Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Kolumne : Wenn die Drohne zweimal klopft

Transformer
Ihre Pizza ist da! | Foto: Jake Archibald - CC BY 2.0

Steffen Voß

Selbstfahrende Autos könnten bald auch Pizza ausliefern, erklärte der Chef einer US-amerikanischen Lieferservice-Kette kürzlich. Klingt logisch – wenn jetzt schon die ersten Busse auf Sylt ohne fahrer auskommen, warum sollte Pizza in Zukunft noch von Menschen ausgefahren werden. Dafür benötigt man nicht einmal einen Personenbeförderungsschein. Pizza ausfahren darf einfach jeder. In Kiel muss man dafür zum Teil sogar nur Fahrradfahren können. Ich frage mich nur, was passiert, wenn das Auto bei mir vor der Tür ankommt.

Bekomme ich dann eine Benachrichtigung aufs Handy oder hupt es einfach? Muss ich vier Stockwerke runter und nach draußen laufen, damit ich meine Pizza abholen kann – in den Kieler Regen? Oder startet von dem Auto aus eine Drohne mit dem Essen in einer Tüte unten dran? Klopft die Drohne dann bei mir ans Fenster? Oder steigt ein Roboter aus dem Auto, der die Treppen herauf klettert, nachdem er unseren fast unhörbaren Türöffner richtig gedeutet hat? Oh, ich weiß! Das Auto verwandelt sich in einen Roboter und läuft zu mir hoch. Wie so ein Transformer!

Ich seh da noch ein paar praktische Hürden. Ich hoffe der Lieferservice-Chef ist schon weiter mit seinem Denken. Ansonsten klingt das für mich eher so, als würde er versuchen, sein eigenes Problem zu lösen und nicht das seiner Kunden. Wer sich Essen nach Hause bestellt, will man es bequem haben. Wenn man einen Lieferservice betreibt, will man dagegen möglichst wenig Kosten und möglichst viel Gewinn haben. Menschen sind teuer, wollen Urlaub, arbeiten unterschiedlich gewissenhaft und sie werden krank, schwanger und alt. Also spart man sie möglichst ein, wenn man Lieferservice-Chef ist.

Schöner ist es, wenn Unternehmen überlegen, wie sie die Probleme der Kunden mit Technologie lösen. Auf der Technikmesse CES gab es allerlei technischen Unsinn zu sehen: Toiletten mit Sprachsteuerung. Ein Entwickler aber, hat seine Frau gefragt, was er erfinden soll und das erfunden: Einen Roboter, der die Wäsche zusammenlegt. Noch ist der so groß wie ein Schrank. Aber wir wissen ja, wie sich Technik entwickelt – bald passt der in jede Hosentasche!

A demonstration of “Laundroid,” the world’s first automated laundry-folding robot

Dieser Text ist auch als Kolumne bei shz.de erschienen.

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