Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Journalismus : So einfach schreibst Du einen Aufreger

Wütender Mann
Foto: Pixabay from Pexels

Steffen Voß

In den letzten Wochen beobachte ich, dass Artikel nach einem bestimmten Muster besonders gut im Internet funktionieren. Mit dieser Schritt-​für-​Schritt-​Anleitung kannst Du selbst für Aufreger sorgen.

Aufreger sind das Format, das besonders gut mit den essentiellen Diensten von Google und Facebook funktioniert. Aufregung und Ärger sichert Interaktionen auf den Plattformen und die wiederum versprechen den Diensteanbietern Profite. Als schreib Aufreger.

  1. Such Dir ein Thema, mit dem alle etwas anfangen können. Zum Beispiel die Karl-​May-​Spiele in Bad Segeberg oder Völkerball.
  2. Dann fragst Du jemanden, der etwas daran kritisieren könnte. Bekannt sein muss die Person nicht – sie muss nur irgendeine Art von Autorität haben. Forscherinnen und Forscher gehen natürlich gut – die muss man nicht kennen. Bei Politikerinnen und Politiker sind die Hinterbänkler oft ohnehin interessanter.
  3. Du schreibst die Kritik auf.
  4. Überschrift: „So kann es mit XY nicht weitergehen”
  5. Die Leute auf Facebook regen sich über die Überschrift auf, weil sie denken, dass jemand eine ihnen vertraute Sache abschaffen will – egal ob das stimmt oder die Überschrift nur bedeutet, dass etwas verändert werden sollte. Die Leute lesen halt nur die Überschrift.
  6. Weil Facebook Dinge bevorzugt, über viele Leute reden, wird es noch mehr Leuten angezeigt.
  7. Noch mehr Leute regen sich auf.
  8. Andere Medien greifen das Thema auf, weil sich so viele Leute drüber aufregen und sie auch etwas vom Kuchen abhaben wollen. BILD macht dazu natürlich die schärfste Überschrift.
  9. Politiker äußern sich und wollen das entweder auch ändern oder sie wollen es erhalten. Es gibt nur noch Freund und Feind.
  10. Dann ist der Sommer rum und alle reden wieder über andere Sachen, aber Du hast trotzdem noch ein paar Klicks abbekommen.

Aufgabe

Schreibe einen Aufreger. Frage zum Beispiel katholische Ohrenärzte, was sie von Heavy-​Metal-​Konzerten halten. Frage Ernährungswissenschaftler, was sie vom Grillen halten. Frage die Guttempler, was sie vom Oktoberfest halten.

Wenn Dir nichts einfällt, machst Du einfach etwas über Autofahrer vs. Radfahrer. Das garantiert Klicks, egal was Du schreibst.

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