Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Sprache + Gesellschaft : Was ist schlimm am Gendersternchen?

Der Kampf gegen das Gendersternchen
Titelbild: Eigene Montage. Foto: Gioele Fazzeri/Pexels

Steffen Voß

Eine ganze Nachrichtensendung gesprochen im generischen Femininum. Die österreichische Nachrichtensendung ZIB2 hat zum Weltfrauentag zur Abwechslung mal die Männer mitgemeint. Daran hat sich niemand gestört. Anders beim gesprochenen Genderstern – der keinen Pause zwischen „Politiker“ und „-innen“. Der Journalist Armin Wolf hat seine Erfahrungen mit dem Experiment verbloggt.

Armin Wolf zitiert den Wiener Philosophie-​Professor Konrad Paul Liessmann: 

„Ich empfinde diese Präsentation von moralischer Eitelkeit in öffentlichen Medien auch aus ästhetischen Gründen als sehr unangenehm, anbiedernd, geradezu ekelhaft.“

Dieser Kommentar hat mir klargemacht, was das Problem einiger Leute mit dem * ist. Es ist nicht das Ungewohnte. Es ist nicht, dass sie es schlechter lesen können. Nein, Sie WISSEN, dass es moralisch richtig ist zu gendern, sie wollen es aber trotzdem nicht. Etwas moralisch Falsches nennt die Philosophie „verwerflich“. „Bigott“ nennt sie es, wenn Menschen trotz besseren Wissens verwerflich handeln. 

Meine Praxis

Mir selbst geht das * noch nicht so gut über die Lippen. Auch wenn es natürlich alle hinbekommen sollten, die auch „Spiegelei“ mit Pause aussprechen können. Wenn ich schreibe, überlege ich mir, für wen ich schreibe. Ich habe bei manchen Themen keine Lust, dass die Form Teile der Leserschaft vom Inhalt ablenkt. Bei einem ausgewählt progressiven Publikum ist der Stern eine pragmatische Lösung. „Schleswig-Holsteiner*innen“ ist viel einfacher als „Schleswig-​Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner“.

Wenn das Publikum gemischt ist, versuche ich den Stern zu meiden – überhaupt gefällt mir der Punkt besser: „Politiker.innen“. Ich finde es aber dann besser, „Schleswig-​Holsteinerinnen und Schleswig-​Holsteiner“ oder „Menschen in Schleswig-​Holstein“ zu schreiben. Ich finde es auch gut, einfach zwischen generischem Maskulinum und Femininum zu wechseln, wie auch Armin Wolf es beschreibt: „Ärztinnen und Pfleger“ – wobei man bei „Pflegern“ auch „Pflegekräfte“ schreiben kann. 

ICH persönlich finde eine angemessene Empörung über Business-​Bullshit viel wichtiger. Ich hoffe, darauf können wir uns committen.

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Kommentare

Prov94
Prov94:

Wenn ich von „die Pfleger“ rede, dann ist es die Mehrzahl der Personen die diesen Beruf ausüben.
Ich verstehe nicht warum männlich und weiblich hier separieren muss???
Haben die Leute keine Ahnung vom Plural?
Ich pfeife auf den Gender Scheiß.
Bei mir bleibt: Sehr geehrte Damen und Herren.
So wurde ich erzogen und so erziehe ich mit Respekt gegenüber Frauen auch meine Kinder.

20. März 2021 um 21:03
Steffen
Steffen:

@Prov94: Es gibt eine männliche Form „Pfleger“ und eine weibliche Form „Pflegerin“. Beide Wörter gibt es auch im Plural. 

Wenn eine Gruppe von Pflegekräften zu 100% aus Frauen besteht, würdest Du vermutlich auch „Pflegerinnen“ schreiben. Ab welchem Anteil von Männern würdest Du dann zu der rein männlichen Form wechseln? Sobald ein einziger Pfleger unter 100 Pflegerinnen zu finden ist? Oder bei 10 oder bei 50? Warum kann man denn nicht einfach sagen, dass in einer Gruppe Pflegerinnen und Pfleger sind? 

Ist es dann nicht einfach sehr praktisch „Pfleger*innen“ zu schreiben und dann musst Du Dir keine Gedanken mehr darüber machen, ob da jetzt überwiegend Männer oder Frauen oder vielleicht sogar diverse Personen dabei sind. Ich hab mal eine Person kennengelernt, die wollte gerne mit „er/​sie“ angesprochen werden. Das war ungewohnt und ich musste auch noch einmal daran erinnert werden. Aber dann ist das total einfach. Wenn aber diese Person in der Pflege arbeitet, wäre sie bei „Pfleger*in“ ganz einfach dabei. 

