländern. In diesen Städten wachsen soziale und ökologische Probleme. Viele Bewohner können nicht adäquat mit Frischwasser versorgt werden und legen deswegen in Eigenarbeit Brunnen und Handpumpstationen an. Der Grundwasserspiegel zum Beispiel in Lagos senkt sich dadurch pro jahr um 2 Meter ab. Wasser wird immer knapper.

Dazu kommt das alltägliche Verkehrschaos: Oft ist das Benzin knapp und die Autos stehen stundelang in Schlangen an Tankstellen um sich dann in einem einzigen Stau durch die Stadt zu schieben.

Was aber zieht die Menschen in die Stadt, wenn sie dann ohnehin nur in Slums leben und kaum Aufstiegschancen haben? Zum Einen wären diese Menschen auch auf dem Land arm. Zum Anderen verheißen die Städte eine gewisse Hoffnung, die vor allem durch die globalisierten Medien verbreitet werden. Auch im letzten Winkel der Welt gibt es inzwischen Fernsehen, und da läuft im Prinzip nichts anderes als in der westlichen Welt. Die Menschen ziehen in die Städte aus dem gleichen Grund, warum Menschen Lotto spielen: Sie haben nichts zu verlieren und bekommen die, wenn auch nur kleine, Chance auf ein besseres Leben.

Links:
World Urbanization Prospects 2005
Verstädterung in Entwicklungsländern, Wikipedia
Mike Davis: Planet der Slums
Planet of Slums (engl.)
Statistik der Verstädterung, Bundeszentrale für politische Bildung
Unser täglich Gemetzel
Megacities Taskforce, Uni Köln
UN Habitat
A tale of Two Cities, World Urban Forum II

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