Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Raspbian : Frisches Debian für den Raspberry Pi

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Steffen Voß

Gestern hatte ich einen Weg beschrieben, mit dem man mehr Leistung aus dem Raspberry Pi holen kann. Da ging es aber nur um Webseiten und die Beschleunigung von PHP. Heute bin ich darüber gestolpert, dass das Raspberry Pi Team mittlerweile nicht mehr Debian Squeeze sondern Raspbian “Wheezy” als Betriebssystem empfiehlt. Raspbian ist vor ein paar Tagen in einer ersten Version erschienen und ein speziell für die Hardware des Minicomputers ausgelegtes Debian Linux. Durch diese Anpassung, wird der Raspberry Pi deutlich flotter.

Raspbian profitiert von der speziellen Architektur des ARMv6-Prozessors des Raspberry Pis. Debian Squeeze wendet sich generell an Nutzer älterer Hardware und nutzt teilweise eine Software, die bestimmte Fähigkeiten neuerer ARM-Prozessoren nachbildet. Das ist auf Prozessoren, die das Hardware-seitig beherrschen langsamer. Raspbian verzichtet auf diese Emulation, weil der Raspberry Pi sie nicht benötigt. In ersten Tests hat Raspbian recht gut abgeschnitten. Nun müssen die Entwickler nach und nach alle Debian-Pakete für Raspbian umstellen. Die ersten 35.000 sind aber gleich beim Erscheinen dabei gewesen.

Vorbereitungen

Bevor ich Raspbian auf meine SD-Karte laden konnte, wollte ich ein Backup des alten Systems machen. Am Besten geht das mit dem Linux-Tool dd. Mit dd kann man den gesamten Inhalt eines Laufwerks direkt kopieren. Dazu habe ich die Karte aus dem Raspberry Pi genommen und in den SD-Slot meines Laptops gesteckt. Mit

sudo fdisk -l

kannst Du herausfinden, wie Deine Karte vom System genannt wird. Bei mir war das /dev/sdb. Dann liest Du die Karte aus und speicherst sie gepackt auf Deine Festplatte:

dd if=/dev/sdb | gzip > /path/to/image.gz

Wiederherstellen ginge bei Bedarf dann mit:

gzip -dc /path/to/image.gz | dd of=/dev/sdb

Installation

Das Auslesen dauert einige Zeit – bei mir waren das 20 Minuten für eine 32GB Karte. In der Zwischenzeit kannst Du Dir schon das Image von Raspbian herunterladen und es entpacken. Dann kannst Du es ImageWriter auf die Karte schreiben.

Wenn Du ImageWriter noch nicht installiert hast, geht das mit

sudo apt-get install imagewriter

Auch das dauert wieder ein wenig.

Der erste Start

Man merkt nach dem ersten Start, dass Raspbian auch schon ein wenig weiter entwickelt ist, als Debian Squeeze: Wenn der Kleine das erste Mal gebootet ist, startet ein Konfigurationsprogramm, mit dem man Zeitzone, Tastaturlayout, Sprache usw. einstellen kann. Das Tool übernimmt sogar die Aufgabe, die Partitionen an die tatsächliche Größe der SD-Karte anzupassen, denn auch Raspbian ist für eine 2GB Karte ausgelegt.

Ein schneller Test

Mit der grafischen Oberfläche kann man die neue Geschwindigkeit am einfachsten testen. War der Browser im Debian Squeeze noch quälend langsam, kann man damit jetzt wirklich surfen. Der Sound scheint bei Raspbian schon direkt nach der Installation zu laufen. Zumindest ist das Treibermodul eingetragen. Getestet habe ich das allerdings noch nicht.

Die weitere Konfiguration

Die ganze Software installiert sich natürlich weiterhin wie unter Debian. Und in kürzester Zeit lief der Webserver wieder mit ownCloud. Ein Problem hatte ich allerdings mit dem WLAN. Das lies sich leider nicht mehr so installieren wie vorher. Das WLAN habe ich noch nicht wieder am Laufen. Und MPD habe ich noch nicht ausprobieren können. Das soll aber auch wieder drauf.

Der Umstieg lohnt sich und macht neugierig darauf, was die Community noch aus dem Kästchen rausholt. Ernsthaft wird erst seit Erscheinen des Raspberry Pi vor ein paar Wochen an der Software gearbeitet. Und es zeichnet sich ab, dass es auch für den relativ leistungsfähigen Grafikchip von Broadcom noch bessere Unterstützung geben wird.

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Kommentare

Kai
Kai:

Hach. Da fallen mir tausend Projekte ein, die man realisieren könnte. Wundervoll 🙂

21.7.2012 um 21:02
Darius
Darius:

Sehr schön, auf so ein Release habe ich gewartet! Nutze dne Raspberry Pi zur Zeit als ownCloud Server für mich privat und gute Freunde, leider ist die Geschwindigkeit bislang nicht mit Diensten wie Dropbox vergleichbar!

23.7.2012 um 10:14
Alex
Alex:

Kann deine bisherigen Erfahrungen mit der Distribution nur bestätigen!
Das Surfen im Web geht nun viel schneller und die gesamte Distribution wirkt wesentlich ausgereifter und besser auf die Hardware des RPi zugeschnitten.

23.7.2012 um 22:22
derLichtschalter
derLichtschalter:

Ahoi Steffen,hast du schon ausprobiert, die neueste Firmware-Version für den Edimax-Stick zu benutzen? Ich bin nämlich deiner Anleitung zur Installation gefolgt, habe mir für Raspbian aber die neue Version des Skripts und die neue Treiber-Version runtergeladen:Die Anleitung: https://dl.dropbox.com/u/80256631/install-rtl8188cus.txt Das neue Skript: http://dl.dropbox.com/u/80256631/install-rtl8188cus-latest.sh Der neue Treiber: http://dl.dropbox.com/u/80256631/8192cu-latest.tar.gz Die normale Firmware: ftp://ftp.dlink.com/Wireless/dwa130_revC/Drivers/dwa130_revC_drivers_linux_006.zipBei mir funktioniert das dann einwandfrei.GrüßederLichtschalter

28.7.2012 um 17:40

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