Aber du kannst natürlich auch bei der alten, rein männlichen Form bleiben. Man kann es ja verstehen.

21. März 2021 um 1:18
Prov94
Prov94:

@Steffen,

das ist gar nicht das Problem, ob 1 oder 10 Männer unter Frauen, ab 1 Mann in der Gruppe ist für mich „Die Pfleger“, wenn nur Frauen, dann „Die Pflegerinnen“. Das Gendersternchen ist für mich einfach hässlich und wirkt für mich wie ein Punkt wo der Satz unterbrochen wird. Dann lieber die Pfleger und Pflegerinnen. Wenn dann aber solche linken Idioten kommen die das „neutrum“ wollen oder das der DUDEN sich in solchen Mist einmischt und jetzt zwischen den Fronten steht (https://www.cicero.de/innenpolitik/duden-rechtschreibung-gendern-gleichberechtigung-gendersternchen-rat).
Jede Frau mit der ich gesprochen habe, fühlt sich dadurch nur genervt, ich sehe hier einfach nur das es eine kleine Gruppe lauter Menschen gibt die sich in irgendwas richtig fühlen wollen, obwohl wir ganz andere Probleme haben. Niemanden interessiert die Ansprache und auch das „divers“ schreibe ich in keiner Email, weder in Deutschland noch international, im Ausland lacht man über den deutschen bei solchen Sprachexperimenten. Und erst wenn ich mir jemand unbekannten schreiben sollte das „divers“ ist, werde ich mich für die falsche Ansprache entschuldigen. Habe ich letztens auch gemacht, ich habe mich sexistisch beleidigt gefühlt, weil eine Frau mich in einer Email weiblich angesprochen hat, habe ihr gleich mal eine bissige Email zurück geschrieben das ich das nicht in Ordnung finde. Interessanterweise gab es keine Entschuldigung, stattdessen wurde ich angegriffen das man meinen Namen ja auch weiblich lesen kann, ehmm Hallo??
So viel zu diesem ganzen Gender scheiß, für mich Verschwendung von zeitlichen als auch finanziellen Ressourcen, die man eher in den Gender Pay Gap stecken sollten, damit Frauen endlich den selben Lohn erhalten wie Männer.
Ich bin männlich, weiß, 26, und stolz darauf, und jeder kann mich mal, dafür das ich Prioritäten in der Gesellschaft wichtiger finde als irgendwelche Luxus Probleme.

21. März 2021 um 10:48
Chris
Chris:

Zitat: „Schleswig-Holsteiner*innen“ ist viel einfacher als „Schleswig-​Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner“..

Noch einfacher ist „Schleswig-​Holsteiner“ und fertig.

Gegenderten Sprachmüll braucht kein Mensch.

25. März 2021 um 15:18
Steffen Voß
Steffen Voß:

@prov94: Ist Deine Mail-​Erfahrung nicht genau ein Beispiel dafür, wie wichtig es Menschen ist, mit dem korrekten Geschlecht angesprochen zu werden? Du möchtest nicht als Frau angesprochen werden. Kannst Du Dir vorstellen, dass Frauen dann auch nicht als Mann gesprochen werden wollen? Auch nicht in Gruppen?

Vor allem solltest Du Menschen nicht für Idioten halten, nur weil sie eine andere Meinung haben als Du. Ich halte Dich ja auch nicht für einen Idioten. 

Weißt du, ob man jetzt das Sternchen machen oder nicht. Ob man von „Ärztinnen und Ärzten“ spricht oder wie auch immer – diejenigen, die sich dafür einsetzen, haben auch bei Dir bewirkt, dass Du Dir Gedanken darüber machst, welchen Platz Männer, Frauen und Menschen ohne bestimmtes Geschlecht haben sollen. Gedanken machen, ist ja erst einmal eine gute Sache. Bei Dir kommt halt im Moment heraus, dass weiße Männer weiterhin wichtiger sind als andere Menschen. Vielleicht sprichst Du darüber mal mit Deiner Mutter, deiner Schwester oder anderen Frauen in Deinem Leben.

29. März 2021 um 7:57

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