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Freies Internet: Google macht die Türen zu

Google Calendar
Google Calendar

Nach dem Google Reader schaltet Google jetzt auch die offene Schnittstelle zu seinem Calendar ab und killt damit eine weitere offenen Spezifikation. Über die CalDav-API konnten bisher externe Programme auf die Daten im Google Calendar zugreifen. Google macht nach und nach die Türen zum freien Internet zu und sperrt seine Nutzer im eigenen Ökosystem ein.

Es gibt eine Vielzahl offener Spezifikationen, die das Internet zu seinem Erfolg gebracht haben. Diese Quasi-Standards haben es ermöglicht, dass viele Programme konkurrieren mussten und sich Nutzerinnen und Nutzer ihre passende Software aussuchen konnten. Wenn wir zurück blicken, gab es sogar einen „Browserkrieg“ um die beste Software, zur Darstellung von HTML-Seiten.

Über RSS konnte eine ganz Palette unterschiedlichster Programme auf die Inhalte von Internetseiten zugreifen. So musste man nicht mehr Blog regelmäßig absurfen, sondern wurde benachrichtigt, wenn es etwas Neues gab. Ich kann aber per RSS auch Beiträge automatisch an Twitter und Facebook weiterreichen – bzw. konnte. Automatisch erstelle Beiträge werden schon heute von Facebook in den Timelines nicht angezeigt. Was aber ist der Unterschied zwischen einem automatisierten Hinweis auf einen neuen Blogeintrag und einem manuellen? Das kann doch Facebook egal sein. Google+ bietet dafür gar nicht erst eine Funktion.

CalDav ist ein ähnlicher Standard, mit dem man mit beliebiger Software auf Kalender zugreifen kann. Google sucht von nun an aus, wer noch auf die Schnittstelle zugreifen kann und wer nicht. Wer nicht genehm ist, darf nicht mehr zugreifen.

Google wird restriktiver

Aus dem App-Store für Googles Chrome Browser wurde gerade eine App entfernt, die das Abonnieren von RSS-Feeds sehr einfach machte. Vor ein paar Tagen hat Google verschiedene Adblocker aus seinem Play Store geworfen – Das sind Programme, die auf dem Smartphone die Einblendungen von Werbung unterdrücken. Die Apps verstießen gegen AGB. Neulich wurden Windows Phone Benutzer von Google Maps ausgesperrt.

Insgesamt werden immer mehr Dienste immer besser an Google+ angebunden – einen neuen Youtube-Kanal kann man gar nicht mehr ohne Google+Account einrichten. Es entsteht ein zweifellos großartiges System aus Anwendungen, die alle sehr gut integriert werden. Meine Kontakte im Smartphone werde zu Kontakten bei Google+ und mit denen kann ich Videokonferenzen veranstalten, deren Aufzeichnungen bei Youtube veröffentlicht werden. Ich kann während der Konferenzen gemeinsam auf Dokumente im Google Drive zugreifen. Und verabredet haben wir den Termin im Google Calendar. Das alles geht unabhängig von bestimmten Geräten.

Gleichzeitig kappt Google aber auch die Verbindungen zu allem, was nicht Google dient. Werden sich Google Dokumente zukünftig noch exportieren und mit Libre Office bearbeiten lassen? Das kann niemand garantieren. An die eigenen Youtube Videos kommt man schon heute nicht auf offiziellem Weg.

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Pingbacks

  1. KW13/11 – Zuckerbrot und Peitsche | ExilKieler

Kommentare

Sebastian Schack

Dauert nicht mehr lan­ge und der ge­mei­ne Google-/Android-Nutzer hat kei­nen Grund mehr, über die Apple-User in ih­ren „gol­de­nen Käfigen“ zu la­chen…

Björn

Was pas­siert denn jetzt ge­n­au mit der cal­dav Schnittstelle bei goo­gle? Ich le­se hier im we­sent­li­chen nur zwei Sätze:

„Google sucht von nun an aus, wer no­ch auf die Schnittstelle zu­grei­fen kann und wer nicht. Wer nicht ge­nehm ist, darf nicht mehr zu­grei­fen.“

Aber was be­deu­tet das ge­n­au? Gibt es da­zu wei­te­re Informationen?

Steffen Voß

Der Blogpost von Google bleibt das recht knapp: http://googleblog.blogspot.de/2013/03/a-second-spring-of-cleaning.html„If you’re a de­ve­l­oper and the Calendar API won’t work for you, plea­se fill out this form to tell us about your use ca­se and re­quest ac­cess to whitelisted-only CalDAV API.“Statt des frei­en Standards CalDav, setzt Google auf die ei­ge­ne Calendar-API. Die kann Google ver­mut­li­ch bes­ser kon­trol­lie­ren, denn dort muss man Clients zu­nächst re­gis­trie­ren.

Weilhartner Stefan

Ich glau­be daß da auch was an­de­res da­hin­ter ste­cken könn­te. Google ver­wen­det für sei­ne APIs JSON als Standard zum Datenaustausch. Möglicherweise des­halb, weil das et­was ef­fi­zen­ter oder pas­sen­der als CalDAV ist?
Ich hab mir die Datenpackete auf Low-Level-TCP-Basis bei CalDAV und der ak­tu­el­len Google Calendar API v3 no­ch nicht an­ge­se­hen, kann al­so auch kei­ne Aussage über Effizienz tref­fen, aber es wür­de mir lo­gi­sch er­schei­nen, wenn das so wä­re.

Ist ja auch ei­ne nach­voll­zieh­ba­re Thematik: wenn ich mei­ne ei­ge­nen Schnittstelle baue, dann bin ich nicht an die Limits an­de­rer Schnittstelleln ge­bun­den.

Weiters:
Was hin­tert denn die Developercommunity die Google APIs auf ei­ge­nen Servern zu in­stal­lie­ren?
(z.B: in own­Cloud in­te­grie­ren)

Kann je­mand von eu­ch ei­ne Aussage über den Datenoverhead bei üb­li­chen Transfers zwi­schen CalDAV und Google Calendar API v3 tref­fen? Effizienz, Features?

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