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Internet: Blogs haben keine Lobby

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Blog | Bestimmte Rechte vorbehalten von karola riegler photography

„Was be­fürch­ten Blogger?“ frag­te mi­ch die Mitarbeiterin des Offenen Kanals Kiel neu­li­ch in ei­nem Interview zum Leistungsschutzrecht. Gar nicht so leicht, für die Blogosphäre zu spre­chen und ich ha­be mir da ziem­li­ch ei­nen ab­ge­bro­chen. Ich den­ke, Bloggerinnen und Blogger be­fürch­ten zur Zeit al­les mög­li­che. Das meis­te ist eher dif­fus, man­ches un­be­grün­det, aber ins­ge­samt ist es die Angst um das Internet, wie wir es kann­ten.

Bloggen ist ei­ne Errungenschaft des Mediums Internet. Es steht stell­ver­tre­tend für die Möglichkeit, dass je­der welt­weit pu­bli­zie­ren kann. Insofern ist die Angst um das Bloggen gleich­zei­tig die Angst um ein Internet, das nicht durch­kom­mer­zia­li­siert nur den Interessen von Unternehmen dient.

Dieses Internet wird von vie­len Seiten be­droht:

  • Beim Leistungsschutzrecht könn­ten am Ende Blogs un­ter er­schwer­ten Auflagen für Zitate lei­den, denn vie­le Blogs le­ben da­von, Inhalte an­de­rer Medien zu zi­tie­ren, zu kom­bi­nie­ren und zu kom­men­tie­ren.
  • Bei der Netzneutralität könn­ten Blogs lei­den, weil sie si­cher nicht zu de­nen ge­hö­ren wer­den, die si­ch ei­nen spe­zi­el­len Zugang zu Leserinnen und Lesern bei den Providern er­kau­fen kön­nen.
  • Schon hin­ter der Diskussion um den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) stand die glei­che Angst: Blogs wür­den si­ch ei­ne rechts­si­che­re Alterseinstufung nicht leis­ten kön­nen und ge­ne­rell als nicht-jugendfrei ein­ge­stuft.
  • Generell gibt es ei­ne ge­wis­se Unsicherheit im Hinblick auf die recht­li­che Situation: Es ist Vielen nicht ganz klar, wie ein kor­rek­tes Impressum aus­zu­se­hen hat, wel­che Gefahr ei­gent­li­ch von Vorschaubildern bei Facebook aus­geht oder wie das ei­gent­li­ch mit der Haftung bei Kommentaren aus­sieht. (Man liest ja so viel…)
  • Aber auch der Trend zu Apps auf Smartphones könn­te Blogs be­dro­hen, weil si­ch kaum ein Blog ei­ne ei­ge­ne App leis­ten kann und der Nutzen ei­nes Blogs so ge­ring ist, das ver­mut­li­ch auch we­ni­ge Nutzer so ei­ne App in­stal­lie­ren wür­den.
  • Die ver­stärk­te Nutzung von Sozialen Netzwerken führt da­zu, das mehr und mehr Diskussionen in vir­tu­el­len Räumen statt­fin­den, die von den AGB be­stimm­ter Unternehmen ab­hän­gen.

Es gibt Segelscheine, Angelscheine, Waffenscheine, Führerscheine, Trainerscheine und wir kön­nen froh sein, dass es no­ch kei­ne Bloggingscheine gibt.  Zwar kann nie­mand er­war­ten, ein neu­es Hobby be­gin­nen zu kön­nen, oh­ne si­ch vor­her über die recht­li­chen Bedingungen zu in­for­mie­ren. Trotzdem muss es wei­ter­hin re­la­tiv ein­fach blei­ben, ei­ne Homepage zu be­trei­ben. Und ge­n­au hier lau­ert die Gefahr: Gesetze wer­de in der Regel ge­macht, um wich­ti­ge Dinge zu re­geln. Im Internet geht es da­bei um das gro­ße Geld. Beim Leistungsschutzrecht geht es um den Springer Verlag und Google. Blogs spie­len da kei­ne Rolle. Bei der Netzneutralität geht es um die Telekom und Vodafone. Blogs spie­len da kei­ne Rolle. Beim JMStV geht es um die Angebote der Fernsehsender. Blogs spie­len da kei­ne Rolle.

Ich glau­be, das ist es, was vie­le Blogger be­fürch­ten: Unter die Räder zu kom­men und ih­ren selbst­be­stimm­ten Zugang zu ei­ner Öffentlichkeit wie­der zu ver­lie­ren, weil an­de­re mit dem Internet Geld ver­die­nen wol­len. Das Internet war nicht zum Geld ver­die­nen ge­dacht. Und nun wird es um­ge­baut, da­mit das mög­li­ch ist.

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