Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Internet : Die Abo‐​kalypse

Die Abo-kalypse
Eigene Collage | Fotos: https://pixabay.com

Steffen Voß

Immer mehr Links enden vor Bezahlschranken. Streaming‐​Dienste splitten sich auf. Für was soll ich eigentlich noch alles Abos abschließen?

„Als das Internet erfunden wurde, hat man vergessen, die Bezahlbuden aufzustellen”, ist ein Satz, der vor 12 Jahren auf den Mediatagen Nord fiel und den ich mir gemerkt habe. Die Situation hat sich gewaltig geändert: Heute ist alles voller Bezahlbuden und überall soll ich Abonnements abschließen.

Es mag praktisch sein, wenn der Zugang zu Musik 10€ im Monat kostet. Und der Zugang zu Filmen kostet 10€ im Monat. Bisher war Netflix der beliebteste Dienst für Video‐​Streaming. Mit einem Netflix‐​Abo waren viele Menschen gut bedient. Jetzt scheint dieser Markt aufzubrechen. Youtube Premium will inzwischen 11,99€ im Monat. In nächster Zeit sollen verschiedene weitere Streaming‐​Dienste starten, die ihre Inhalte direkt von den Studios beziehen. Disney zum Beispiel will mit den eigenen Filmen und Serien direkt kassieren.

Die düstere Zukunft von Netflix | WALULIS

Nach uns nach wird es weniger neue Filme und Serien bei Netflix geben. Für Serie A wird man dann ein anderes Abo brauchen als für Serie B. Ein 10€-Abo kommt zum nächsten, wenn man das denn alles so mitmachen will.

Dazu kommt, dass in letzter Zeit immer mehr Klicks auf Nachrichten‐​Artikel vor Bezahlschranken enden. Klar, früher hätte ich auch für jede Zeitung einzeln bezahlen müssen. Aber früher wäre ich auch nicht ständig auf Artikel in unterschiedlichsten Zeitungen hingewiesen worden.

Nachrichtenmedien wollen direkt vom Leser Geld. Das ist legitim. Es sollen alle ihr Geld verdienen. In den USA sind 1800 Zeitungen in den letzten 15 Jahren eingegangen. Inzwischen gibt es in so vielen Regionen keinen lokalen Journalismus mehr, dass sogar Facebooks Lokaljournalismus‐​Projekt frustriert aufgibt. So viel zu „Ich finde meine Nachrichten auf Facebook”…

Mit Werbung allein funktioniert das nicht mehr – spätestens seit Google und Facebook einen Großteil der Werbegelder einstreichen. In den USA sahnen sie fast 60% ab. Das System das sie dazu benutzen, ist für deutsche Verlage unmöglich zu kopieren. Das kann auch niemand wollen.

Schwierig finde ich diese Entwicklung vor allem in einer Zeit von Fake News. Wenn man herausfinden will, ob etwas stimmt oder nicht, leiten mich die Suchmaschinen auf Artikel, die ich gar nicht lesen kann.

Es hilft auch nicht gerade, dass man sich überall einzeln anmelden muss, um zu bezahlen. Ein zentraler Dienst wie Laterpay könnte helfen. Da bezahlt man dann einmal sein Abo und kann kreuz und quer durchs Internet lesen. Allerdings macht da bisher fast niemand mit und es wäre nur wieder ein zentraler Dienst mehr, der einen quer durchs Internet verfolgt.

Wie viel bist Du bereit, im Monat für Abos zu bezahlen?

Subscription Affliction – Everything is $10/​month

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Kommentare

Dirksen
Dirksen:

Es braucht rein technisch keinen zentralen Dienst mehr. Wir haben Cryptowährungen, ergo digitales Bargeld. Es ist möglich eine Zahlung zu tätigen und instantan eine Gegenleistung zu bekommen. Beispielsweise einen Artikel oder ein Video freizuschalten.

Der Payment Layer, den das Ur‐​Internet noch nicht hatte, ist jetzt da. Und er ist genauso dezentral wie das Internet selbst.

27. März 2019 um 14:22

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