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Empörung über Amazon: Der Wert einer inkonsequenten Haltung

Dollars
Dollars | Foto: Bestimmte Rechte vorbehalten von 401(K) 2013

Die Wellen schla­gen hoch bei Amazon. Nach ei­ner Reportage der ARD über die Arbeitsbedingungen bei dem Versandservice, be­schwe­ren sich Kunden vor al­lem über die Facebook-Seite von Amazon. Es gibt aber auch Stimmen, die das al­les für schein­hei­lig hal­ten. Die Verhältnisse bei Amazon seien nur Ergebnis der un­kri­ti­schen Konsumhaltung der Kundschaft und im Übrigen sei es in China viel schlim­mer. Das ist na­tür­lich Quatsch.

Die gän­gige Argumentationslinie der Kritiker lässt sich in etwa mit dem Tweet von Wolfgang Unglaub zu­sam­men­fas­sen:

„Niedlich: Leute, die in Zalando-Schuhen und KiK-Jogginghose auf der IKEA-Couch mit dem iPhone kri­ti­sche Berichte über Amazon schrei­ben…“

Natürlich ha­ben Konsumenten eine Verantwortung. Denn es gibt drei Faktoren, die ethi­sches Verhalten in der Wirtschaft si­cher stel­len sol­len:

  1. Gesetze
  2. Kritische Konsumentinnen und Konsumenten
  3. Unternehmen als Corporate Cititzen

Das ist ein System, das im­mer Lücken hat: Unternehmen ha­ben oft zu­min­dest kurz­fris­tig Vorteile von un­ethi­schem Verhalten. Kunden wis­sen nicht im­mer al­les und sie ha­ben ihre ei­ge­nen Vorteile von un­ethi­schem Verhalten und die Gesetze lau­fen Problemen im­mer hin­ter­her – ich habe das ein­mal in dem dem Artikel „Das mo­ra­li­sche Dreieck“ be­schrie­ben. Dort zi­tiere ich den Wirtschaftsethiker Peter Ulrich zum Thema „Wirtschaftsbürger“:

„Der Kern des repub­likanis­chen Wirtschaft­sethos be­steht in der prinzip­iellen Bere­itschaft des Bürg­ers, seine pri­vaten Inter­essen nicht voraus­set­zungs– und rück­sicht­s­los zu ver­fol­gen, son­dern den pri­vaten Erfolg oder Vorteil nur un­ter der Bedin­gung sei­ner Legit­im­ität im Lichte der Prinzip­ien ei­ner wohlge­ord­neten Gesellschaft freier und gle­icher Bürger erre­ichen zu wol­len.“

Grundlage da­für ist aber die Information über die Produkte. Ich muss wis­sen, wie ein Produkt her­ge­stellt und aus­ge­lie­fert wurde, um meine Entscheidungen tref­fen zu kön­nen. Bei Amazon wa­ren bis­her vor al­lem be­kannt, was das Unternehmen auf ih­ren Produktseiten zur Verfügung stellt: Die Werbeinformationen zu den Produkten, der Preis und Kundenbewertungen, die sich aber  auch di­rekt auf die Produkte be­zo­gen. Auf Basis die­ser Informationen war es oft sinn­voll, bei Amazon zu kau­fen. Wenn Amazon dar­auf hin­ge­wie­sen hätte, dass es da­für Menschen im Ausland shang­hait, in Baracken sperrt, in Busse pfercht und von Nazis be­wa­chen lässt, wä­ren auch schon vor­her Kunden zu an­de­ren Entscheidungen ge­kom­men.

Es ist nicht so, als hätte auch nur ein ein­zi­ger Kunde von Amazon ver­langt, scheiße zu sei­nen Mitarbeitern zu sein. Das war die freie Entscheidung des Unternehmens. Amazon hat sich da­für ent­schie­den, die Mitarbeiter über Leiharbeitsfirmen zu en­ga­gie­ren und sich sonst nicht wei­ter zu küm­mern. Wenn man Amazon da­mit durch­kom­men lässt, ist das struk­tu­rierte Verantwortungslosigkeit. Schuld wäre dann nur die klei­nen Fische: Der Freizeitpark, der die Nazi-Aufseher en­ga­giert hat. Und daran ver­die­nen nur die gro­ßen: Amazon.

Nun konnte man auch vor­her wis­sen, wes Geistes Kind die­ser Konzern ist. Open-Source-Guru Richard Stallman sam­melt schon län­ger Gründe, nicht bei Amazon zu kau­fen. Aber erst die ARD Reportage hat ei­nen Teil die­ser Argumente für viele Menschen be­kannt ge­macht. Menschen sind kom­plexe Geschöpfe und Vernunft spielt in un­se­ren Handlungen eine viel ge­rin­gere Rolle, als wir oft mei­nen. Dazu kommt, das wir in ei­ner kom­ple­xen Welt le­ben und viele Konsumentscheidungen nicht ein­fach sind, wenn wir die ver­schie­de­nen ethi­schen Aspekte ab­wä­gen müs­sen. Wir ver­drän­gen diese Aspekte ge­le­gent­lich und wir igno­rie­ren sie manch­mal. Meistens aber ken­nen wir viele Fakten gar nicht. Und oft spielt das Geld ei­nen li­mi­tie­ren­den Faktor. Wenn man uns aber fragt, hät­ten wir gerne, dass nie­mand für un­sere Produkte lei­den muss und dass auch die Natur ge­schont wird. Eine in­kon­se­quente Haltung ist bes­ser als gar keine Haltung. Das ist der Auftrag für die Unternehmen.

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