Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Firefox : Standard Tracking-​Schutz lässt bewusst Lücken

Reklame
Alles voll Reklame | Foto: Free-Photos auf Pixabay

Steffen Voß

Im aktuellen Firefox ist der kürzlich eingeführte Schutz vor Tracking standardmäßig aktiv. Kritiker weisen darauf hin, dass die Liste der gesperrten Tracker mit Google und Facebook die wichtigsten Datenkraken auslässt.

Firefox nutzt die Tracker-​Listen von disconnect.me – einem kommerziellen Anbieter von Datenschutz-​Diensten, die ebenfalls auf diesen Listen basieren.

Der Youtuber Bryan Lunduke weist darauf hin, dass diese Listen ein paar entscheidene Lücken enthalten und deswegen keinen guten Schutz vor Tracking bieten. So enthält die Whitelist eine Reihe Adressen von Google und von Facebook.

Firefox’s Enhanced Tracking Protection whitelists Google, Instagram… and Winamp?

Disconnect erklärt diese Ausnahmen mit der User-​Experience:

„Disconnect strives to find the balance between privacy, security, usability and promoting a better Internet for everyone. These concerns drive our decisions in regards to trackers we block and don’t block. We do not accept payment for unblocking trackers.”

disconnect.me

Ich finde das nachvollziehbar – auch von Mozilla. Zu Hause habe ich ein Pi-​Hole installiert, dass eine Menge Scheiß aus dem Web filtert. Was das noch durchlässt, wird von Browser Plugins gefiltert. Dieses restriktive Setup sorgt immer wieder für merkwürdiges Verhalten von Geräten und Websites.

Ich kann damit umgehen, weil ich ahne, woran es liegt, wenn eine Seite ohne CSS geladen wird oder gar nicht erst erscheint. Normale Nutzerinnen und Nutzer, deren Browser plötzlich Seiten nicht mehr wie gewohnt anzeigt, wechseln den Browser und da geht es wieder.

Firefox hat noch eine Menge normaler Nutzer.innen und mit denen muss das Unternehmen vorsichtig umgehen, damit sie nicht wechseln. Seit Jahren geht Mozilla kleine Schritte in Richtung standardmäßigen Schutz der Privatsphäre vor zu viel Ausspähung. 2015 wurde der Tracking-​Schutz angekündigt und zunächst nur im „Privaten Modus” aktiviert. Jetzt ist er überall verfügbar und schon bei der Installation aktiv. Ich finde, das ist ein Fortschritt. Und es wird nicht der letzte Schritt sein. Wer heute schon mehr Schutz im Firefox will, kann den per Plugin nachrüsten.

Gleichzeitig macht der letzte verbliebene und dominierende Wettbewerber von Mozilla, Google, es in seinem Browser Chrome schwieriger, sich vor Tracking zu schützen. Betroffen sind davon dann auch die Ableger wie Brave und Vivaldi, die bisher versprachen, den Komfort und die Geschwindigkeit von Chrome mit Datenschutz zu versöhnen.

Während die Browser sich bislang immer eher parallel entwickelt haben und mal der eine mit neuen Features vorne lag und mal der andere, entwickeln sie sich jetzt auseinander: Firefox wird immer mehr der Browser für Datenschutz-​bewusste Browser und Chrome der für Leute, denen das egal ist.

Hat’s Dir gefallen? Bitte teilen:



Kommentare

gerriet
gerriet:

Ich denke das Problem liegt auch der webseitengestaltung, weil wer kann heute noch per Hand eine Webseite erstellen? Fast keiner mehr und der Grund ist das die meisten entweder webseitbuilder ala Hugo oder diese baukasten dinger benutzen. Diese hauen allerhand Zeuge rein, was der ersteller gar nicht mitbekommt. Und dann kommen bei filterungen halt seltsame ergebnisse zu stande.

7. Juni 2019 um 12:32

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.