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StartUp-Kritik: Die Geschichte vom Feuerzeug

Feuerzeug & Kaffee
Kaffee & Feuerzeug | Foto: Bestimmte Rechte vorbehalten von ingrid eulenfan

„Wo ist ei­gent­li­ch mein Feuerzeug ge­blie­ben? Und wo­her kommt das in mei­ner Tasche?“ Das sind Fragen, die si­ch rau­chen­de Partygänger am Sonntag häu­fi­ger mal fra­gen. Die güns­ti­gen Rauchutensilien wech­seln im Eifer des Gefechts ger­ne mal den Besitzer und da wä­re es doch span­nend, die­se Geschichte wech­seln­den Eigentums zu er­zäh­len. Das je­den­falls hat si­ch Finn Malte Hinrichsen ge­dacht, als er be­gann an feuer-gefangen.de zu ar­bei­ten.

Wenn man das Leben ei­nes Feuerzeugs nach­ver­fol­gen will, muss man es ein­deu­tig kenn­zeich­nen. Finn Malte Hinrichsen hat des­we­gen ein paar hun­dert Feuerzeuge mit ein­deu­ti­gen Codes und dem Link zu sei­ner Homepage be­druckt. Gibt man den Code ein, kann man se­hen, wer das Feuerzeug vor­her be­ses­sen hat. Man kann si­ch dann re­gis­trie­ren und selbst ei­nen Beitrag schrei­ben oder ein Foto hoch­la­den.

Den ak­tu­el­len Stand be­zeich­ne­te Finn Malte Hinrichsen auf dem WebMontag als „Proof-of-Concept“ – als Test da­für, dass sei­ne Idee um­setz­bar ist und er ist auf der Suche nach Partnern für ei­ne Weiterentwicklung.

Tatsächlich ist die Idee bes­ser als die bis­he­ri­ge Umsetzung. Ich könn­te mir schon vor­stel­len, dass man ei­ne wit­zi­ge Community um die wan­dern­den Feuerzeuge bil­den kann, wenn es im­mer wie­der wit­zi­ge Geschichten zu le­sen und tol­le Fotos zu se­hen gibt. Ich stel­le mir ei­ne Art Twitter mit Instagram und Foursquare vor. Auf der Webseite müss­te  man „sei­ne“ Feuerzeuge ver­fol­gen kön­nen: Auf ei­ner Karte, in Fotos und Kommentaren. Man wä­re dann Teil ei­ner Geschichte, die ei­nen mit ganz un­ter­schied­li­chen Menschen ver­bin­det.

Mitmachen ohne App und Anmeldung

Gleichzeitig muss die Möglichkeit teil­zu­neh­men ex­trem ein­fach und nied­rig­schwel­lig sein. Wer ein Feuerzeug fin­det, muss auch im an­ge­trun­ke­nen Zustand in 3 Schritten fä­hig sein, ei­nen Beitrag zu der Geschichte zu ge­ben. Denn die Schwierigkeit wird sein, die Leute im rich­ti­gen Moment zum Mitmachen zu er­mun­tern.

Auf der ei­nen Seite wird es Leute ge­ben, die si­ch ge­zielt Feuerzeuge mit dem Code be­sor­gen und in dem Umlauf brin­gen. Was aber soll der­je­ni­ge ma­chen, der si­ch das Feuerzeug an­eig­net? Der ist ge­ra­de auf ei­ner Party. Der soll dann ein Foto auf ei­ner un­be­kann­ten Webseite pos­ten. Am nächs­ten Tag könn­te es zu spät sein. Da setzt si­ch kei­ner hin und schreibt, dass er ges­tern auf ei­ner Party war.  Das ist mei­ner Meinung nach auch die Schwäche ge­gen­über ähn­li­chen Konzepten wie Bookcrossing, wo man viel mehr Zeit für Beiträge hat. Spontan kann man mei­ner Meinung nach nur er­war­ten, dass man an­onym an­gibt, wo si­ch das Feuerzeug ge­ra­de be­fin­det. Die bis­he­ri­ge Anmeldeprozedur mit 25 Feldern und pri­va­ten Daten ist je­den­falls ein Spaß-Killer.

Geld verdienen

Finn Malte Hinrichsen ist zur Zeit der ein­zi­ge, der Codes ver­ge­ben kann. Er kann da­mit auch Feuerzeuge für Kunden her­stel­len. Interessant kann die Idee für Werbepartner sein, die be­druck­te Feuerzeuge aus­ge­ben. Die Werbegeschenke ha­ben dann das Potential, ei­ne Geschichte zu er­zäh­len. Man könn­te sol­che Feuerzeuge auch auf Hochzeiten aus­le­gen und die Gäste er­zäh­len dann ab und zu, wo sie mit dem Feuerzeug wa­ren oder ge­ben sie auch in dem Umlauf. Das Hochzeitspaar wür­de dann im­mer wie­der mehr Mail über Updates in­for­miert und an die Hochzeit er­in­nert.

Fazit

Ich bin mir no­ch nicht ganz si­cher, ob das Konzept funk­tio­niert, oder ob die Leute ih­re Fundstücke nicht mel­den. Das hängt nicht nur von der tech­ni­schen Umsetzung ab. Sicher ist feuer-gefangen.de kei­ne Gefahr für Facebook oder Google. Aber es könn­te wie Bookcrossing ei­ne treue Gemeinde fin­den, die Spaß dar­an hat, si­ch ge­gen­sei­tig klei­ne Geschichten zu er­zäh­len.

Links

Kommentare

Finn Malte Hinrichsen

Hallo Steffen,
mitt­ler­wei­le ha­be ich das Design no­ch ein­mal kom­plett über­ar­bei­tet. Mit ein biss­chen frei­er Software ha­be ich ei­ne Karte in­te­griert und Buttons etc. in ein weit­aus hüb­sche­res Licht ge­rückt als es vor­her der Fall war – ich kann nur sa­gen: Danke für das ehr­li­che Feedback, ich freue mi­ch auch über ei­ne Meinung zur ak­tu­el­len Version von feuer-gefangen.de.
Bist du heu­te beim WebMontag? Ich ar­bei­te ge­ra­de an ei­nem span­nen­den Projekt, über wel­ches ich gern et­was er­zäh­len möch­te und no­ch pas­sen­de Kontakte in Kiel su­che.
Viele Grüße und viel­leicht bis heu­te Abend,
Finn

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