Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Freies Internet : Google macht die Türen zu

Google Calendar
Google Calendar

Steffen Voß

Nach dem Google Reader schaltet Google jetzt auch die offene Schnittstelle zu seinem Calendar ab und killt damit eine weitere offenen Spezifikation. Über die CalDav-API konnten bisher externe Programme auf die Daten im Google Calendar zugreifen. Google macht nach und nach die Türen zum freien Internet zu und sperrt seine Nutzer im eigenen Ökosystem ein.

Es gibt eine Vielzahl offener Spezifikationen, die das Internet zu seinem Erfolg gebracht haben. Diese Quasi-Standards haben es ermöglicht, dass viele Programme konkurrieren mussten und sich Nutzerinnen und Nutzer ihre passende Software aussuchen konnten. Wenn wir zurück blicken, gab es sogar einen „Browserkrieg“ um die beste Software, zur Darstellung von HTML-Seiten.

Über RSS konnte eine ganz Palette unterschiedlichster Programme auf die Inhalte von Internetseiten zugreifen. So musste man nicht mehr Blog regelmäßig absurfen, sondern wurde benachrichtigt, wenn es etwas Neues gab. Ich kann aber per RSS auch Beiträge automatisch an Twitter und Facebook weiterreichen – bzw. konnte. Automatisch erstelle Beiträge werden schon heute von Facebook in den Timelines nicht angezeigt. Was aber ist der Unterschied zwischen einem automatisierten Hinweis auf einen neuen Blogeintrag und einem manuellen? Das kann doch Facebook egal sein. Google+ bietet dafür gar nicht erst eine Funktion.

CalDav ist ein ähnlicher Standard, mit dem man mit beliebiger Software auf Kalender zugreifen kann. Google sucht von nun an aus, wer noch auf die Schnittstelle zugreifen kann und wer nicht. Wer nicht genehm ist, darf nicht mehr zugreifen.

Google wird restriktiver

Aus dem App-Store für Googles Chrome Browser wurde gerade eine App entfernt, die das Abonnieren von RSS-Feeds sehr einfach machte. Vor ein paar Tagen hat Google verschiedene Adblocker aus seinem Play Store geworfen – Das sind Programme, die auf dem Smartphone die Einblendungen von Werbung unterdrücken. Die Apps verstießen gegen AGB. Neulich wurden Windows Phone Benutzer von Google Maps ausgesperrt.

Insgesamt werden immer mehr Dienste immer besser an Google+ angebunden – einen neuen Youtube-Kanal kann man gar nicht mehr ohne Google+Account einrichten. Es entsteht ein zweifellos großartiges System aus Anwendungen, die alle sehr gut integriert werden. Meine Kontakte im Smartphone werde zu Kontakten bei Google+ und mit denen kann ich Videokonferenzen veranstalten, deren Aufzeichnungen bei Youtube veröffentlicht werden. Ich kann während der Konferenzen gemeinsam auf Dokumente im Google Drive zugreifen. Und verabredet haben wir den Termin im Google Calendar. Das alles geht unabhängig von bestimmten Geräten.

Gleichzeitig kappt Google aber auch die Verbindungen zu allem, was nicht Google dient. Werden sich Google Dokumente zukünftig noch exportieren und mit Libre Office bearbeiten lassen? Das kann niemand garantieren. An die eigenen Youtube Videos kommt man schon heute nicht auf offiziellem Weg.

Links

Pingbacks

  1. KW13/11 – Zuckerbrot und Peitsche | ExilKieler

Kommentare

Sebastian Schack
Sebastian Schack:

Dauert nicht mehr lange und der gemeine Google-/Android-Nutzer hat keinen Grund mehr, über die Apple-User in ihren „goldenen Käfigen“ zu lachen…

17.3.2013 um 21:05
Björn
Björn:

Was passiert denn jetzt genau mit der caldav Schnittstelle bei google? Ich lese hier im wesentlichen nur zwei Sätze:

„Google sucht von nun an aus, wer noch auf die Schnittstelle zugreifen kann und wer nicht. Wer nicht genehm ist, darf nicht mehr zugreifen.“

Aber was bedeutet das genau? Gibt es dazu weitere Informationen?

19.3.2013 um 09:43
Steffen Voß
Steffen Voß:

Der Blogpost von Google bleibt das recht knapp: http://googleblog.blogspot.de/2013/03/a-second-spring-of-cleaning.html„If you’re a developer and the Calendar API won’t work for you, please fill out this form to tell us about your use case and request access to whitelisted-only CalDAV API.“Statt des freien Standards CalDav, setzt Google auf die eigene Calendar-API. Die kann Google vermutlich besser kontrollieren, denn dort muss man Clients zunächst registrieren.

19.3.2013 um 10:03
Weilhartner Stefan
Weilhartner Stefan:

Ich glaube daß da auch was anderes dahinter stecken könnte. Google verwendet für seine APIs JSON als Standard zum Datenaustausch. Möglicherweise deshalb, weil das etwas effizenter oder passender als CalDAV ist?
Ich hab mir die Datenpackete auf Low-Level-TCP-Basis bei CalDAV und der aktuellen Google Calendar API v3 noch nicht angesehen, kann also auch keine Aussage über Effizienz treffen, aber es würde mir logisch erscheinen, wenn das so wäre.

Ist ja auch eine nachvollziehbare Thematik: wenn ich meine eigenen Schnittstelle baue, dann bin ich nicht an die Limits anderer Schnittstelleln gebunden.

Weiters:
Was hintert denn die Developercommunity die Google APIs auf eigenen Servern zu installieren?
(z.B: in ownCloud integrieren)

Kann jemand von euch eine Aussage über den Datenoverhead bei üblichen Transfers zwischen CalDAV und Google Calendar API v3 treffen? Effizienz, Features?

25.4.2013 um 16:11

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Möchtest Du per E-Mail benachrichtigt werden, wenn Dir hier jemand antwortet?